Am Donnerstagabend, in den frühen Morgenstunden des Freitags Schweizerzeit, versammeln sich in 3000 Schulhäusern und Gemeindelokalen im Bundesstaat Iowa um die 100 000 republikanische und um die 150 000 demokratische Wähler, um in sogenannten Caucuses für einen Präsidentschaftskandidaten zu stimmen. Unter Caucus – einem ursprünglich indianischen Wort – verstehen die Amerikaner eine «Zusammenkunft von Nachbarn».
Anders als bei den in andern Bundesstaaten üblichen Primärwahlen geht man in Iowa nicht einfach hin und legt einen Wahlzettel in die Urne, sondern man versammelt sich, berät, versucht sich gegenseitig zu überzeugen, schart sich am Schluss um die Standarte respektive das Namensschild des bevorzugten Kandidaten. Wenn ein Bewerber weniger als 15 Prozent der Anwesenden auf sich vereinigt, gilt er als nicht «lebensfähig», und seine Anhänger können sich der Gruppe eines der «lebensfähigen» Bewerber anschliessen.Das Caucus-Prozedere ist so kurios wie der unglaublich intensive Wahlkampf, der ihm vorausgeht und den ich in den Tagen nach Weihnachten hautnah miterleben konnte.
Das im amerikanischen Herzland liegende Iowa hat drei Millionen Einwohner, ist flächenmässig dreimal so gross wie die Schweiz und lebt von der Landwirtschaft (Schweinezucht, Mais, Sojabohnen) sowie Industrie-betrieben, die der Landwirtschaft zuliefern. Als ländlicher, zu 93 Prozent von meist sehr religiösen Weissen bewohnter Staat ist Iowa für die moderne USA nicht besonders repräsentativ. Trotzdem spielt es – und dies heute mehr denn je zuvor – mit den den Wahlreigen eröffnenden Caucuses eine seine sonstige Bedeutung weit überschreitende politische Rolle.
So fuhren denn die Kandidaten Tag für Tag von Ort zu Ort, um in «Coffee Houses», «Diners», «Delis» und wie amerikanische Restaurants sonst noch heissen, zu den Wählern zu sprechen, ihre Fragen zu beantworten, sich mit ihnen und ihren Kindern fotografieren zu lassen, Hände zu drücken. «Hi, how are you. Good to see you.» Trotz klirrender Kälte und oft verschneiten und vereisten Strassen war der Andrang bei den Auftritten der aussichtsreicheren Kandidaten fast immer beeindruckend. Die Iowaner wissen sehr wohl, welche Verantwortung sie sich mit den Caucuses aufgeladen haben, und sie nehmen diese Verantwortung ernst. Seit die erste Vorentscheidung 1972 in ihrem Staat stattfand, haben sich die Caucuses immer wieder als Startrampe, andererseits aber auch als Grabstein für die Ambitionen dieses oder jenes Kandidaten erwiesen. Jimmy Carter war der Erste, der als krasser Aussenseiter 1976 in Iowa den Grundstein für seinen Wahlerfolg legte.
2004 verspielte dort der damalige haushohe demokratische Favorit Howard Dean mit ein paar unbedarften Äusserungen seine Chancen.
Historisch gesehen haben die Iowa-Caucuses für die Nominierung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten eine grössere Rolle gespielt als für diejenige des republikanischen. Dieses Jahr ist der Unterschied besonders krass. Während bei den Republikanern zwei der führenden Kandidaten – Rudy Giuliani und John McCain – ihre Anstrengungen auf spätere Primärwahlen gerichtet haben, setzen die demokratischen Bewerber alles auf die Karte Iowa.
«Beobachter» – d.h. Journalisten, Politologen, Demoskopen, Konsulenten und sonstige Experten – sind sich einig, dass nur zwei Personen eine wirkliche Chance haben, im November die demokratische Partei zu vertreten: Hillary Clinton und Barack Obama. Im Moment sieht es gemäss Umfragen ausserdem danach aus, als ob der demokratische Kandidat auch der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird. Nicht ganz zu Unrecht liefen die Wahlveranstaltungen Hillary Clintons in Iowa unter dem Motto «Picking a President». Wer hat das Zeug zum Präsidenten?
