«Hoffen wir, dass es keinen so tiefen Zwist in der Eidgenossenschaft gibt, dass Maurer wie Bruder Klaus schlichten müsste.» Josef Deuber
Unser Nationalheiliger
Nr. 51/52 – «Jetzt musst du, Ueli»; Ueli Maurer im Interview mit Roger Köppel und Urs Paul Engeler
Zunächst möchte ich Bundesrat Ueli Maurer zu seinem hohen Amt herzlich gratulieren. Bei seinem Leistungsausweis zweifelt man nicht, dass er seine Arbeit bestens meistern wird. Bei meinen täglichen Spaziergängen mit meinem Hund in Obwalden sind mir plötzlich Gemeinsamkeiten zwischen dem neuen Bundesrat und unserem Nationalheiligen Bruder Klaus aufgefallen. Der eine ist zwar reformiert, der andere war katholisch, doch haben beide reichen Kindersegen – der Katholische noch etwas mehr. Beide haben schöne Ehefrauen: Anne-Claude kennt man jetzt aus dem Blick, Dorothea aus Schilderungen vielleicht neidischer Zeitgenossen. Im Militär waren sie gleichrangig, der eine Major bei den Radfah-rern, der andere Rottmeister, bei weiteren Distanzen beritten. Beide kannten berufsbedingt viele Gräser, die Artenvielfalt war zur Zeit von Klaus vielleicht noch grösser. Am auffallendsten aber ist bei beiden der Drang zum naturnahen Leben: Ueli schläft nächtelang im Wald, Klaus verzog sich in die Schlucht. Bei Letzterem wurde das zur Gewohnheit, bei Maurer noch nicht. Politisch war Bruder Klaus eher Rom-orientiert, Maurer steht, wie man weiss, ebenfalls ziemlich rechts. Hoffen wir nun, dass es in absehbarer Zeit keinen so tiefen Zwist in der Eidgenossenschaft geben wird, dass der eine wie der andere schlichten müsste. Josef Deuber, Hergiswil
Die Wahl von Ueli Maurer hat mich unerhört gefreut. Auch seine Kommentare und Bemerkungen zeigen, dass er ein grossartiger Menschenkenner ist. Obwohl ich bis zu meiner Pensionierung immer nur sozialistisch gewählt habe, bin ich jetzt von dieser Linie abgekommen. Als ich in Pension ging, habe ich eine Zeitung gesucht, die nicht nur parteipolitische Propaganda machte, sondern auch bereit war, gute Ideen von anderen Parteien mit einzubeziehen. Dies war vor 17 Jahren die Weltwoche, der ich bis heute als Abonnent treu geblieben bin. Ich war überzeugter Patriot und stolz auf mein Land und die Regierung. Seit Brüssel das Befehlskommando übernommen hat, bin ich weit davon entfernt, mich anstandslos diesen Hierarchie-Dirigenten zu unterwerfen. Wir haben zwei Weltkriege dank unseren Vätern und Vorvätern überlebt; wir werden auch diese Bevormundung überleben. In diesem Sinne, werter Bundesrat Maurer, vertraue ich Ihnen, dass Sie dies bewerkstelligen können. Man braucht auch als kleines Land nicht zu allem danke und amen zu sagen.
Bernard Rouiller, Empuriabrava (Spanien)
Die Wahl von Ueli Maurer in den Bundesrat als Rettung der Konkordanz und als Sieg der Vernunft schönzureden, ist nicht nur sachlich unzutreffend, sondern auch fatal. Die Schande, just am Tag der Menschenrechte einen Bundesrat zu vereidigen, der sich um diese genauso foutiert wie um unseren Rechtsstaat, unsere Gesetze und um primitivste Umgangsformen, wird der Schweiz wohl den Ausschluss aus der Völkergemeinschaft bescheren. Hat schon der verantwortungslose Auftritt von Gabi Huber im Parlament massgeblich zu diesem Super-GAU beigetragen, so ist durch die skandalöse und in allen Kernpunkten sachlich falsche Berichterstattung der Weltwoche auch die Chance vertan, den knappen Sieg Maurers wenigstens dem Ausland als Zufallsmehr verkaufen und dadurch dessen fatale Folgen für unser Land etwas mildern zu können. Toni Bräm, Zürich
Ueli Maurer findet es für 700 000 SVP-Wähler beleidigend, wenn diese als fremdenfeindlich bezeichnet werden. Mich würde sehr interessieren, wie Maurer dann die Tatsache erklärt, dass meine Frau – eine in der Schweiz geborene und aufgewachsene spanische Staatsangehörige – und mein Stiefsohn – Vater Schweizer, hier geboren und aufwachsend – die schweizerische Staatsbürgerschaft, wegen einer vor allem durch die SVP geführten gehässigen Kampagne, nur dank der Heirat mit mir zu einigermassen vernünftigen Konditionen erhält. Ich gehe davon aus, dass Maurer genügend Einfühlungsvermögen hat, um zu verstehen, dass meine Frau das Resultat der obenerwähnten Abstimmung immer noch als Schlag ins Gesicht empfindet.
