-A  A  A+
11.02.2009, Ausgabe 07/09

Intern

Anzeige

«Der alte Volkstribun hat die Schweizer Politik in den vergangenen zwei Jahrzehnten geprägt», schrieb FDP-Präsident Fulvio Pelli vor wenigen Tagen in seinem Parteiblatt Freisinn. «Nun muss Schluss sein.» Es wirkt fast erheiternd, wie die Konkurrenz Christoph Blocher seit gut einem Jahr – seit er überraschend aus dem Bundesrat abgewählt wurde – ungeduldig in die Pensionierung wünscht. Doch der Alte weigert sich, Geschichte zu werden. Sicher ist: Blocher hat längst Geschichte geschrieben – ganz gleich, in welcher Phase seines politischen Lebens er steht. Seit den frühen neunziger Jahren hat der Dominator aus Herrliberg mit seiner Politik, seinem gut schweizerischen Charisma, seiner Intelligenz und seinem Geld die Schweiz umgepflügt. Keiner hat mehr Gegner gegen sich aufgebracht, keiner mehr Anhänger gewonnen. Was wird bleiben? Warum war Christoph Blocher möglich und nötig?

Unser Autor Markus Somm hat ein gutes Jahr lang recherchiert, mit namhaften Persönlichkeiten Gespräche geführt, Archive durchforstet und Bücher verarbeitet, um das Phänomen einer für dieses Land sehr seltenen Karriere zu ergründen. Blocher selbst stellte sich mehreren ausführlichen Interviews zur Verfügung. Entstanden ist eine neue politische Biografie, die Christoph Blocher autorisiert hat. Somm schildert mehr als Blochers Leben, er bietet auch eine neue Interpretation der Geschichte der Schweiz in den vergangenen dreissig Jahren. Das Buch erscheint diesen Donnerstag im Appenzeller-Verlag. Wir bringen einen Vorabdruck.

Als der Journalist Malte Herwig die vergilbte Karteikarte im Keller des Berliner Bundesarchivs sah, staunte er nicht schlecht. Doch die Angaben auf dem Fund in der NSDAP-Mitgliederkartei liessen keine Zweifel zu: Der berühmte, heute 82-jährige Komponist Hans Werner Henze wurde als Mitglied von Hitlers Partei geführt. Später trat Henze in die Kommunistische Partei Italiens ein und auch seine Werke sah er als Beitrag zum Antifaschismus. Seit Jahren schon beschäftigt sich Journalist Herwig mit der spät ans Licht kommenden NSDAP-Mitgliedschaft zahlreicher prominenter Angehöriger der Jahrgänge 1926 und 1927. Bis auf eine Ausnahme wollte sich kein einziger der führenden Vertreter aus Literatur, Kunst und Wissenschaft daran erinnern, jemals einen Aufnahmeantrag unterschrieben zu haben. Auch Henze gab sich am Telefon überrascht über seine «phantomatische Mitgliedschaft» in der NSDAP: «Es kommt einem so vor, als ob irgendwelche bösen Geister aus der Finsternis auftauchen.»

 

Wir freuen uns, auch in dieser Ausgabe eine ganze Reihe namhafter Gastautoren präsentieren zu dürfen: Matthias Rüb, USA-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, schreibt über Obamas Konjunkturpolitik. Georg Meck, Wirtschaftsredaktor bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, kommentiert die PR-Meisterleistung des Schweizer Chefs der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Der Publizist und Kolumnist Konrad Adam analysiert die Empörung über Papst Benedikt. Und Peter Rothenbühler, Redaktionsdirektor von Le Matin, hat die Schweizer Legende Hausi Leutenegger getroffen.