Hillary – auf den Plakaten, Klebern, Flugschriften, Ansteckplaketten steht meist nur der Vorname – oder Obama? Wer wäre besser für Amerika? Wer wäre besser für uns alle? Angesichts der einzigartigen Machtstellung der USA und ihres Einflusses auf das Weltgeschehen kann die Frage niemanden kalt lassen. Ich hatte Gelegenheit, die beiden demokratischen Spitzenkandidaten wie auch den «dritten Mann», John Edwards, bei Reden in Schulhäusern von typischen ländlichen Kleinstädten zu beobachten, sie miteinander zu vergleichen und mir eine erste oberflächliche Meinung zu bilden.
Familie Clinton kommt
Im Schulhaus des Universitätsstädtchen Mount Pleasant warteten etwa fünfhundert, mehrheitlich ältere Personen geduldig auf den verspäteten Clinton-Tross. Hilfreiche ältere Damen bewirteten die Anwesenden mit Kaffee, Fruchtschnitzen und Riesenmengen von Apfel- und Kürbistorten, während die High School Band laut und falsch einige Evergreens zum Besten gab. Plötzlich Aufregung im Saal. Da waren sie leibhaftig! Nicht nur Hillary im eleganten, die um die Hüfte herum angesetzten Pfunde verdeckenden schwarzen Hosenkleid, sondern auch Tochter Chelsea und ein strahlender, rosabäckiger Bill, rank, mit schlohweissem Haarschopf und in einem massgeschneiderten braunen Anzug, der dem Besitzer eines Pferderennstalls oder einem erfolgreichen Gambler in Las Vegas wohl angestanden hätte. Würde der Ex-Präsident seiner Frau die Show stehlen? Mitnichten.
In einer träfen, kurzen Rede, in der er ungewöhnlich diszipliniert einmal nicht hauptsächlich von sich selber sprach, erklärte er – durchaus plausibel –, wieso seine Frau die beste demokratische Kandidatin sei. Nicht nur -werde sie, falls von der Partei nominiert, jeden republikanischen Gegenspieler «mit einer signifikanten Marge» schlagen, sondern sie habe eine Vision, einen grossen Plan und klare Ideen darüber, wohin sie das Land führen wolle. Wie er aus eigener Erfahrung wisse, warteten zahllose Herausforderungen auf einen Präsidenten, und 50% davon seien unvorhergesehen. Um mit dem Unerwarteten, wie beispielsweise der von niemandem vorausgesehenen Hypothekenkrise, fertig zu werden, brauche es einen Leader, der stark und vertrauenswürdig sei. Als er -Hillary 1971 kennenlernte, habe sie die «beste Kombination von Herz und Verstand» besessen, der er je begegnet sei, und heute sei sie die qualifizierteste Politikerin, die er in vierzig Jahren gesehen habe. Man hat das Gefühl, dass Bill Clinton, der nichts von seinem Charisma eingebüsst hat, meint, was er sagt. Einen besseren Werbespot kann man sich nicht vorstellen.
Dann ergreift Hillary, die, neben ihrem Gatten stehend, dessen Lobpreisungen bescheiden lächelnd über sich hatte ergehen lassen, das Wort zu ihrem «stump speech», einer wohlabgewogenen Zusammenfassung ihrer politischen Prioritäten, die sich, wie ich später erfahren werde, von denjenigen ihres Hauptwidersachers Obama nur in Nuancen unterscheiden. Sie plädiert für eine Gesundheitspolitik, die nicht 47 Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherung lässt, für eine Bildungspolitik, die auch Kindern aus armen Familien – «ich glaube, dass in jedem Kind ein Funken glüht» – Aufstiegschancen gibt und die einen Universitätsbesuch für alle erschwinglich macht, für eine Energiepolitik, die umweltfreundlich ist und das Land nicht weiter von «fremdem Öl» abhängig macht, und für einen Neuanfang in der Aussenpolitik, die wieder von beiden Parteien getragen werden soll.
