-A  A  A+
10.12.2008, Ausgabe 50/08

MvH

Meine Wünsche

Unser Kolumnist beobachtet die sogenannte Society das ganze Jahr über. Einige Gedanken dazu veröffentlichte er nicht. Bis jetzt.

Von Mark van Huisseling

Illustration: Gregory Gilbert-Lodge

Anzeige

Vergangene Woche blieb ich in Zürich. Ich ging durch mein little black book. Darin gibt es Notizen, die ich an Partys, Events und so weiter des zu Ende gehenden Jahres machte. Meine letzte Kolumne ist der Augenblick, ein paar zu veröffentlichen beziehungsweise den People, um die es geht, etwas zu wünschen.

Wenn man ausgeht und einem Carolina Müller-Möhl begegnet, ist es ein gutes Zeichen – man ist ziemlich sicher nicht an einem schlechten Anlass. Sie ist immer schön angezogen (oft ein Designer, dessen Namen ich mir nicht merken kann). Ihr Partner Roger Lehmann ist auch dabei und sehr schön angezogen (Tom Ford zum Beispiel). Er ist ein Sonnyboy, sie ist kein Cheerleader. Wo drückt der Schuh? Sie ist attraktiv, macht einen prima Job (vermute ich), hat eine feine Familie (so sieht es aus) und das, was man fuck-you money nennt (Schätzung Bilanz: 600—700 Millionen). Warum ist sie dann so unlocker? Weil sie Erbin ist? Mir muss sie nicht beweisen, was sie noch alles kann. Mir wäre sie noch sympathischer, wenn sie einmal etwas nicht könnte. Ich wünsche ihr, dass sie kommendes Jahr mühsame Posten und schwierige Aufgaben, die sie bisher immer annehmen zu müssen meinte, ablehnt.
Das «Zurich Film Festival» (heuer zum vierten Mal) ist eine super Sache. Es steht der Stadt gut an, und ich möchte es weiter unterstützen mit Berichten (ich denke schon, dass ich wieder eine Einladung bekomme). Nadja Schildknecht, Partnerin und Mitorganisatorin, geniesst das Filmfest selber möglicherweise am meisten, sie fühlt sich dann als First Lady von Zurich. Ich wünsche ihr auch kommendes Jahr wieder viel Geld vom Hauptsponsor Credit Suisse (wo Nadjas Partner und Vater ihres kleinen Sohnes Mitglied des Executive Board ist). Ich fände es schade, wenn die Verluste, die die Bank zurzeit macht (3 Milliarden im Oktober, November alleine), darauf Auswirkungen hätten. (Die Inhaber der 5300 Stellen, die abgebaut werden, fühlen vielleicht anders.)
Carl Hirschmann, Sohn von Carl W. Hirschmann und Betreiber des Nachtklubs «Saint Germain» in Zürich, möchte man mögen. Er sieht gut aus, spricht nicht nur von sich, sondern fragt einen ab und zu auch etwas, das ist irgendwie sympathisch. Es gibt nicht viele, die mit Events, Clubs oder Partys zu tun haben, die er noch nicht um Rat gefragt hat, wenn es um das «Saint Germain» geht. Und es gibt wenige, die ihm noch nicht gesagt haben, dass es so nicht funktionieren kann: In den Klub kommt man nur mit Lift, das Lokal erinnert an eine Cafeteria im 5. Stock des Bally-Hauses (was es im Grund ist) und high rollers müssen auf ihren Tisch warten, falls Restaurant-Gäste lange sitzen bleiben. Wie gesagt, Carl fragt. Aber hört er zu? Die, die etwas anders sehen, als es ihm gefällt, entlässt er respektive sind für ihn Verräter (wie MvH, der ihn einmal hier porträtierte). Ich wünsche ihm, dass es sein «Saint Germain» noch gibt in einem Jahr. Obwohl Krise ist. Und kürzlich in der Nähe ein Klub mit Namen «Icon» eröffnet wurde – ein Lokal, das funktioniert.
Im MvH-Partygast-Ranking X (WeltwocheNr. 2.08) stand Shawne Fieldings Name nicht drin, weil bloss die ersten drei Plätze veröffentlicht wurden. Sie ist aber auf jeden Fall in den Top 10 der Kategorie «Gäste, die man haben will». Thomas Borer-Fielding, ihr Mann, war auf Platz 3 (Kategorie «Gäste, die man vielleicht nicht haben will, aber auf jeden Fall hat»). Die zwei gehen nicht oft zusammen aus, das ist nicht unnormal, wenn man zwei Kinder hat. Und kommt Gastgebern entgegen. Sie ist good guest (meistens grand gekleidet/zurechtgemacht und bubbly vom Wesen her), er bad guest (Tischnachbarinnen sagen, ein Mehrgänger neben ihm sei hart, er habe keine Themen unter anderem). Ich wünsche ihm, dass er den Humor, den er angeblich hat (er bekam einmal den Orden «Wider den tierischen Ernst», eine Auszeichnung in Deutschland für «Humor im Amt»), gelegentlich auch blitzen lässt, wenn er in der Schweiz ausgeht. Oder wenn er diese Spalte liest (was er wahrscheinlich jede Woche tut – jedes Mal, wenn sein Name drin steht, bekomme ich... Darf ich nicht schreiben, Persönlichkeitsrechtsgeschichte; er sei keine öffentliche Person mehr, geht die Argumentation).
Und für die, die es interessiert: Das war nicht meine letzte Kolumne für immer, nur für 2008.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 50/08
Link veroeffentlichen aufTwitterFacebookdel.icio.usFolkdLinkaARENAMister WongWebnewsYahooMyWebYiggItgoogle.comWeitere via addthis.com

