Stil

The Supremes

In einer Ära der globalen Luxusmarken und Superstar-Designer vergisst man leicht, dass die einschneidendsten Innovationen in der Mode manchmal von Amateuren stammen.

Von Alix Sharkey

Als drei junge Frauen aus dem Getto von Detroit 1961 ein Gesangstrio bildeten und von Tamla Motown unter Vertrag genommen wurden, wollten sie ein Bild von unerhörtem Glamour und verwirrender Komplexität erschaffen. Da sie kein Geld hatten, um sich so etwas zu kaufen, mussten sie es selbst herstellen.

Und so klapperten The Supremes – Mary Wilson, Florence Ballard und Diana Ross – auf der Suche nach Stoffen sämtliche Geschäfte ab und nähten sich selbst die Variété-Garderobe. Hinzu kamen Modeschmuck, drei Reihen künstlicher Wimpern, üppig aufgetragenes Make-up und sagenhafte Perücken: Wilson war blond, für eine schwarze Frau damals eine gewagte Entscheidung.

«Rock-’n’-Roll-Sänger besassen zu jener Zeit eigentlich keinen Glamour», erinnert sich Wilson. «Wir standen aber total auf Glamour und haben alles selbst gemacht.» Während andere schwarze Frauengruppen The Shirelles kopierten – schön, aber spröde, süss, aber nicht sexy –, sahen The Supremes aus, als verbrächten sie ihre Tage in Boutiquen und ihre Nächte in exklusiven Nachtklubs. Zusammen mit Berry Gordys Management und den genialen Song-Kompositionen von Holland-Dozier-Holland wurden sie schnell zur erfolgreichsten Frauenband der Welt; nur die Beatles hatten in den Sechzigern mehr Nummer-eins-Hits.

Als der Erfolg kam, fingen die Su­premes an, sich in Luxuskaufhäusern wie Saks an der Fifth Avenue einzukleiden. «Als wir uns Haute Couture leisten konnten, haben wir unser ganzes Geld in Kleider gesteckt», sagt Wilson. Und sie beauftragten Michael Travis, einen Schüler des legendären Kostümbildners Bob Mackie, aufwendige Gewänder mit exquisiten, handgenähten Perlenstickereien für sie anzufertigen. «Manche dieser Kleider wogen sechzehn Kilo», erinnert sich Wilson. Ein grosser Teil dieser Garderobe ist ab nächster Woche in der Ausstellung «The ­Sto­ry­ of the Supremes» im Londoner V&A Museum zu sehen. Derweil bereitet sich Diana Ross, 61, auf eine Europa-Tournee im Sommer vor, und Wilson, 62, gibt weiterhin Konzerte in Las Vegas. Ihre Garderobe ist sogar noch erotischer geworden. «Ich habe klasse Beine», sagt sie, «und ich zeige sie nur zu gern.»

Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

 
|

weitere Ausgaben