Vergangene Woche war ich in Oerlikon, fast chez moi also, die sogenannte Swiss-Award-Gala fand statt. Wenn es nach den Verantwortlichen des Schweizer Fernsehens gegangen wäre, wäre ich ganz zu Hause geblieben (oder auf jeden Fall nicht in das Hallenstadion hineingelassen worden; der Swiss Award ist eine Veranstaltung des SF unter anderen). Das ist im Grunde schade. Wäre ich einfach reingekommen, hätte ich einfach über das beef des Anlasses geschrieben. Etwa: «Tim Wielandt, Mister Schweiz 2007, kam alleine. Ist es aus?» Und «Jennifer Ann Gerber, Miss Schweiz 2001, ebenfalls, das heisst mit einem walker (Visagist von Beruf). Ist sie wieder Single? Oder etwa mit Boris Becker zusammen?»
Im Grund bin ich ein «Ubi nihil vales, ibi nihil velis»-Typ (Wo du nichts wert bist, sollst du nichts wollen). Aber im Business gewinnt man damit keinen Blumentopf (und keinen dritten Platz bei «Journalisten des Jahres», Kategorie «Kolumne», der Zeitschrift Schweizer Journalist). Darum konnte ich es nicht gut sein lassen, als es hiess: «Danke für Ihr Interesse am ‹Swiss Award›. Eine Akkreditierung für den VIP-Apéro ist jedoch nicht möglich.» (Der «VIP-Apéro» findet vor der Livesendung statt, dort darf man mit Prominenten reden.) «Was ist das Problem?», fragte ich. Ich meine, ich habe mich zeitig akkreditieren lassen, vergangenes und vorvergangenes Jahr berichtet, nicht vom Finger-Food eingepackt, keine Nominierten aus der Romandie bzw. dem Tessin gefragt «Who are you?» . . . (Antwort: kein Platz mehr, schon genug Journalisten akkreditiert, zum Beispiel elf von der Schweizer Illustrierten, Gruss, Media Relations SF.)
Das geht gegen die Weltwoche, meinte ich. (Urs Paul Engeler, ein Redaktor, schrieb kritisch über das Fernsehen, kann man sagen, und Roger Köppel, mein Verleger, hatte einmal eine Meinungsverschiedenheit mit Ingrid Deltenre und Sacha Wigdorovits, ihrem Freund und Besitzer eines Public-Relations-Büros.) Das störte mich ein wenig – wenn schon geblacklistet, dann wenigstens erstens, weil ich MvH bin, und zweitens von Wachter, Durrer, Meroni oder Affentranger, mittelgrossen Chefs immerhin, und nicht von einem new kid-Redaktor. Doch dann erzählte mir mein Maulwurf, der gerade im SF-Media-Relations-Büro war, es sei nicht gegen die Weltwoche, habe er mitgehört – sondern gegen mich persönlich («Der ist nicht erwünscht; das kommt von oben»). So ist es dann schon fast in Ordnung.
Ich war trotzdem an dem «VIP-Apéro», klar. («Du bist kein Kolumnist, wenn du dich nicht in ein Zelt bluffen kannst», sagte Taki Theodoracopulos, mein Vorbild, als ich ihn einmal fragte, ob er mich ins Haus des Eagle Ski Club auf dem Wasserngrat führen könne.) Zu Deltenre sagte ich vor Ort: «Danke für das Nichteinladen, Ingrid.» Sie antwortete, davon wisse sie nichts resp. das könne nicht sein, ich sei willkommen. Und sie fragte: «Warum hast du nicht mich angerufen?» (Das hatte ich getan, vor zwei Jahren – es gab schon einmal einen hiccup mit meiner Akkreditierung. Ich solle den Dienstweg einhalten, sagte sie damals.)
Kurz vor der Livesendung traf ich Urs Rohner, Mitglied des Executive Board der Credit Suisse, was mich freute (wir lernten uns vor einem Jahr kennen, privat, beim Frühstück in einem Restaurant; er blieb mir als sympathisch und smart in Erinnerung). Er freute sich nicht, so sah es aus. Er sagte, alles, was ich jemals geschrieben habe über seine bzw. die Zusammenarbeit seiner Arbeitgeberin mit dem Zurich Film Festival, sei falsch gewesen (CS ist Geldgeberin des Filmfests). Das trifft einen. Ich finde nämlich, ich sei faktentreu; seit neunzehn Jahren im Geschäft, und Anzahl Fälle, in denen ein Richter oder der Presserat gegen mich entschied – zero (doch ich bin auch «einzigartig frech in der unterwürfigen Welt der Society-Reporter», Jurystimme Schweizer Journalist). Nur habe ich, nebenbei, nie etwas behauptet in dieser Sache, sondern Fragen gestellt, auch dem zuständigen Mitarbeiter der CS («Wie kam Zurich zu seinem Film Festival?» etc.), Antworten oder einen Rückruf gab es nicht.
Den Swiss Award Kategorie «Gesellschaft» (das Gebiet, das mich und meine Leser am meisten interessiert) übrigens hat Giovanni Lombardi bekommen, ein auf Tunnelbau spezialisierter Ingenieur und Tessiner.













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