«Die Jugend liebt heute den Luxus (. . .) Die Jugend steht nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widerspricht den Eltern und tyrannisiert die Lehrer.» Das sagte Sokrates. Aber war die Jugend zu irgendeiner Zeit so schlimm wie die Ansichten über sie? Was heutige Teenager angeht, liefern Fachleute widersprüchliche Zustandsbeschreibungen. Unsere Autorin Franziska K. Müller wählte die journalistische Direttissima: Sie lässt drei 16-jährige Mädchen aus Zürich ausführlich ihre Sicht der Dinge darlegen; es geht um Sex und Nichtsex, die angesagten Turnschuhe, um Berufsträume, seltsame Erwachsene und Lehrerschikanen. «Meine Eltern liegen mit ihren Ansichten total falsch», sagt die eine. Was beweist: Die Klagen der Jungen über die Älteren werden ebenfalls nie aufhören - sie sind Teil des ewigen Generationentheaters.
Letzte Woche entschied die Glarner Regierung nach langem Hickhack, dass Anna Göldi, die «letzte Hexe Europas», offiziell rehabilitiert werden soll. In einem feierlichen Akt wurde in Mollis, wo Göldi als Magd arbeitete, am Freitag ihr 226. Todestag begangen. Eingeladen waren auch alt Bundesrätin Elisabeth Kopp, Mitglied der letztes Jahr gegründeten Anna-Göldi-Stiftung, sowie der Schauspieler Gilles Tschudi, ein Nachfahre von Göldis Arbeitgeber, der damals Anklage gegen sie erhob. Weltwoche-Redaktor David Signer, Ethnologe von Beruf, beschreibt die Hintergründe einer jahrhundertealten Justizposse und stellt die Frage, ob eine solche Rehabilitation auch richtig ist.
Jonathan Littells Roman «Die Wohlgesinnten» ist das umstrittenste Buch des Jahres. Es erzählt sehr ausschweifend, sehr genau das Leben des hochgebildeten, homosexuellen SS-Offiziers Max Aue, der an Tschechow denkt, während er auf dem Russlandfeldzug auf grausame Weise planmässig Juden tötet. Darf man das? Darf man die Verbrechen der Nazis fiktionalisieren? Historiker, aber auch Überlebende des Holocaust werfen dem Buch Amoralität vor. Der Roman ist unterdessen in 27 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft worden. Diesen 40-jährigen Amerikaner, der auf Französisch schreibt und heute zurückgezogen in Barcelona lebt, wollte unser Mitarbeiter André Müller unbedingt treffen. Das Problem: Littell gibt fast nie Interviews, ja er hasst, wie er sagt, seinen Ruhm. Durch viel Überzeugungsarbeit und den Verweis auf einige seiner früheren Gesprächspartner wie Elias Canetti und Ernst Jünger gelang es aber Müller, das Interesse Littells zu gewinnen. Die beiden trafen sich in einem Berliner Restaurant zu einem ungewöhnlichen Gespräch, in dem sich der Schriftsteller offen zeigte. Am Schluss war er so begeistert, dass er Müller vor dem wartenden Taxi, das ihn zum Flughafen bringen sollte, eine Fortsetzung des Gesprächs in Barcelona anbot. Jetzt aber wollte Müller nicht mehr: «Es war genug.»
Unser Wirtschaftschef René Lüchinger hat sich lange und intensiv mit der Geschichte der Swissair beschäftigt. Sein Buch «Der Fall der Swissair» erschien 2001, zwei Monate nach dem Grounding der Airline. In diesem Blatt zeigt er auf, wie aus der Swiss ein Erfolg werden konnte, was das für die Karriere von CEO Christoph Franz bedeutet und warum sich jetzt auch die österreichische AUA der Lufthansa anschliessen will. Seite 34Ihre Weltwoche













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