Wie die «Kelly» auf ihren Stöckeln zu Ostern Eier einsammelte, das blieb dem Fotografen leider verborgen. Überhaupt stellt dieser Wildwechsel in reizarmem Beige mehr Fragen, als der März Tage hat. Wieso trägt die Zierde des Hauses zum Hühnerfüttern Perlen? Wie balancierte sie in den hochhackigen Schuhen über die naturverschmutzte Wiese? Und überhaupt: Who’s that girl?
Die Antwort überrascht nicht: Es ist Madonna, die Chamäleondame, die ihr Image öfter wechselt als unsereins die sprichwörtlichen Hemden. Es ist Madonna, die für ihr brandneues Album «Hard Candy» das Pferd im Mann entdeckt und im Latexkostüm Justin Timberlake mit der Peitsche züchtigt. Während sie auf Ashcombe House den Wildhüter entlassen muss, weil der das Waldgetier zu seelenlos ins Nirwana befördere.
Das Bild des englischen Modefotografen Tim Walker stammt aus dem Sommer 2005. Einige Monate zuvor hatte Madonna ihr Ehegelübde mit dem pantoffelheldischen Regisseur Guy Ritchie erneuert und die Ringe zum zweiten Mal getauscht. Sie wollte der Welt und vielleicht auch sich selber beweisen, dass sie selbst Charakterrollen glaubwürdig zu verkörpern weiss; die Rolle der Ehefrau und Mutter, sie würde sie genauso heroisch meistern wie Evita Perón den Gebärmutterhalskrebs. Der Kauf von Ashcombe House sollte zur Imagebildung beitragen, Madonna als Familienglucke im Glück.
Doch Madonnas Bestimmung als Henne unter Hühnern war ein zügiges Ende beschieden. Heute lästert die Amerikanerin genauso ungenierlich über das englische Landleben wie über die insulare Impotenz der Nation überhaupt. Und wenn man den Gerüchten glaubt, geht die amerikanisch-englische Ehe eher gestern als morgen pleite. Die Selfmade-woman scheint ihre Pferde längst gesattelt zu haben, um wieder in den Vereinigten Staaten einzureiten.
Muss uns das betrüben? Es soll nicht. Madonna muss nicht das Heimchen spielen, um glaubwürdig zu sein. Die Kabbala-Anhängerin ist mit Dornenkrone am Kreuz um vieles überzeugender denn als Rollenmodell für cosy living. Ihren neusten Coup, das Album «Hard Candy», kommentiert sie: «Ich werde euch damit in den Hintern treten, aber ihr werdet euch gut dabei fühlen.» Bingo. Sage einer, die Lady kenne die Menschen nicht.













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