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30.12.2008, Ausgabe 01/09

Nahost

Wie ein zorniger Bulle

Die verheerenden israelischen Angriffe auf Gaza wurden von der islamistischen Hamas provoziert. Die Not der Bevölkerung dient den zynischen Extremisten als Propaganda.

Von Pierre Heumann

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In moralischer Entrüstung über Israel herzufallen, fällt wieder einmal leicht. Die Bilder aus Gaza, die nach den israelischen Fliegerangriffen um die Welt gehen, zeigen nichts als Elend, Verzweiflung und Zerstörung.

Doch die Empörung hat sich vor allem gegen die radikalislamistische Hamas zu richten. Sie hat die Katastrophe, die jetzt Gaza heimsucht, regelrecht provoziert. Bewusst nahm sie das Leiden Unschuldiger in Kauf, als sie sich am 19. Dezember weigerte, den Waffenstillstand mit Israel zu verlängern.
Die Hamas war gewarnt worden: Vom ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak und vom Palästinenserpräsidenten Machmud Abbas zum Beispiel. Denn Jerusalem hatte den Tarif klar durchgegeben: Sollten die permanenten Raketen-Aggressionen aus Gaza nicht aufhören, werde Israel mit Gewalt gegen die Raketenwerfer und ihre Hintermänner vorgehen, hatte Premierminister Ehud Olmert nur Tage vor dem Angriff in einem Interview mit einem arabischen Fernsehsender gedroht.
Das Wohlergehen der palästinensischen Bevölkerung ist offenbar nicht das primäre Ziel der Hamas. Sie trägt zwar Regierungsverantwortung für die 1,5 Millionen Einwohner des Gazastreifens. Doch die staatsmännische Pflicht, die damit verbunden ist, nehmen die Islamisten nicht wahr. Sie bleiben der Widerstandsideologie verpflichtet. Der Hamas geht es nicht so sehr um die adäquate Versorgung der Bevölkerung, sondern um die Rückeroberung der besetzten Gebiete. Sie verwendet das Geld, das sie vor allem aus dem Iran und aus reichen Golfstaaten erhält, für Munition und Aufrüstung statt für soziale Zwecke und die Erhöhung der Lebensqualität der Bürger. Zum PR-Arsenal der Hamas gehört zudem die perfide Methode, Waffenlager, Raketenfabriken und Trainingslager in dichtbesiedelten Gebieten zu belassen. Damit ist es unumgänglich, dass Zivilisten bei Attacken getroffen werden. Die Hamas erntet jetzt den Ertrag — in Form fürchterlicher Bilder, die aus den eigentlichen Tätern Opfer machen. Die Bevölkerung von Gaza ist die Geisel der Hamas.

Brandstifter Iran

Die Hamas, dies wird klar, hat mit ihrer Provokation vor allem ein Ziel verfolgt, das zynischer kaum sein könnte: Sie empfiehlt sich als Partnerin für den Dialog. Ohne ihre Zustimmung werde es keine Ruhe geben, lautet die maliziöse Botschaft. Mehr noch: Der massive Schlag gegen die Hamas, dessen Ende noch nicht abzusehen ist, erhöht das Ansehen der Islamisten aus Gaza im arabischen Raum.