Ihre Weltwoche

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 07/09
Link veroeffentlichen aufTwitterFacebookdel.icio.usFolkdLinkaARENAMister WongWebnewsYahooMyWebYiggItgoogle.comWeitere via addthis.com

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

Login        Registrierung

Christine     18.02.09 20:32

Liebe Tina
Du liebst die stolzen Federviecher. Ja, kann ich gut nachvollziehen. Wie trifft es doch so oft zu in unserem Verstehen, dass die Tiere in Würde, Stolz und einer Selbstsicherheit ihres Weges gehen, als wär die Welt die ihre (ist sie ja auch). Anders als mit unserem Vokabular, unseren Worten, sind sie nicht zu beschreiben, und man ist versucht zu glauben, dass sie sich auch "so fühlen und so sind". Umgemünzt auf die tierische Art natürlich. Da geht einem wirklich das Herz auf und oft ein Licht, wenn man beim Beobachten das Ausgeklügelte in ihrer Art und ihrem Tun erkennen kann.
Deinen Bauern finde ich sehr sympathisch. Genau so würde ich dem Füchslein auch Unterschlupf gewähren. Und dem Huhn auch. Unerträglich wird es halt, wenn sie einander fressen wollen

Hackel     18.02.09 09:36

Liebe Christine,
die Huehner haben einen gut gesicherten Huehnerhof mit mehreren Huesli (sind drum mindestens drei Rassen); aber wann immer die Besitzerin da ist, laufen sie frei, wo immer sie moegen, auch auf dem Misthaufen und in den Unterstaenden der Pferde und Ponys im Heu und Stroh, unter den Apfelbaeumen, oder stehn hoch erhobenen Hauptes mitten auf dem Fussweg, allen Spaziergaengern samt deren Hunden z'Trotz! Ich liebe diese stolzen Federviecher!

Unser naechster Bauern-Nachbar bietet einer ihm offenbar sympathischen Fuechsin jeweils in der Scheune einen Nestplatz der Luxusklasse!
Die wollen auch leben, findet er, und wenn die Fuechsin halt mal in den Huehnerhof reinkommt ... jaa....dann haben die Huehner Pech gehabt.

Liebe Gruesse,

Christine     17.02.09 20:25

Hallo, liebe Tina. "Leise rieselt der Schnee." Die Riesenmenge, die vorausgesagt wurde, gab es hier nicht. Umso nasser pflotscht es.

Gestern habe ich von zwei älteren Ladies erfahren, die mit über 60 ausgewandert sind, die eine nach Irland, die andere nach Australien. Die eine hat seit ein paar Jahren "gependelt" und ist nun def. in Irland, die andere zog es schon vor ein paar Jahren nach Australien. Keine käme mehr zurück, beide fühlen sich wohl, als wären sie "angekommen". Bist Du eigentlich auch "hier angekommen"? So richtig wieder daham?

Dass Migros und Coop, also die Grossen, mit Bio nachgezogen sind, ist den Konsumenten zu verdanken. Selber bin ich nicht konsequent. Beim Fleisch schon (eher), obwohl das so na dis

Hackel     17.02.09 10:25

Liebe Christine, das vegetarische, biologische und regionale Angebot wird in der hiesigen Migros immer groesser, freut mich sehr, weil: in Florida war ich diesbezueglich sehr verwoehnt geworden!

Also nichts mit Oelsardinen. Aber zur Feier des Tages eine (Aktion) Packung Extra-feines ("Wellness" )Futter fuer Jacky Poo, worueber sich auch Kumpel Nino und Katzendame Nina ganz begeistert zeigten!

Nenei, grundsaetzlich hab ich nichts gegen Fleisch und Fisch, wir hocken nun mal oben auf der Nahrungspyramide. Aber im Hinblick auf Produktion und Herkunft ist mein Vertrauen amene chlyne Ort. Wenn auch mein Boykott weiter nichts bewirkt, als dass ich mich selber ein wenig besser (weniger beschissen) fuehle.

Was die Vierbeiner angeht, hab ich's

Christine     16.02.09 20:07

Tina! Ich hoffe Du hast genug Kömerlet, Oelsardinen und so, es soll nämlich heute nacht und morgen gleich kübelweise schneien. Hier im flachen bis höheren Flachland sollen es 30 bis 70 cm werden.

