Rodolfo «Rudi» Bogni

Der Bonvivant

Nur wenige Bankfachleute äussern sich so prononciert wie der 60-jährige Südtiroler Rodolfo «Rudi» Bogni.

Von red

Damit beweist der frühere Private-Banking-Chef der UBS eine in der Branche seltene Unabhängigkeit. Das breitgefächerte Interesse an den grossen Themen und Fragen der Zeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Karriere Bognis. Nach seiner Promotion als Wirtschaftswissenschaftler in Mailand stieg der Italiener 1972 bei der amerikanischen Chase Manhattan ins Bankgeschäft ein. Später arbeitete er bei der britischen Midland Bank, bevor er 1990 zum Schweizerischen Bankverein nach London wechselte. Dort zählte er 1995 bei der Übernahme des traditionsreichen Bankhauses S. G. Warburg zusammen mit Marcel Ospel und Johannes de Gier (heute Präsident von Julius Bär) zu den wichtigsten Fusionsmanagern. Um in der zunehmend komplexeren Finanzwelt den Anschluss nicht zu verlieren, zog sich Bogni 1996 von seinen operativen Funktionen zurück und studierte Finanz- und Mathematikwissenschaften in London. Nach vierzehn Monaten musste er sein Studium abbrechen, da er für die epochale UBS-Fusion mit dem Bankverein gebraucht wurde. In der neugebildeten Bank übernahm er die Leitung des Private Banking, der Vermögensverwaltung für wohlhabende Kunden. Im Februar 2000 musste er gehen, weil seine eher konservative Strategie während der euphorischen New Economy die Erwartungen nicht erfüllt hatte.

Seither übt Bogni keine operativen Tätigkeiten mehr aus. Inaktiv ist er deswegen nicht. Er amtet als Verwaltungsrat verschiedener Finanzhäuser, darunter Kedge Capital, die Vermögensverwaltungsfirma von UBS-Verwaltungsrat und Alinghi-Gründer Ernesto Bertarelli. Zudem sitzt er im Stiftungsrat der fürstlich-liechtensteinischen LGT-Gruppe. Darum wollte er im Interview nichts zum aktuellen Steuerstreit sagen.

Sein breitgefächertes Wissen lässt er verschiedenen liberalen Think-Tanks zukommen, etwa dem Oxford Analytica oder dem International Council for Capital Formation; beim Centre for the Study of Financial Innovation amtet er als Ratsmitglied. Mit dem Turiner Istituto Bruno Leoni ist er freundschaftlich verbunden. Bogni publiziert regelmässig Artikel über aktuelle Finanzthemen; darüber hinaus ist er Aktionär der englischen Intellektuellen-Zeitschrift Prospect und unterstützt das Shakespeare’s Globe in London. Der passionierte Zigarrenraucher, Opernfan und Bonvivant Rudi Bogni spricht fünf Sprachen.

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