Zu Tisch

Ausweichadresse

Von Julian Schütt

Ich entschuldige mich: Dreimal hintereinander Restaurants in Zürich zu besprechen, kommt einer kulinarischen Kapitulation gleich, wenn man bedenkt, dass die wahren Gourmetabenteuer meist anderswo zu erleben sind. Doch kaum verlasse ich die Stadt, werde ich derzeit jäh mit Heuschnupfen bestraft, der alle fürs Essen wichtigen Sinnesorgane betriebsunfähig macht. Schon weil ich meine Niesattacken keinem Wirt zumuten möchte, verzichte ich derzeit auf Auswärtsspiele.

Und einige Trouvaillen gibt es in Zürich schon noch. Zum Beispiel das «Wolfbächli» am Steinwiesplatz. Einst eine begehrte Ausweichadresse, wenn die Schauspielhausprominenz für einmal keine Lust hatte, nach der Vorstellung im Pfauen gleich einen weiteren Auftritt in der «Kronenhalle» zu absolvieren. Max Frisch soll zudem eine merkwürdige Schwäche für das arvenstübliartige Interieur gehabt haben, das bis heute erhalten geblieben ist und sich nach wie vor bewährt. Die Küche bringt man seit je mit feinem Fisch in Verbindung, obwohl vom Wolfbach nicht mehr viel zu sehen ist. Eher flutscht in Gedanken beim Wolfbach der Wolfsbarsch mit.

Annette und Maurizio Davini führen das Restaurant seit 2004, und am Herd steht Antonino Alampi. Er verspricht eine mediterrane Küche, die jedoch bis ins Puschlav reicht und zum Arvenstübli-Dekor passt. Sie verbindet das Leichte mit rustikal Nahrhaftem. Der Koch hat eine Vorliebe fürs Gestampfte und Musige. Vor allem bei den Beilagen - etwa einem als Millefeuille getarnten Artischockenbrei mit getrockneten Rohschinkenscheiben oder einem Couscous an Feigenjus- scheint Alampi sich als Idealgast einen Bergbauer vorzustellen, der sein Gebiss im Tal vergessen hat und doch manche hungrig machende Wiese mähen muss (womit ich wieder beim Niesen bin). Zum Artischockigen gibt's schwerelos guten Seabass, also Barsch, vielleicht sogar Wolfsbarsch. Das Couscous kombiniert Alampi mit einem Steak vom Pata-negra-Schwein, das ja halbwild in spanischen Wäldern leben und stets in Bewegung sein soll. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Aber selbst wenn es sich um einen Etikettenschwindel handelt, so schmeckt er doch alles andere als mastig. Gelungen auch das sauer-süsse Dessert: ein Mascarpone-Törtchen mit Mispeln. Das Dreigangmenü ist für faire 80 Franken zu haben.

Restaurant Wolfbach, Wolfbachstrasse 35, 8032 Zürich, Tel. 044 252 51 80, www.ristorante-wolfbach.ch. Samstagmittags und sonntags geschlossen. Donnerstags und freitags darf im Lokal geraucht werden.

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