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

Login        Registrierung

HenryVIII     15.12.08 16:07

Ich hab den Herrn Bohrer einmal bei einem Vortrag erlebt, wie er die Beziehungen CH-D analysierte. Und seine Meinung zur Lösung der "Situation" zum Besten gab. Der Mann war einfach brilliant.

Christine     14.12.08 21:21

Grade jedoch so gewiefte Smalltalk-Entertainer, Constanze, können der absolute Horror sein, wenn man selber keiner ist: Sie erdrücken einen mit geistreicher Konversation aka geschwätziger Leere, lassen einen hilflos werden, weil man selber keine Phrasen dreschen oder Klatsch und Tratsch von sich geben kann in diesem Rhythmus des konstanten etwas von sich geben Müssens, und man wird einsam in der Menge.

Und je ruhiger man wird, umso eher bemühen sie sich gutmeinend, einen "aus der (vermeintlichen) Reserve, dem Schneckenloch zu locken". Ein absoluter Horror für den derart Bedrängten. Vielleicht geht es dem Herrn Bohrer manchmal auch so.

constanze     14.12.08 11:08

Für einma ist MvH lustig, weil ehrlich.

Es werden Dinge kund getan, die wir schon lange vermuteten: Shawne ist eine gut angezogene, witzige Frau wie so viele US-Amerikanerinnen und ihr Ehemann, Herr Ex-Botschafter Bohrer ein monothematischer Langweiler, in dessen Gesellschaft einen Abend verbringen zu müssen in MvHs Kreisen offenbar einer Strafe nahekommt. Geistreiche Konversation ist in Schweizer Beamtenkreisen ein seltenes Vorkommnis, in diesem Milieu herrscht bekanntlich eine geradzu neurotische Angst, eine Position einnehmen zu müssen - der Duckmäuser lebt!

Shawne for Bundesrat, kann man da bloss sagen. Sie würde es sicher nicht schlechter machen als manch andere(r) -

Schnellzugriff  

Meist ...

kommentiertgelesen

zu den Top 20
meist kommentiert

kommentiertgelesen

zu den Top 20
meist gelesen

Weitere Autoren

alle Autoren

Stöbern

Ausgaben