Zu den Konflikttreibern und Brandstiftern gehört die Islamische Republik Iran. Sie verfolgt, auf dem Rücken der Palästinenser, ein strategisches Ziel. Die Mullahs wollen sich mit Hilfe der Hamas am Mittelmeer, zusätzlich zur Hisbollah im Libanon, eine weitere militärische Bastion aufbauen. Hamas-Aktivisten erhalten in Teheran immer wieder mit grünen Noten gefüllte Koffer, die sie nach Gaza schmuggeln. Radikale Palästinenser werden vom Gottesstaat zudem militärisch ausgebildet und ausgerüstet.
Am 19. Dezember hatten die Hamas und ein Dutzend weiterer Palästinensergruppen die sechs Monate alte Waffenruhe mit Israel auslaufen lassen — eine Waffenruhe, die allerdings stets brüchig gewesen war: Über 200 palästinensische Raketen wurden in dieser Periode gezählt. Seit dem Ende des Waffenstillstandes liess die Hamas die Lage erneut eskalieren. Mehr als 200 Raketen und mehrere Mörsergranaten haben in der Folge in Israel eingeschlagen. Dabei will die Hamas stets Zivilisten und nichtmilitärische Einrichtungen treffen. Die Raketen verfehlen ihre Bestimmung in der Regel nur wegen ihrer mangelhaften Zielgenauigkeit. Aber die ständige Angst vor den Kassam-Raketen macht das Leben im Süden Israels zur Qual. In den vergangenen sieben Jahren sind dort 4000 Raketen niedergegangen. Der Beschuss nahm auch kein Ende, nachdem Israel den letzten Siedler und den letzten Soldaten aus Gaza abgezogen hatte. Viele Einwohner flüchteten deshalb gegen Norden oder brachten wenigstens ihre Kinder in Sicherheit.
Eine klare Mehrheit der israelischen Bevölkerung, fast alle Politiker und die meisten Parteien sind sich deshalb einig: Die Raketen aus Gaza, die den Süden Israels unsicher machen, rechtfertigen die Militäraktion. Dieser Meinung ist jetzt im Übrigen nicht nur die Rechte, sondern auch die Linke. So erinnerte in der vergangenen Woche der Schriftsteller Amos Oz die israelische Regierung an ihre Pflicht, die Bürger des Staates zu verteidigen. Das ständige Bombardement auf israelische Bürger nahe dem Gazastreifen bezeichnete er als ein «Verbrechen gegen die Menschheit».
Israel will mit dem Militärschlag gegen die Hamas den Nachbarn wieder das Fürchten lehren. Während Jahren hat es den anhaltenden Raketenhagel aus Gaza hingenommen, ohne darauf adäquat zu reagieren. Seit der Schlappe im Libanonkrieg vor zwei Jahren befürchten israelische Strategen eine weitere Schwächung des Abschreckungspotenzials, das fürs Überleben des Staates notwendig ist. Trotz massiver Angriffe der israelischen Armee war die Hisbollah in der Lage gewesen, Tausende von Raketen auf Israel abzufeuern, womit sich Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah viel Respekt bei den Arabern verschaffte. Gleichzeitig sank im arabischen Raum die Ehrfurcht vor der israelischen Armee. Dieses Image will Jerusalem nun ändern. Auch Teheran, aus dem immer wieder martialische Töne zu hören sind, soll demonstriert werden, dass Israel wie ein zorniger Bulle reagiert, wenn es angegriffen wird.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 01/09
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Kommentare

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Bettina Hackel     03.11.09 18:58

Burg ist ja wohl ziemlich abgehoben, resp. ein Fundamentalist mit schwebendem Gang; insofern doch unterschieden von jenen Siedlern, die ihre Visionen von Gross-Israel für felsenfest begründet halten, weil in der Bibel steht: ausgerottet soll werden, wer schon länger da war auf dem verheissenen Boden...usw.
Es war glaub ich ein Bericht in der NZZ gewesen vor ein paar Tagen, der mich daran erinnerte, wie wenig Hoffnung auf Fundis zu setzen ist - welche auch immer. In meinem Kopf vernahm ich Zara: "Oh Ekel...!"

Freut mich, dass einige von Euch noch da sind ;-), herzliche Grüsse,
Tina

Jeanna     23.04.09 21:50

Please, webmaster ! Diese beiden vorstehenden postings von mir löschen .. sie gelten nicht! Ich habe absolut keinen Schimmer wie das technisch möglich war: Als ich meine Antwort an Autonomous im Editorial 17/09 (!) posten wollte, standen dort plötzlich diese vorangegangenen Beiträge von Werni, markb, Neusprech und mir dort ... DORT. Dort, so wahr ich Jeanna und sonst gar nichts heisse !
Die Irritation war grenzenlos, aber ich spinne nicht.
Beim "zweiten Hinsehen" später hat unten am Bildschirm eine noch NIE gesehene rosa Zeile aufgeleuchtet. Ich verstehe das hinten und vorne nicht, noch viel weniger kann ich es mir erklären woher die gekommen ist.

Sorry.

Jeanna     23.04.09 21:05

Wie ich sehe, postet jetzt auch noch irgend ein Durchgeknallter mit x Nicks inkl. der gesperrte (!) markb, frühere Postings von mir unter meinem Namen (!!!) und nicht etwas als Zirat.

Bravo und super, Herr Webmaster, dass auch noch (!) dies ermöglicht wird !

Wird langsam Zeit, dieses Irrenhaus - auf persisch: Timarestan - zu verlassen.