Andreas Indermühle, Liebefeld
Enttäuschter Thurgauer
Nr. 51/52 – «Das Pyjama war verschwitzt»; SVP-Nationalrat Hansjörg Walter im Gespräch mit Andreas Kunz
Als Thurgauer hat mich das Verhalten von Herrn Walter extrem enttäuscht. Er ist vom Thurgauer Stimmvolk nach Bern geschickt worden, damit er dort in erster Linie die Interessen des Kantons als auch diejenigen der Bauern vertritt. Als Bundesrat hätte er eine ausgezeichnete Plattform bestiegen. Frau Bundesrätin Eveline Widmer Schlumpf hat es vorgemacht. Sie scheute keine Opposition — ist also eine wunderbare Kämpferin. Die heutige Wirtschaftslage verlangt Kämpfernaturen oder solche, die auf die Jugend (in seinem Falle auf die Kinder) hören. Beat Suter, Zürich
Ernstzunehmender Konkurrent
Nr. 50 – «Nervbratze des Jahres»; Michael Rechsteiner über Bastien Girod
Vom Rockstar Magazine wurde Bastien Girod zum nervigsten Schweizer Prominenten des Jahres 2008 gewählt. Die Weltwoche widmet diesem Nicht-Event eine ganze Seite. Genüsslich wird es breitgetreten. Wie war es möglich, dass gerade Girod gekürt wurde, wo seine Konkurrenten doch Mike Shiva und Carl Hirschmann hiessen? Dazu ist zu sagen, dass das Rockstar Magazine vor allem von Männern gelesen wird, die cool, leicht aggressiv und etwas unbeholfen sind, wenn es um Frauen geht. So hat sich Hirschmann, der fussballtechnisch mit zwei linken Beinen ausgestattet ist und mädchentechnisch in einer anderen Liga spielt, gleich selbst die rote Karte gezeigt. Shiva wiederum spielt zwar nicht in einer anderen Liga, dafür in einer anderen Sphäre. Diese ist immer positiv aufgeladen und kostet Fr. 4.50 pro Minute, Fr. 270.– pro Sternstunde – nach Abzug aller interstellaren negativen Einflüsse ungefähr ein Bundesratsgehalt. Da konnte eigentlich nur der gutaussehende «Gutmensch» Girod gewinnen. Denn dieser ist für jeden testosterongesteuerten Rockstar-Magazine-Leser ein ernstzunehmender Konkurrent. Nathalie Weber, Zürich
Ein köstlicher Beitrag — und punktgenau! Darf man weitere Beiträge dieses Autors erwarten? Peter Liniger, Gentilino
Böser Onkel Disney
Nr. 50 – «Amerikas Trick»; Daniele Muscionico über Walt Disney
Na so was! Nun wird also auch Disney zum bösen Onkel aus Amerika, der nach Europa auf Beutezug gehen muss, da die Neue Welt zu Schöpferischem unfähig ist? Wie würde wohl Mozart darauf reagieren, wenn ihm seine sehr präsente Inspiration aus dem ottomanischen Reich als «Beutezug» vorgeworfen würde? Wäre gemäss Daniele Muscionico auch Klimt ein plumper Imitator, nachdem dieser sich an japanischer Kunst gelabt hatte, bevor er seine Meisterwerke schuf? Und Hitchcocks Anlehnungen an zeitgenössische Kunst für seine filmischen Bildkompositionen? Disney hat es in einzigartiger Weise vollbracht, Ästhetik, Spannung und Unterhaltung zur Vermittlung moralischer Werte und künstlerischer Standards mittels eines dazumals revolutionären Mediums zusammenzufügen. Peter Rupf, Genf
Letzte Worte
Nr. 50 – «Schweizer Universalgenie»; Philipp Gut über Albrecht von Haller
Albrecht von Haller, der als Begründer der Physiologie gilt, soll auf seinem Totenbett seinen Puls gefühlt und sein Leben beendet haben mit den Worten: «Il bat — bat — bat — plus . . . » Doris Safra, St.Gallen
Weltwoche allgemein
Die Weltwoche war und ist immer noch die beste Zeitschrift der Schweiz. Kompliment und weiter so! Urs W. Hug, Locarno
Korrigendum
Im Artikel «Neue Honigtöpfe» (Weltwoche Nr. 50/08) schrieb Silvio Borner, dass die Schweiz mit 0,2 Promille einen, am weltweiten Verbrauch gemessen, anteilsmässig geringen CO2-Ausstoss aufweise. Unglücklicherweise handelt es sich dabei um einen Schreibfehler, und der tatsächliche Wert ist zehnmal höher, was einen Anteil von 0,2 Prozent ergibt. Der Autor entschuldigt sich für seinen Fehler. Er bleibt hingegen bei der Aussage, dass die Schweiz als Klimagas-Produzent für das Klima irrelevant ist. Die Redaktion













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