Zu Fuss (3 Stunden)

Doppelte Einkehr

Von Thomas Widmer

«Nouthra Dona di Maortsè» ist Patois. Korrektfranzösisch heisst die Kapelle unweit des Städtchens Greyerz «Notre-Dame des Marches», was auf das umgebende Feuchtgelände anspielt: «Marches» wie deutsch «Marschen», Schwemmland. Ich entnahm das dem Kunstführer, während ich im Restaurant bei der Kapelle auf mein Fondue wartete, das sich als göttlich erwies.

Es war eine sehr abwechslungsreiche Wanderung, die ich im Greyerzerland unternahm. Der Übersichtlichkeit halber will ich sie hier in drei Etappen präsentieren.

1 - Von Charmey dem Lac de Montsalvens entlang zu dessen Staumauer. In «Charmey, Route de la Corbetta» steigt man aus, hält abwärts Richtung See, ignoriert den Rechtsabzweiger zur Javro-Brücke, lässt sich danach aber auch nicht auf die «Tour de la presqu-île» ein, sondern wählt die «Tour du lac» und überquert auf einem Holzsteg den See-Nebenarm zur Rechten. Ich weiss, das ist kompliziert. Aber nach dem Steg ist alles klar. Der Pfad zieht sich in Halbdistanz zum See bis zur riesigen Staumauer. Hinter ihr klafft schockierend die Jaunbachschlucht.

2 - Durch die Jaunbachschlucht nach Broc. Der Schlundpfad ist ein Erlebnis, Abenteuer, Event, ist mit seinen Tunnels und Stegen, mit Wasserfällchen und apart geschliffenen Felsen ein vollwertiger Alleinunterhalter, ist allein die Wanderung wert. Das Bachbett darf man aber nicht betreten, es kann vom Kraftwerk her geflutet werden.

3 - Von Broc nach Greyerz. Etappe drei führt vom Schokostädtchen Broc (Cailler) zur erwähnten Kapelle mit angrenzendem Restaurant. Man halte Einkehr, und man kehre ein. Höchst erfreulich, dass es das ganze Jahr über Fondue gibt. Nach dem Essen erreichen wir in dreissig Minuten via den «Pont qui branle» («Wackelbrücke») das Hügelstädtchen Greyerz, eine Preziose der Romandie. Imposant à la Disney, wie sich das Schloss, mittlerweile ein Museum, vor dem Moléson machtvoll erhebt. In einem der Räume steht eine Vitrine mit einer geschwärzten, bandagierten, feinen Damenhand. Es ist eine Mumienhand aus dem alten Ägypten. Wie gesagt: Das ist eine sehr abwechslungsreiche Wanderung.

Route: Charmey–Broc–Greyerz–Greyerz Bahnhof.
In der Gehzeit ist die Schlossvisite nicht inbegriffen.
Höhendifferenz: 300 Meter ab-, 150 Meter aufwärts
Wanderkarte als PDF
Reise: Bus Bulle–Charmey. Zug Greyerz–Bulle
Kapellenrestaurant: www.abridesmarches.ch. Montag Ruhetag. Tolle Terrasse, nette Wirtsleute, gutes Essen

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