Es begann mit seiner Aussage, dass Blocher für die Partei eine «Hypothek» werden könnte. Dann verhinderte er im September Blochers vorzeitige Nominierung zum Bundesratskandidaten. Vor dem Fraktionsentscheid vom Donnerstag brachte er sich nun erneut als Gegner einer Blocher-Nominierung in Stellung. Der Weltwoche sagt Peter Spuhler: «Ich werde immer in die Anti-Blocher-Ecke gestellt. Aber jeder weiss: Ich bin ein grosser Fan von ihm.» Tatsache ist: Kein anderes SVP-Mitglied hat den Parteipatron öffentlich jemals härter kritisiert als Spuhler.
Will der Rebellenführer die SVP nun endgültig von ihrem Übervater lösen und sein Nachfolger werden? «Wenn Blocher bei der Bundesratswahl Chancen hätte, wäre ich der Erste, der ihn wählen würde», sagt Spuhler. Basis und Fraktion der SVP wollten aber zurück in den Bundesrat. «Eine Kandidatur von Blocher desavouiert diesen Entscheid», sagt Spuhler. Es benötige ihn auch nicht als Druckmittel. «Wir würden Maurer, Baader oder Amstutz auch ohne Blocher durchbringen», sagt Spuhler.
Selbst wenn Spuhlers Behauptungen stimmen sollten: Warum geht er mit seiner Kritik derart dezidiert in die Öffentlichkeit? Spielt er damit nicht den gegnerischen Parteien in die Hände, die den Blocher-Entscheid unbedingt der SVP überlassen wollen? Herumgeboten wird eine Anekdote, die den Konflikt der beiden Alphatiere begründen soll: Anfang Jahr sollte Spuhler Vizepräsident der SVP werden – wegen seines Verwaltungsratsmandats bei der UBS habe ihn Blocher jedoch verhindert. Um seine Wahl abzusichern, habe Spuhler sogar bei der Bankenkommission um grünes Licht gebeten. Trotzdem blieben Blochers Zweifel über eine mögliche Verwicklung in das aufkommende UBS-Desaster bestehen – das Mandat ging an Walter Frey.
«Immer nur sachlich kritisiert»
Christoph Blocher wollte vor dem Fraktionsentscheid vom Donnerstag über seine Bundesratskandidatur keine Stellungnahme abgeben. Der angeblich übergangene Spuhler sagt: «Ich habe den Entscheid nach reiflicher Überlegung selber gefällt.» Um den Posten anzunehmen, habe es ihm schlicht an der nötigen Zeit gefehlt. Zwar habe er mit Blocher darüber «sehr offen diskutiert», von einer Zusage habe ihm der Strategiechef aber nie abgeraten. Sowieso möge er die Diskussion «nicht auf der persönlichen Ebene führen». Er habe Blocher «immer nur sachlich kritisiert». Und seine Aussage, dass Blocher eine «Hypothek» für die Partei werden könnte, sei sowieso bloss eine Antwort auf die Frage einer Journalistin gewesen. Trotzdem hätten die «diffamierenden Angriffe» ge-gen ihn aus dem Blocher-Lager stetig zugenommen.
Unternehmerlegende Blocher gegen den erfolgreichen Aufsteiger Spuhler. Protestantische Selbstaufgabe gegen hedonistischen Pragmatismus. In der SVP herrscht ein Titanenkampf. Der Ausgang des Duells bestimmt die Zukunft der Partei. Allzu glaubwürdig ist Politprofi Peter Spuhler in der Rolle des Unschuldslamms nicht. Auch ihm werden Ambitionen als Parteiführer oder Bundesrat nachgesagt – trotz aller Dementis. Spuhler weiss: Würde er den Finger heben, wäre er vom Parlament gewählt.
«Blocher ist erfüllt von seinem Auftrag»
Die Kontrahenten bringen ihre Gefolgschaft in Stellung. Sichert man Spuhlers Anhängern Anonymität zu, reden sie von einem Blocher, der «unter einer Käseglocke mit lauter Schulterklopfern lebt». Er instrumentalisiere die Partei für einen «persönlichen Rachefeldzug», sein Eigenlob («Ich bin der Beste») und die «blinde Treue» seiner Verehrer erinnere an eine «Sekte». In den Fraktionssitzungen habe sich Blocher mit seinen «rechthaberischen Auftritten» unbeliebt gemacht. Die unklaren Zuständigkeiten zwischen ihm und Parteipräsident Toni Brunner haben dem Vernehmen nach auch zum Rücktritt von Generalsekretär Yves Bichsel geführt. Vor allem aber: Ohne jegliche Diskussion hätten Blocher, Parteipräsident Toni Brunner, Christoph Mörgeli und Ueli Maurer im Alleingang die Strategie mit Blocher als Bundesratskandidaten festgelegt – und sich damit über den Entscheid der Fraktion gesetzt, die sich am 30. September deutlich für eine Rückkehr in die Regierung ausgesprochen habe.
Von Blochers Gefolgschaft will sich niemand zu den Vorwürfen äussern. Einzig Ueli Maurer sagt: «Wir befinden uns in einer schwierigen Phase.» Die SVP sei in einem «Ablösungsprozess von Blocher, der noch Jahre dauern wird». Seine Kritiker würden ihm ihren Aufstieg verdanken, es fehle ihnen aber an «Format, Hingabe und Fleiss, um in seine Fussstapfen zu treten». Das vielkritisierte «Missionarische» in Blochers Auftritten gehört für Maurer zu seiner Persönlichkeit. «Er ist erfüllt von seinem Auftrag. Der Willen, dem Land zu helfen, sitzt tief in ihm drin.»
Am Montagabend sass Christoph Blocher an der Delegiertenversammlung der Zürcher SVP im Albisgütli direkt vor der Bühne, mittendrin, am einzigen Tisch mit der Aufschrift «Gäste». Nach seiner Wahl spricht er gewohnt überlegen, eindringlich und witzig. Kurz zuvor sagte Christoph Mörgeli ins Publikum: «Die aufkommende Wirtschaftskrise erfordert unseren besten Mann. Landesinteressen gehen vor Parteiinteressen. Entweder stehen wir zu unserer Politik als Partei, oder wir gehen als Einzelkämpfer unter.»













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