Auto

Einer fürs Herz

Das Smart-Cabrio MHD ist ein kluges Auto, in jeder Hinsicht. Und sein Fahrer kommt an bei jungen Frauen.

Von Ulf Poschardt

Die 354 PS des Audis und seine acht Zylinder haben mich blind gemacht für die Schönheit des entspannten Lebens. Obwohl seit Tagen schönes Wetter war, fuhr ich lieber mit dem S5 an die Arbeit und zu Opernbesuchen als mit dem Smart-Cabrio, das ich zeitgleich mit dem Audi angeliefert bekommen hatte. Gegen Ende der zwei Wochen habe ich dann den Smart aus der Garage geholt und eine Art Extraurlaub genossen. Leider viel zu spät! Wie ich das bereue und meine altmodische Liebe zu dicken Motoren und engen Coupés.

Das Smart-Cabrio der zweiten Baureihe ist exzellent verarbeitet, die Ledersitze könnten so auch in einem Oberklasse-Cabrio angetroffen werden. Die Inneneinrichtung ist komfortabel und übersichtlich. Der Motor und die stark verbesserte Automatik machen richtig Spass, wenn man sich daran gewöhnt hat, statt 354 PS lediglich 71 PS zu haben. Gleichzeitig strahlt dieses Auto aber eine Souveränität im urbanen Bürgerkrieg auf der Strasse aus, die ansteckend ist. Die Mitmenschen freuen sich über ein Smart-Cabrio.Insbesondere junge Frauen, denen beim Anblick eines alternden Jünglings in einem tiefer gelegten Audi mit roten Ledersitzen fast übel wird. Wer nach einem Geschäftstermin im dunklen Anzug mit Sonnenbrille auf den metallisch blau schimmernden Winzling zugeht und von der Ferne das Sonnendach mit dem Schlüssel öffnet, kassiert jenes flirtige Lächeln, das ein Liebhaber dicker Sportwagen nicht bekommt. Spricht das für den Idealismus der jungen Frauen, ihren Hang zum Ökologischen? Nicht unbedingt, weil Smart-Fahrer, sowohl was Bildung als auch Einkommen betrifft, absolute Spitzenwerte einnehmen. Smart fahren die, die nicht mehr zeigen müssen, was sie sich leisten können. So wie der legendäre deutsche Privatbanker Alfred «Alfi» von Oppenheim, der den Berliner Gendarmenmarkt stets im Smart umkurvte.

Restlos begeistert hat mich der umweltfreundliche Micro-Hybrid-Drive (kurz MHD). Damit verbraucht das flotte Cabrio im Schnitt vier Liter und hat einen CO2-Ausstoss von 105 g/km. Wie das geht? Der Begriff «Hybrid» ist irreführend. Denn zusätzlich zum Verbrennungsmotor hat der Smart keinen Elektromotor. Dafür etwas sehr Praktisches: Statt eines herkömmlichen Anlassers gibt es einen Start-Stopp-Generator, der die Ruhephasen des Motors ausnutzt. Steht die Ampel auf Rot und man auf der Bremse, schaltet der Motor ab. Beim ersten Mal habe ich mich sehr erschreckt, weil der Drehzahlmesser auf null sank und nichts mehr zu hören war. Ich dachte, ich hätte den Motor abgewürgt. Als die Ampel auf Gelb sprang, drückte ich auf das Gas und hatte nach gefühlten eineinhalb Sekunden wieder einen Motor im ersten Gang, der ordentlich anzog. Zu Hause las ich dann, dass sich der Motor schon beim Bremsen ab einer Geschwindigkeit von acht Kilometer je Stunde abschaltet. Und ich erfuhr, dass mit dem Start-Stopp-Generator des Smart MHD im Stadtverkehr bis zu 19 Prozent Benzin gespart werden können. Ich glaube es sofort. Es gibt kein besseres Auto für die Stadt.

Ulf Poschardt ist stellvertretender Chefredaktor
der Welt am Sonntag in Berlin.
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