Ich tat es, ich reiste ins Tal von Saint-Amarin in den Vogesen. Gut die Bahnverbindungen ab Basel. Gibt man auf www.sbb.ch als Ziel «Wesserling» ein, zeigt sich: Man steigt nur einmal um, in Mulhouse, und hat hin und retour mehrere Kurse pro Tag. Und die Fahrt dauert weniger als zwei Stunden.
Am Bahnhof von Wesserling, einem schmucken Ort, traf ich Armand, den Freund eines Basler Kollegen. Es war Wanderkameradschaft auf den ersten Blick. Doch zuerst das Technische: Wir hatten es auf den Berg Treh abgesehen, 1139 Meter hoch. Der Weg ist ausgeschildert, man quert 150 Meter vor dem Bahnhof die einzige Bahnüberführung und folgt den rot-weiss-roten Carrés. In angenehmer Steigung geht es via den Aussichtsfelsen Malakoff aufwärts, wobei der Waldpfad oben abenteuerlich schmal wird.
Herrlich, die blaugetönten Vogesenhügel und all der Wald, überhaupt sucht die Landschaft ihresgleichen, ich war begeistert. Armand, mit 78 übrigens fitter als mancher Junge, erklärte mir Berge und Pässe. «Er führt nach Frankreich», sagte er über den Col de Bussang. «Nach Innerfrankreich, meine ich, zu den Welschen», schob er nach. Armand ist auch Franzose. Vor allem aber ist er Elsässer. Er erzählte mir viel über seine Heimat: über die Nazis, die sie an sich rissen; das Deutsch-Sprech-Verbot nach dem Krieg; die Enkelkinder, die kein Deutsch mehr können. Die alemannische Kultur stirbt aus.
Oben auf dem Treh kamen wir zu einer Ferme-Auberge, einer professionell ausgebauten Alphütte. Das Essen dort ist zirka um den Faktor zehn besser als in einer Schweizer Bergbeiz. Wir hatten zum Beispiel eine extrem feine Tourte (Fleischpastete), aber auch deftiges Roïgebradeldi (ein Kartoffelgericht irgendwo zwischen Gratin und Rösti) mit dicken Speckscheiben. Und das ist erst der Anfang der Herrlichkeit, wie ich auch vom sympathischen weisshaarigen Armand hier nur ansatzweise erzählen kann.
«Alsacez-vous!», rät ein Tourismusprospekt. Elsassisieren Sie sich! Voll und ganz stelle ich mich hinter diesen Vorschlag.
Route: Wesserling Bahnhof–Treh und retour
Höhendifferenz: je 700 Meter auf- und abwärts
Treh-Restaurant: Mo Ruhetag. 0033 389 39 16 79
Wanderkarte gibt es diese Woche keine. DasTourismusbüro Saint-Amarin bietet für 8 Euro einen «Topguide» mit 39 Routen, darunter die auf den Treh. www.ot-saint-amarin.com, 0033 389 82 13 90













Kommentare