Zur Person

Hans-Ulrich Wehler

Von Peer Teuwsen

Ein Besuch bei ihm in Bielefeld ist immer eine Freude. Der 77-jährige, weltberühmte Historiker Hans-Ulrich Wehler verströmt eine Lebenslust, dass es einem ganz leicht wird. Grund genug dazu hat er heute sowieso. Er hat doch noch geschafft, waser sich vor Jahrzehnten als Lebenswerk vornahm: eine Gesellschaftsgeschichte Deutschlands zu schreiben, die akribisch Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg des Landes analysiert. Mit dem fünften und letzten Band, der eben bei C. H. Beck erschienen ist, hat er allerdings so viel Widerspruch hervorgerufen wie noch nie. Seine realpolitische, also kritische Betrachtung der DDR und der 68er Bewegung erregt die Gemüter. Er antwortet seinen Kritikern gerne, wie auch dieses Gespräch zeigt. Wehler, der am Ende des Hitler-Krieges noch die verkohlten Leichen aus den zerbombten Häusern Kölns trug, ist schon immer ein Mann gewesen, dem nichts mehr Spass macht als die Auseinandersetzung. Der Amerika-Bewunderer begründete mit Kocka und Koselleck die Bielefelder Schule und machte die Hochschule zum Mekka der Zunft. (pet)

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