Fast zwei Jahre lang hat Gemeinderätin Susi Gut (Partei für Zürich) säuberlich Buch geführt über alle ordentlichen Einbürgerungen, die von der Zürcher Legislative in vierzehn Sitzungen gutgeheissen wurden. Guts Datensammlung, die auf ihrer Website einsehbar ist, enthält einerseits Zahlen, die in den offiziellen Statistiken bis anhin politisch korrekt übersehen wurden. Sie gibt aber auch deutliche Hinweise auf die Motivlage bei den Eingebürgerten.
Insgesamt 4029 Ausländer erhielten zwischen November 2005 und August 2007 in Zürich im ordentlichen Verfahren das Schweizer Bürgerrecht (erleichterte Einbürgerung nicht mit eingerechnet). Ziemlich genau die Hälfte der neuen Schweizer (51,7 Prozent) stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien (hauptsächlich aus Bosnien und dem Kosovo). Die Zahl ist insofern sehr hoch, als diese «Balkan-Gruppe» in der Stadt Zürich fast den gleichen Anteil an den Ausländern stellt wie die Deutschen (knapp 20 Prozent). Von den Deutschen liessen sich aber lediglich 1,2 Prozent einbürgern.Auffällig hoch ist sodann der Anteil an Eingebürgerten aus dem ehemaligen Jugoslawien, die von einer IV-Rente oder, im kleineren Mass, von einer anderen Sozialversicherung (ALV, Ergänzungsleistungen, Sozialhilfe) leben - nämlich insgesamt 8 Prozent. Doch sollte man sich hüten vor Vorurteilen. Bei den Türken (4,6 Prozent der Ausländer, 7,5 Prozent der Einbürgerungen) ist die Zahl der Sozialrentner nochmals markant höher. 13,5 Prozent der eingebürgerten Türken leben (hauptsächlich) von der Invalidenversicherung. Auch bei den Italienern (11,8 Prozent der ausländischen Bevölkerung, 3 Prozent der Einbürgerungen) ist der Anteil der Sozialrentner mit 10 Prozent leicht höher als bei den Eingebürgerten aus dem Balkan.Die mit Abstand zweitgrösste Gruppe der Eingebürgerten (797 Personen) stammt aus Sri Lanka. Die Tamilen (um solche dürfte es sich in der Regel handeln) haben aber offenbar eine ungleich robustere Gesundheit als die Türken, Italiener und vormaligen Jugoslawen, beziehen von ihnen doch lediglich 1,8 Prozent eine Sozialrente. Was bei den Tamilen weiter auffällt: 87 Prozent der Eingebürgerten hatten zuvor lediglich einen F- oder B-Ausweis. Es handelt sich vorwiegend um abgewiesene, vorläufig aufgenommene Asylsuchende, die nicht ausgeschafft werden konnten. Die Tamilen sind die einbürgerungsfreudigste Gruppe: Sie stellen nur 3,4 Prozent der Ausländer in Zürich, aber 20 Prozent der Eingebürgerten.Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen? Am höchsten ist die Einbürgerungsquote bei jenen, die wegen mangelnder Papiere (Tamilen) die Schweiz praktisch nicht verlassen können. Der rote Pass spielt wohl auch bei den Türken und Ex-Jugoslawen eine zentrale Rolle, weil sie sich für jeden Grenzübertritt aufwendig ein teures Schengen-Visum besorgen müssen. Das Beispiel der invaliditätsanfälligen Italiener, die mit ihrem EU-Pass ungehindert reisen können, legt nahe, dass versicherungstechnische Motive eine Rolle spielen: Schweizer, die im Ausland leben, haben den vollen Rentenanspruch (inklusive Ergänzungsleistungen), Ausländer nicht.Die, statistisch betrachtet, mit einer robusten Gesundheit und einem EU-Pass ausgestatteten Deutschen dagegen lassen sich praktisch nicht einbürgern - obwohl ihnen die Integration eigentlich am leichtesten fallen müsste. Fazit: «Integration» ist ein schönes Wort, doch wenn von «Bürgerrecht» die Rede ist, ist in erster Linie ein Pass gemeint, der es einem erlaubt, die neue Heimat ungehindert wieder zu verlassen.
Susi Gut's Einbürgerungs-Statistik
21.05.2008, Ausgabe 21/08
Einbürgerungen
Pass und tschüss
Wer einbürgern sagt, meint in der Regel vor allem ausreisen. Dies zeigt eine Statistik aus Zürich.

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