Weltwoche-Editorial

Intern

Von red

Kaum ist sie angetreten, formiert sich in Europa eine mediale Einheitsfront gegen die Vizepräsidentschaftskandidatur der amerikanischen Republikaner, Sarah Palin. Die fünffache Mutter gilt als Verkörperung «finsterer Mächte» (Guardian). Die irische Times sieht in ihr den «grössten halb gebackenen Alptraum Alaskas». Die als bibelfest bekannte Gouverneurin werde einen «Ausbruch an moralischer Intoleranz» entfachen, orakelte der Pariser Figaro. Wer die Leitartikel überblickt, glaubt einen weiblichen George W. Bush zu sehen. Besonders heftig giften deutsche Blätter. Die Süddeutsche findet Palins Wahl gefährlich, für die deutsche Financial Times ist sie «unverantwortlich». Was also ist von der Kandidatin zu halten, deren Nominierung den Vorsprung von Barack Obama in den Umfragen pulverisierte? Unsere Reporterin Beatrice Schlag hat sich in Alaska umgesehen und Weggefährten Sarah Palins befragt. In Anchorage sah die Weltwoche-Korrespondentin die Gouverneurin erst im Fernseh-Interview, danach bei einem Auftritt vor Publikum: Es schienen zwei verschiedene Frauen zu sein. Aber nur eine entzückte die Zuschauer.


Wer war schon mal in Nordkorea? Fussballtrainer Andy Egli fuhr diesen Sommer gleich für zwei Monate hin, um als erster ausländischer Fifa-Instruktor Entwicklungshilfe zu leisten. In einem E-Mail aus Pjöngjang an Inlandredaktor Andreas Kunz beschrieb er seine Eindrücke als zu «verrückt» für ein Interview, er müsse die Erfahrung zuerst verdauen. Zwei Tage nach seiner Rückkehr traf er Kunz zum ausführlichen Gespräch über das «grösste Abenteuer meines Lebens».


Die Recherchen unseres Bundeshauschefs Urs Paul Engeler über den 15-Millionen-Deal zwischen dem Departement Schmid, der Gemeinde Langnau und Nationalrat Hans Grunders Hockeyclub SCL-Tigers haben letzte Woche Bern und das Bundeshaus aufgeschreckt. In einer eiligst einberufenen Pressekonferenz versuchten die Akteure, den Beutezug zulasten der Bundeskasse als ganz normale Transaktion darzustellen. Die Fakten jedoch beweisen: Das VBS subventioniert erstens indirekt, aber gezielt Grunders «Tigers»; und es hat dazu ein Zeughaus-Areal von 30 000 Quadratmetern zu einem Spottpreis verscherbelt.


Wenn in Tübingen im Radio der Wetterbericht verkündet wird, fällt der Satz: «Heute noch kein Aufkommen von Schwarzen Löchern.» Die Bemerkung zielt auf einen Wissenschaftler, der von Tübingen aus die Welt in Angst und Schrecken versetzt hat. Nobelpreiskandidat Otto Rössler ist der Meinung, dass aufgrund des Cern-Experiments die Welt in 50 Monaten untergehen wird. Daniele Muscionico hat ihn besucht und einen sanftmütigen Menschen getroffen, einen optimistischen Fatalisten, der alle Klischees eines verrückten Professors erfüllt. Allerdings nur auf den ersten Blick.


Der amerikanische Wahlkampf gewinnt an Intensität. Allmählich beherrscht er auch in der Schweiz die Debatten. Aus diesem Grund wird ab sofort die Kolumne des langjährigen Weltwoche-Autors und Amerika-Kenners Hanspeter Born zu lesen sein.

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