MvH

Mein Fleisch

Sportgrossanlässe sind magere Zeiten für unseren Gesellschaftskolumnisten. Und wenn er mitfiebern soll, will er wenigstens gut essen.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche blieb ich mehrheitlich in Zürich, weil zurzeit europaweit recht wenig los ist. Diese Uefa Euro 2008, ein Fussballturnier, macht einem das Leben nicht leicht als Gesellschaftskolumnist. Es ist heuer bereits im Juni wie sonst erst im August.

Dieter Meier, ein Unternehmer, Künstler und Mitglied von Yello, einer Popgruppe, sagte, ich solle zur Übertragung des Spiels Schweiz gegen Türkei in sein Restaurantprovisorium im Lichthof der Credit Suisse am Paradeplatz kommen (richtige Eröffnung ist im September). Ich ging hin, weil es gutes Rindsfleisch gibt dort und der Abend dann nicht ganz schlecht werden kann. (Das Lokal war so voll, dass ich an der Bar sitzen musste. Meier und seine Frau Monique hatten zuerst gar keinen Platz.)

Kurz zum Gegenstand Fleisch: Viele Leute fanden es in der Vergangenheit ja schick, zu sagen, dass sie Fleischessen nicht mehr nötig haben. Jetzt ändert sich das wieder, ist mein Eindruck. Deshalb rasch eine Aufzählung, wo es von MvH aus gesehen gutes Fleisch gibt in der Stadt. Erstens: Steak Tatar im «Ojo de Agua» eigentlich eine Weinhandlung mit nur zwei Tischen und ein Betrieb von Dieter Meier ebenfalls; das Fleisch aus Argentinien, das er importiert oder das von Rindern kommt, die auf seinem Hof bei Mendoza gezüchtet wurden, schmeckt wirklich fein. Zweitens: Entrecôte «Café de Paris» im Restaurant «Lumière». Das Fleisch aus Argentinien . . . Sie wissen schon. Es sieht aus, als habe Dieter mich gekauft, je sais. Hat er aber nicht (bloss eingeladen). Drittens: Pizza mit Rindsfiletstücken im «Kaufleuten», nur donnerstags und freitags ab 22.00 Uhr sowie samstags (steht nicht auf der Karte, und einige Mitarbeiter wissen nicht einmal, dass es das gibt - ziemlich cool zum Bestellen also). Viertens: Wiener Schnitzel in der «Kronenhalle», im Grund nicht super, aber come on, it's the one and only K. halle.

Nach dem Match - 1:2 verloren und ausgeschieden, zur Erinnerung, und das ist in Ordnung, die Schweizer Nationalmannschaft hat im Viertelfinal nichts zu suchen, Entschuldigung, ich bin auch Neopatriot, und einen Schweizer Pass habe ich sowieso. Aber alles, was recht ist - nach dem Match also fuhr ich nach Hause, mit einem Tram der Linie 9. An der Haltestelle Bellevue stieg Kurt Wüthrich, 70 und unser Träger des Nobelpreises für Chemie, zu. Ich fragte: «Möchten Sie meinen Platz?» Er sagte: «Absolut nicht.» Das ist noch eine rechte Wissenschaftler-Antwort, finde ich; binär wie «ja, nein», «ein, aus», «0, 1». (Vielleicht liege ich falsch, und er mag es nur nicht, als alter Mann wahrgenommen zu werden.)

Am Sonntag reiste ich dann doch nach Basel an das Spiel Schweiz - Portugal. Weil, wer schimpft, kauft. (Und sonst wollte keiner hin von der Weltwoche.) Neben mir auf der Media-Tribune sass einer von der FAZ, einer Tageszeitung aus Frankfurt. Er hatte das meiste seines Artikels schon in dem Laptop-Computer, bevor der Match begann («Trostlos und torlos», war die Überschrift).

Da musste er später noch einmal darüber, das «trostlos» liess er aber stehen. Für mich fiel sein Urteil ein wenig hart aus. Die Schweizer schossen zwei Tore, und es waren immerhin drei Spieler der Portugiesen auf dem Feld, die auch aufgestellt werden, wenn es um etwas geht.

Doch ich war mehr dort wegen allfällig anwesender Prominenter. Solche sind mir keine begegnet. Monika Kaelin, eine Sängerin und ein ehemaliges Glamour-Model, habe ich gesehen, mit Fritz Künzli, ihrem Mann, einem ehemaligen Fussballspieler. Sowie Donghua Li, einen Chinesen, der heute Schweizer ist und Kunstturner war.

Jetzt noch etwas in eigener Sache, um diese Zeile wieder einmal zu bringen: Kollege Reeto von Gunten, der ab und zu im gleichen Restaurant wie ich Kaffee trinkt - im «Hot Pasta» in 8006 - und auch Kolumnen schreibt, hat gesagt, mein Kürzel MvH sei im Grund besetzt. Von Michael von der Heide, einem Sänger aus Amden (SG). Das war mir nicht aufgefallen die längste Zeit. Ich erinnere mich aber an einen Satz, den Michael sagte, als ich ihn einmal befragte: «Honey, I'm a star.» Der ist gut, finde ich.

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