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27.02.2008, Ausgabe 09/08

Literatur

Deutsche im Heidiland

Das Verhältnis zwischen Deutschen und Schweizern wird zügig kommerzialisert.

Von Peer Teuwsen

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Jetzt wird das Verhältnis zwischen Deutschen und Schweizern zügig kommerzialisiert. Mit «Heidiland» hat die 36-jährige Deutsche Susanne Fengler den ersten Roman zum Modethema geschrieben, und modisch kommt er leider auch daher. Eine Berliner Ärztin wechselt ins Zürcher Unispital, weil hier Löhne und Arbeitsbedingungen besser sind, ihr Freund, eine verkrachte Existenz, bleibt in Deutschland. Und wie’s das fengelsche Märchen will, wird er am Ende Karriere machen und sie vor einem Trümmerhaufen sitzen, zerstört von ihren eigenen Erwartungen – und vor allem von den netten Schweizern, die es nie so gut meinen, wie sie sagen. Das alles ist in einem länglichen, adjektivistisch aufgedonnerten Deutsch geschrieben: «Er würde in exakt einer Dreiviertelstunde wie ein Meteorit in ihrer Wohnung einschlagen, alle drei Zimmer mühelos mit seiner quirligen Präsenz füllen und mit seiner Betriebsamkeit noch die Zimmerpflanzen anstecken, die daraufhin ins Wanken gerieten: Palmen mitten in Berlin in Seenot.» Himmel, hat einer diesen Text redigiert?

Man würde angesichts dieser Unterhaltungssauce besser schweigen, stellte das Buch, das dieser Tage mit einer Lesung in einer Air-Berlin-Maschine auf dem Weg nach Zürich vorgestellt wird, die Schweizer nicht als blöde, kleinkarierte Dumpfbacken dar. Laut Fengler passen die Einheimischen auch nachts auf, dass kein Deutscher seinen Abfall fachfremd entsorgt (und kippen ihn einem dann wieder vor die Tür), können nicht feiern, sind stur, «bimmeln mit der Fondue-Tram durch die Stadt» – und essen «Güetsli» und sagen «Wie schön, dass wir hier zämy sind!». Ohnehin wimmelt es von Fehlern. Die CVP ist noch mit zwei Sitzen im Bundesrat, von der Quellensteuer hat die Autorin noch nie gehört, und es bleibt hierzulande politisch immer alles beim Alten. Ein Sammelsurium von Klischees über die Schweiz, geschrieben im Blindflug. Ein Abziehbildchen der Wirklichkeit, schade. Denn das Thema ist so dumm nicht.

Da erstaunt es einen schon, dass die Autorin zwei Jahre in Zürich gelebt haben soll, wie ihre PR-Agentin stolz mitteilt; viel mitbekommen hat sie offenbar nicht. Aber das war wohl auch nicht die Absicht. Susanne Fengler, die über dem Klappentext aus dem Schweiz-T-Shirt grinst, will auf einen Zug aufspringen, verpasst ihn leider und gibt bloss wortreich Zeugnis ab von der deutschen Krankheit: Desinteresse für andere.

Susanne Fengler: Heidiland.
Kiepenheuer-Verlag. 347 Seiten, FR. 35. 90

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 09/08
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