Jeanna     23.04.09 20:57

@autonomus:
Nur kurz, muss noch weg:
Ich stelle die z. T. überaus hanebüchern angewandten Doblestandards und Verlogenheiten (!!!) in allerlei Hinsicht hier seit Jahren dar. Erfolg verspreche ich mir indessen keinen, gehöre aber zu jenen nicht Wenigen, die überzeugt sind, dass sie aufgezeigt werden nicht nur sollen sondern müssen ! Das hat herzlich wenig zu tun mit der "bodenlosen Schlechtigkeit" des Westens und halt eben auch nicht mit der medial betriebenen pauschalen Verteufelung von Menschen in islamischen Ländern und insbesondere der Dämonisierung des Iran ! Wo jeder einigermassen informierte Zeitgenosse weiss, wann und warum das begonnen hat.
Re Iran habe ich Dir auf Anfrage hin schon im Terrasse versucht eine kompakte Entwicklungsanalyse in druckreifen

werni425     12.04.09 19:37

markb,
Gut und wohl überlegt geschrieben. Warum in den andern Foren nicht auch so fundiert, ohne Häme?
Werni

markb     11.04.09 19:22

Man kann nur noch staunen, wie sich hier immer die gleichen "sog. selbstdeklarierten Israelexperten" über Wochen erdreisten, hier mit der grösstmöglichen Impertinenz und Arroganz über die einzige wirkliche Demokratie im Middle East herzufahren und dann noch zu meinen sie hätten von irgendwas wirklich eine Ahnung was dort wirklich passiert!

Es würde uns Schweizern anstehen, da mit Urteilen sehr zurückhaltend zu sein und nicht vom hohen Ross herunter meinen, man wüsste was dort Sache sei und wer die Guten und die Bösen seien und entsprechend urteilt!

Ich halte mich da wie immer an die vorhandenen, erhärteten Fakten. Fakt ist, dass mit der aus islamradikalen Kreisen (Iran, Al Qaida, Saudi Arabien) finanzierten Hamas und der faktischen nun zwei vorhanden

Neusprech     03.04.09 17:06

Die Bürger Israels haben sich nun also in Form des breiten (allerdings etwas zu aufgeplustertem) Regierungsbündnisses ihre verdiente Pause im 'Friedensverhandlungsprozess' genommen - so wie es die Palis seit Dezennien machen. Das ist nicht so schlimm, wie die künstlich empörte Vox Populi glauben möchte.

An dieser Stelle soll ebenfalls auf eine richtige Einschätzung verwiesen werden:

http://spiritofentebbe.wordpress.com/2009/04/03/boserman/

Jeanna     02.04.09 17:43

Eigene Meinung ? Hier und schon in sämtlichen Heumann- und anderen Foren (auch !) zum Thema IL/Palästina schon auf hundert und zurück zum Ausdruck gebracht. Ich tue nichts anderes, als meine Kenntnisse und Erkenntnisse (!) zum Ausdruck zu bringen. Und nicht selten gerne mit zusätzlichen Links, weil ich mit meinen Kenntnissen und Erkenntnissen alles andere als allein bin.
Ich schreibe in diesen Foren seit über vier Jahren zu nichts anderem als zu diversen Sachthemen und nicht darüber was es jeweils zum Znacht gibt und was ich auf meinen Spaziergängen alles gesehen habe.

Was also bitte schön sollen Deine völlig deplatzierten Bemerkungen und belehrenden Fragen.

Mit dieser Information.

eidgenosse     02.04.09 16:55

mit der moralbrille der heutigen gesellschaft bist wieder einmal äusserst konform gelandet, werte jeanne.

frage: hast du auch eine eigene meinung oder wirfts du deine rute stets aus, um einen meinungsbildenden fisch zu fangen?

warum nicht einfach klar und offen sagen, bekennen wie du über Israeliten denkst?

Jeanna     02.04.09 13:22

Fortsetzung und "Schluss" aus dem Mail von M.B:

Eine kurze Rückblende: Vor neun Jahren, im Februar 2000, berief Israel seinen Botschafter aus Österreich ab, als Jörg Haider und seine rechts-schaffende Brüderschaft sich in die Regierung eingetreten hatten. Das israelische Außenministerium erklärte damals offiziell, "daß man dem Aufstieg rechter Parteien nicht untätig zusehen" könne. Ich weiß auch nicht, warum mir das gerade in den Sinn kommt. Hier einen irgendwie parallelen Zusammenhang zu konstruieren, wäre natürlich absurd. Schließlich kann die israelische Regierung beim besten Willen nicht ihren Botschafter aus Jerusalem zurückziehen, weil sie dort gar keinen Botschafter hat. (Ich füge das nur vorsichtshalber hinzu, damit ich nicht wieder von Henryk M.

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