Vor den braven Iowanern steht keine feuerspeiende Feministin und Kulturrevolutionärin, als die sie von ihren Gegnern noch immer karikiert wird, sondern eine pragmatische, reife Politikerin, die sagt: «I am running for president to solve our problems», die nicht jammert, sondern durch Innovation Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen will und ihren Zuhörern zuruft: «Lasst uns die Ärmel hochkrempeln!»
Was das heisse Thema Irak anbelangt, verspricht sie einen Rückzug der Truppen «so schnell wie möglich» – was ihr, sollte sie gewählt werden, Spielraum gibt. Sie befindet sich auf sicherem Boden, wenn sie erklärt, es gebe im Irak «keine militärische, nur eine politische Lösung», und erhält Beifall für den Satz: «Die irakische Regierung erhält keine Blankoschecks mehr, wenn ich Präsidentin bin!»
Eine kompetente Schauspielerin
Hillary Clinton weiss sehr wohl, mit welchen Versatzstücken sie ihr Publikum zu Applaus hinreissen kann: «Die Ära der Cowboy-Diplomatie ist zu Ende!» Oder: «Frauenrechte sind Menschenrechte, und Menschenrechte sind Frauenrechte.» Dies heisst allerdings nicht, dass sie als Präsidentin die Interessen des Landes nicht knallhart vertreten wird. Sie hat Einsteckungsvermögen oder wie sie dies ausdrückt: «Es gibt nichts, das mir meine Gegner nicht an den Kopf geworfen haben, und ich stehe immer noch da.» Die Lady ist zweifellos «tough». Und sie ist bereit, «vom ersten Tag an» als Präsidentin mit allem fertig zu werden, das auf sie zukommt. Nachdem in diesem Wahlkampf alle – auch die Republikaner – von «change», Wandel und Veränderung, reden, stellt sich auch Hillary Clinton als «changemaker» dar, als Person, die nicht nur von Wandel redet, sondern den Wandel auch herbeiführt.
Hillarys Rede ist gut konstruiert und wirkungsvoll. Vor allem ist die umstrittene von vielen angefeindete Kandidatin bemüht, keine Fehler zu machen und ihren Gegnern keine Angriffsflächen zu bieten. Jede Pause, jede Tonlage, jede Geste ist einstudiert. Man hat das Gefühl, eine Schauspielerin vor sich zu haben, die eine kompetente Politikerin darstellt.
Wirklich warm wird man bei Hillary nicht. Am Schluss verlässt das Publikum befriedigt den Saal, aber man sieht wenig lachende Gesichter. Eifrige Helfer der Clinton-Kampagne lassen von Veranstaltungsteilnehmern Karten mit ihren Adressen und Telefonnummern ausfüllen, damit diese am Caucus-Tag an ihre Wahlpflicht erinnert und notfalls abgeholt werden können. Die Clinton-Leute haben zur Sicherheit dreihundert Schaufeln angeschafft, um den Weg zu den Haustüren alter oder gebrechlicher Leute vom Schnee zu befreien. Ein jüngerer Mann lehnt es ab, die ihm hingestreckte Karte auszufüllen. Es handelt sich um einen mennonitischen Pfarrer, der für Obama stimmen wird: «Hillary ist eine zu spaltende Figur, um effektiv regieren zu können. Obama dagegen hat das nötige politische Geschick und die nötige Vision.»
