Er sagt klar, was er denkt. Posaunt seine radikale und gewalttätige Version des Islam laut heraus und macht kein Geheimnis aus seinem Verlangen, Israel zu vernichten oder den Koran zum globalen Gesetz zu erklären. Wer ihn einlädt, weiss, mit wem er es zu tun hat. Da macht das EDA unter Ministerin Micheline Calmy-Rey, das ihn bereits zweimal gebeten hat, an internen Informationsveranstaltungen über den Nahen Osten zu referieren, keine Ausnahme. Offen ist lediglich: Hat das EDA den Extremisten trotz oder wegen seiner extremistischen Ansichten zu sich eingeladen?
Die Rede ist von Azzam Tamimi, einem gebürtigen Palästinenser, der in London lebt und das Institute of Islamic Political Thought leitet. Er gibt sich gerne als Intellektueller, als Buchautor, Kommentator und Vordenker der islamischen Sache. Doch noch lieber zieht der eingebürgerte Brite seine hetzerischen Saiten auf. Dann gebärdet sich der radikal-islamistische Heisssporn stolz als ein zum Äussersten entschlossener Palästinenser und preist Selbstmörder, die als menschliche Bomben israelische Zivilisten in die Luft sprengen. Er würde das selber gerne tun, sagte er einmal, es sei «eine noble Sache, sich für Palästina zu opfern». Die palästinensische Mordserie in israelischen Städten bezeichnete er vor vier Jahren als «legitimen Kampf» und als «Dschihad». Selbstmordattentate erachte er als «sehr nützlich», machte er in der BBC-Sendung «Hard Talk» unmissverständlich und wiederholt klar. Israel, behauptet er, sei auf Land gegründet worden, «das den Palästinensern gestohlen wurde».
EDA-Referent Tamimi ist ein Trommler der Terrororganisationen Hamas und Hisbollah. Und wie diese predigt er eine düstere, antiwestliche, wortfetischistische Version des Glaubens. Es sei sinnlos, den Islam neu zu formulieren, damit er mit dem Liberalismus kompatibel werde, schrieb er in einer libanesischen Zeitung: «Das wäre schlicht das Ende des Islam als göttliche Offenbarung.» Er sei davon überzeugt, dass sich viele arabische Frauen häusliche Prügel geradezu herbeiwünschen, belehrte er ein Publikum in Cambridge. Seine Forderung, die Hände von Dieben abzuhacken, begründete er mit einem entsprechenden Gebot im Koran.Es sollten alle Alarmlampen aufleuchten, wenn ein Name wie Tamimi auf einer Liste von Experten auftaucht. Im EDA sieht man das anders. Die Auswahl von Persönlichkeiten zu Informationsveranstaltungen für Fachleute des Bundes «erfolgte primär aufgrund ihrer unterschiedlichen Einstellungen zum Nahost-konflikt», wiegelt Lars Knuchel, Mediensprecher des EDA, ab.Was Tamimi an den Treffen gesagt hat, wird nicht kommuniziert. Aber es ist bestens dokumentiert, was und wie der Mann denkt. Tamimi, der für die Hamas den Posten eines PR-Managers versieht, setzt sich zwar für neue Ideen ein, um die Attraktivität der Hamas zu erhöhen. Aber an der Forderung nach einem «Ende des jüdischen Staates», diesem «dunklen Kapitel in der Geschichte der Menschheit», hält er fest. Alle Bürger dieser Welt, schrie Tamimi vor zwei Jahren an einer öffentlichen Kundgebung im Herzen Londons in die Mikrofone, müssten zusammenkommen, um «dieses Krebsgeschwür [Israel, Anm. d. Red.] aus dem Körper der Menschheit zu entfernen».Diese Verdammung sprach er just im selben Jahr aus, als eine zweite Einladung aus dem Hause Calmy-Rey auf seinem Tisch landete. Es war die Zeit, als sich die Palästinenser für die Hamas entschieden. Die EU und die USA beschlossen, einen Boykott gegen die Hamas-Regierung zu verhängen, weil sie auch als Regierungspartei nicht bereit war, der Gewalt abzuschwören oder Israel anzuerkennen. Was EDA-Vorsteherin Micheline Calmy-Rey freilich nicht daran hinderte, ihren Diplomaten Treffen mit Hamas-Vertretern aufzutragen. Die Eidgenossenschaft war mit ihrer «aktiven Neutralitätspolitik» das erste westliche Land, das mit der radikal-islamischen Regierungspartei einen Meinungsaustausch pflegte. Die Hamas gehöre zu einer Verhandlungslösung des Konflikts, sie sei nicht nur «eine wachsende Kraft auf palästinensischer Ebene», sondern auch «Teil einer grösseren, wachsenden Kraft in der arabisch-islamischen Welt», begründete ein hoher EDA-Diplomat etwas später die Appeasementpolitik gegenüber der Hamas.Treffen mit antiwestlichen militanten Wortführern geben der eigenwilligen Aussenministerin offensichtlich einen Kick. Im Gespräch mit dem Iran, der den Holocaust als «üble jüdische Propaganda» abtut, schlug sie wie bekannt ein Seminar über «unterschiedliche Perzeptionen des Holocaust» vor. Auch liess sie es sich nicht nehmen, zur Unterzeichnung eines Gasliefervertrages nach Teheran zu fliegen, wo sie verschleiert und freudestrahlend mit dem iranischen Präsidenten Machmud Achmadinedschad kokettierte.Die unerträgliche Leichtigkeit im Umgang mit Hasspredigern vom Schlag eines Tamimi oder Achmadinedschad ist freilich nicht nur eine Frage des persönlichen Stils. Sie hat auch aussenpolitische Konsequenzen. Eine Debatte darüber, ob sich die Schweiz eine Aussenministerin leisten kann, die als Terroristenflüsterin agiert, ist überfällig.
21.05.2008, Ausgabe 21/08
Kommentar
Die Terroristenflüsterin
Das EDA unter Chefin Calmy-Rey hat einen Trommler der terroristischen Hamas wiederholt als Referenten eingeladen. Die Aussenministerin wird zum Risiko für die Schweiz.

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