Zu Fuss (2 Stunden, 30 Minuten)

Betty wandert

Das Gehrezept der Woche schlägt die Felsenegg auf dem Albisgrat vor.

Von Thomas Widmer

«A Wanderpapst is born», steht auf dem Umschlag meines zweiten Wanderbuches, das seit einem Monat auf dem Markt ist. Auf www.wanderwerk.ch las ich kürzlich eine witzige Besprechung, die sich über dieser Bezeichnung meiner selbst länger aufhielt. Sie passe nicht, argumentiert Verfasser René P. Moor mit Verve: Der Papst reklamiere für sich Unfehlbarkeit, was doch hoffentlich nicht mein Anspruch sei.

Recht hat der Herr Moor. Unfehlbarkeit ist – jetzt mal abgesehen davon, dass der Slogan in ironischer Absicht platziert wurde – etwas Unsympathisches. Und reformiert bin ich erst noch. Moor lanciert dann gleich einen Gegenvorschlag, indem er über mein Buch («Zu Fuss 2», Echtzeit-Verlag) sagt: «Das Must für Schweiz-Wanderer gleicht in seiner bestechend einfach zu gebrauchenden und qualitativ hochstehenden Art [...] eher einem Kochbuch aus dem Hause eines berühmten Kochbuchverlages, weshalb wir Widmer etwas neutraler als ‹Betty Bossi der Wanderer› bezeichnen.»

Volltreffer! Das lasse ich mir gefallen. Betty Bossi kennt man dafür, dass die Rezepte stimmen, Pfiff haben, von jedem Amateur nachkochbar sind – all das will sinngemäss auch diese Kolumne.

Hier mein Gehrezept der Woche. Es schlägt die Felsenegg auf dem Albisgrat vor, dessen bekanntester Punkt Zürichs Üetliberg ist. Eine Seilbahn erschliesst die Felsenegg, 804 Meter, von Adliswil her, normalerweise, muss man sagen, denn eben wird sie erneuert. Die Seilbahn fährt erst Anfang Mai wieder. Genau das ist der Witz: Momentan muss man sich diesen Aufstieg verdienen.

Start in Adliswil, SZU-Bahnhof. Der Weg führt zuerst zur Seilbahn-Talstation und ist, sofern man nicht den weiten Umweg wählt, mit einem Wort beschrieben: steil. Kommt man nach einer Stunde oben an, wird man sich umso mehr über die schöne Weitsicht auf dem Grat freuen, dort, wo dieser nicht mit Wald bestückt ist. Und man wird in den nächsten recht komfortablen anderthalb Stunden auf dem Höhenweg zum Üetliberg denken: Das ist ja ein echtes Bergerlebnis! Und das im Nichtbergkanton Zürich!

Die Route ist toll. Die Seilbahnlosigkeit ist ihr Clou. Und das Nachwandern wird dem Leser leichtfallen. Ich bin Betty Bossi.

Route: Adliswil SZU–Felsenegg–Balderen–Üetliberg
Hin und zurück: S4 von Zürich nach Adliswil. S10 vom Üetliberg nach Zürich
«Felsenegg»: einziges Seilbahnrestaurant im Kanton. Eingeschränkt offen, bis die Seilbahn wieder verkehrt. Auch auf dem Üetliberg kann man einkehren.
Wanderkarte als PDF

www.thomaswidmer.ch

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