14 Fragen an

Fredmund Malik

Wer Ranglisten über die Qualität von Verwaltungsräten publiziert, handelt im Urteil des Managementberaters fahrlässig. Externe können das nicht beurteilen, Analysten schon gar nicht.

Von René Lüchinger

Herr Malik, was halten Sie von einem Rating über die besten und die schlechtesten Verwaltungsräte in Schweizer Unternehmen?

Ich halte gar nichts von solchen Listen.

In der Sonntagszeitung wurde kürzlich eine solche veröffentlicht. Die UBS stürzte innerhalb eines Jahres vom ersten auf den letzten Platz ab. Ist das möglich oder schlicht Nonsens?

Ein Verwaltungsrat, der vor einem Jahr top war, kann nicht innert 12 Monaten zum Flop werden. Das ist schlicht unmöglich.Wenn dem so wäre, hat man sich im Vorjahr durch den äusseren Schein und die guten Zahlen bluffen lassen.

Inwiefern?

Die faulen Kredite der UBS sind ja nicht über Nacht entstanden, sondern haben sich über Jahre aufgebaut.

Was heisst das nun? War der UBS-Verwaltungsrat seinen Aufgaben nicht gewachsen, oder war ein an sich gutbestücktes Gremium in der Krise einfach machtlos?

Ich qualifiziere diesen Verwaltungsrat in keiner Art und Weise. Das ist aus der Perspektive der Aussenbetrachtung auch gar nicht möglich. Deshalb halte ich auch solche Listen für äusserst fahrlässig.

Das heisst, dass sich die Qualität eines Verwaltungsrates gar nicht beurteilen lässt?

Jedenfalls nicht von aussen. Und schon gar nicht anhand der veröffentlichten Zahlen.

Es sind Finanzanalysten und Wirtschaftsjournalisten, die bei der Befragung ihr Urteil abgegeben haben.

Eben. Beide Berufsgruppen haben ja nicht wirklich Einblick in die Arbeitsweise eines Verwaltungsrates.

Dass aber der Verwaltungsrat der UBS Verantwortung trägt in diesem Fall, würden Sie unterschreiben?

In letzter Konsequenz liegt die Verantwortung immer beim Verwaltungsrat.

Was charakterisiert denn für Sie einen guten Verwaltungsrat?

Nun, darüber habe ich ein paar Bücher geschrieben.

Deshalb interessiert ja Ihre Meinung.

Also gut. Ein guter Verwaltungsrat sorgt dafür, dass das Unternehmen gut gemanagt ist, sorgt dafür, dass es nicht nur eine gute Gegenwart, sondern auch eine Zukunft hat, dass es prosperiert. Das bedingt eine langfristige Optik auch bei der Beurteilung der Performance. Und der schlechteste Indikator dafür sind aktuelle Zahlen.

Gerade daran orientieren sich aber Anleger, Analysten und auch zahlreiche Journalisten.

Es ist eine Binsenwahrheit, dass Aktienkurse niemals korrelieren mit der wahren Performance eines Unternehmens. Auch die Umsätze oder der gegenwärtige Gewinn sind ein schlechter Indikator.

Was aber ist dann die Messlatte?

Man muss beurteilen: Wie steht es mit den Gewinnpotenzialen? Ein Unternehmen, das hochinnovativ ist, investiert Geld in die Zukunft, und das bedeutet schliesslich auch, dass der Gewinnausweis geringer ausfällt, als er könnte. Und irgendwann in der Zukunft wird sich das auch in den Zahlen manifestieren.

So gesehen ist die UBS seit der Fusion vor zehn Jahren trotz dem jüngsten Dämpfer gleichwohl eine Erfolgsstory? Schliesslich gab es über Jahre exzellente Zahlen.

Professor Hans Geiger vom Schweizer Bankeninstitut hat kürzlich gesagt, in den USA hätten die Schweizer Grossbanken seit Jahrzehnten kein Geld verdient . . .

. . . also doch keine Erfolgsstory? Sie sehen das genau so?

Ich habe keine Zahlen analysiert. Aber wenn ich davon ausgehe, dass Geiger recht hat, ergibt sich auch daraus, dass diese Ratings die UBS über Jahre zu positiv beurteilt haben. Nochmals: Die aktuellen Zahlen mit der Qualität eines Verwaltungsrates in Korrelation zu bringen, ist fahrlässig.

Nestlé steht bei der Umfrage als bester Verwaltungsrat an der Spitze. Also ist auch dieses Ergebnis mit Vorsicht zu geniessen und ist der Willkür Tür und Tor geöffnet?

Vom Prinzip her ist das so. Ja. Wenn man dies ausschliesslich von den Zahlen her beurteilt. Wenn man aber weiss, dass bei Nestlé ein CEO über 20, 30 Jahre aufgebaut wird, dann schafft das schon Vertrauen, dass bei Nestlé eine Krise zu meistern ist.

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