chateau     16.02.09 14:38

thimc: ZU den Illusionen der Grünen. Es ist lobenswert Solarstrom und Windenergie (nicht vor meinem Haus) zu fördern. Aber sehen wir doch an welche Energieart gegenwärtig und noch für viele Jahrzehnte dominieren:
Erdoel 36%, Kohle 28 %, Gas 24%, Hydro 6%, Nuclaear 6%, sog. erneuerbare ohne Wasserkraft 1%!
Selbst wenn man die erneuerbaren vervielfachen könnte, wäre das nur ein Topfen auf einen heissen Stein.
Und wenn etwa in Grünen Kreisen die Tendenz dahin gehen sollte, Kernenergie zu verbieten, dann muss man ihnen Einhalt gebieten. Es gibt entschieden wirkungsvollere Alternativen. 1. Kernenergie ausbauen, da hervorragende CO2 Bilanz. 2.Einwanderungsstopp, denn jeder Einwanderer wird fortan soviel CO2 produzieren wie die Alteinwohner, also irgendwo zwischen 5 und 10 T

Hackel     16.02.09 13:31

Ja, Christine, ich geniesse es richtig, dass mein Zimmer hier zwar kleiner als eine Standard-Pferdeboxe ist, aber halt mit herrlichem Auslauf und weitem Blick grade vor der Tuere!
Da gaebe es nicht mehr viel zu putzen, aber ... an Mom's Restwohnung kann ich mich da schon noch austoben. Einkaufen gehe ich mit dem Rucksack, und das ganze Gestuerm samt Kosten um Auto-Besitz bin ich auch los.
Dafuer bekomme ich jetzt wieder - erstmals nach zehn Jahren - eine Steuererklaerung!

Nun laufe ich noch schnel los zum Koemerle, ehe's wieder schneit.
Liebe Gruesse,
Tina

Christine     16.02.09 12:55

Ja, Tina, beim Hausbesitzen ist ja nicht das schöne, besitzen zu können, sondern Freiheit und Platz geniessen zu können. Ein Grundbedürfnis, das von vielen gar nicht mehr als Grundbedürfnis erkannt wird, seit es der Uebervölkerung wegen in "Quadratmeter" umgetauft werden musste. Und die sind eine Angelegenheit des Preises und nicht des Bedürfnisses.

Dieses Prinzip hat man auf unser Nutzvieh umgeschlagen, was man sehr schön an ihren Käfigen und Behältern erkennen kann: Wir wollen uns für sie die Quadratmeter ebenfalls nicht leisten, obwohl bei ihnen das Bedürfnis noch vorhanden wäre.

Oder so. Gell, verschtasch :-)

Gruss aus dem Büro
Christine

Christine     16.02.09 12:38

Wie heisst es so schön zu Betrug, Chateau:

"Die Triebkraft des Geschäfts, die Seele der Religion, der Köder der Liebeswerbung und die Grundlage politischer Macht."

Sogar im Kind steckt der Betrüger, habe ich doch als solches versucht, meinen kleineren Bruder das grössere Geldstück wählen zu lassen, als ich ihm ein Füfzgerli und ein Zwänzgerli hinstreckte ("Wotsch nöd s'Grössere näh?"). Er nahm das grössere, worauf ich gerügt wurde. Zwischenzeitlich hat er gelernt und ich auch.

Heute rügt halt Keiner mehr.

chateau     16.02.09 12:19

thimc.Betrügereien grösser als Madoff sind noch nicht öffentlich. Der Madoff Skandal mit 50 Milliarden wird als Riesenskandal dargestellt. Es gibt in den USA Skandal von weit grösserem Ausmass, so gross, dass es nicht bezifferbar ist.
1.Der Silberskandal. Die SEC ist jetzt voll ausgelastet mit der Madoff Untersuchung, wo sie zehn Jahre lang geschlafen hat. Aber vielleicht hat sie nicht gechlafen,sondern mit gemacht.Alles ist in Amerika möglich.
Der Silberskandal (niedrig halten des Preises) hat ein viel grösseres Ausmass. Hunderte Minengesllschaften sind in Gefahr oder müssen schliessen und natürlich Personal entlassen, weil der Preis seit Jahren, aer beso nders im Juli 2008 nach unten manipuliert wurde. Welche Resultate die laufende Untersuchung zeitigt, wird man ja sehen.

Schnellzugriff  

Weitere Themen aus dem Dossier

Zur Dossier Übersicht

Meist ...

kommentiertgelesen

zu den Top 20
meist kommentiert

kommentiertgelesen

zu den Top 20
meist gelesen

Weitere Autoren

alle Autoren

Stöbern

Ausgaben