Tags darauf tritt Barack Obama in einem Kaff namens Nevada (ausgesprochen Neveida) ebenfalls in einer Schulhaus auf. Auch bei ihm ist der Andrang gross. Das Publikum ist jedoch deutlich jünger als bei Hillary und scheint besonders gut gelaunt. Bevor der neue Stern am Polithimmel erscheint, ergreift ein älterer, steckgerader Herr mit schütterem Haar das Wort. Sein Name ist Tony McPeak und er ist ein Viersternegeneral im Ruhestand, der im Golfkrieg 1991 die Luftwaffe befehligte. McPeak erinnert an die «furchterregende Macht», die jeder Präsident in seiner Rolle als militärischer Oberkommandierender habe, und zählt dann auf, welche Qualitäten er als Militär in seinem «commander-in-chief» für unentbehrlich halte. «Erstens», sagt der General, «Intelligenz», um dann, als das Publikum reagiert, wie er es erwartet hatte, maliziös hinzuzufügen: «Wieso lacht ihr?» Eine Anspielung auf Bushs angeblich mangelhafte Intelligenz, haut bei Demokraten immer hin. McPeak wird sehr ernst und nennt Leadership und Urteilskraft als weitere Erfordernisse für einen Präsidenten. Er habe Obama kennengelernt und zweifle keinen Augenblick daran, dass dieser einen hervorragenden Oberkommandierenden abgeben werde: «He is a nice guy and he is a tough guy.»
Dann erscheint zu Rockmusik der Nice Guy, und er wirkt – man kann es nicht anders sagen – «cool». Trotz seiner immerhin 46 Jahre verkörpert er nicht den bestandenen Politiker, sondern gleicht eher einem ernsthaften, gleichwohl lockeren Studenten, der sich selber nicht wichtig nimmt, aber genau weiss, was er will. Er redet spontan, bringt seine wichtigsten Programmpunkte an, aber scheut sich auch nicht, das Publikum mit einer glänzend erzählten Begebenheit aus dem Wahlkampf, in der er sich über sich selber lustig macht, zu unterhalten. Wie alle andern spricht auch Obama von «change», aber anders als die andern hat er klare Vorstellung, wie er die Politik in Amerika verändern will: «Wir können den Leuten nicht weiter sagen, was sie hören wollen. Wir müssen den Leuten sagen, was sie hören müssen.» Und was müssen die Leute hören? Dass es Zeit ist, ein neues Kapitel in der Geschichte der amerikanischen Politik aufzuschlagen: «Ich kandidiere, weil ich nicht zusehen will, wie wir in den nächsten Jahren die alten Washingtoner Schlachten der 1990er Jahre schlagen. Ich will nicht das blaue (demokratisch-linke) Amerika gegen das rote (republikanisch-rechte) antreten lassen – Ich will die Vereinigten Staaten führen.»
Obamas Diagnose des vergifteten amerikanischen politischen Klimas ist einleuchtend, und er macht sie detailliert in seinem Buch «The Audacity of Hope» (Der Mut zur Hoffnung). Seit dem Vietnamkrieg und der Kulturrevolution der sechziger Jahre stehen sich das linksprogressive und das rechtskonservative Lager misstrauisch und feindselig gegenüber. Eine manichäische Weltsicht trübt das Urteilsvermögen in beiden verkrampften Lagern. Die von den Auseinandersetzungen der sechziger Jahre geprägte Generation der sogenannten Boomers (der geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge) ist unfähig, über den eigenen Schatten zu springen, Brücken zu schlagen.
Obama glaubt, gestützt auf seine Erfahrungen als Politiker in Illinois, dass im amerikanischen Volk das Gemeinsame stärker ist als das Trennende. Er setzt seine Hoffnung in die Werte, die – wie die Freiheitsliebe – alle Amerikaner hochhalten und in schlichte alte Tugenden wie Eigenverantwortung, Risiko-bereit-schaft, Dynamik, Disziplin, Fleiss, Sparsamkeit. Die Amerikaner, schreibt Obama, sind in ihrem Herzen Individualisten, aber sie wissen, dass gemeinschaftliche Werte als Leim die Gesellschaft zusammenhalten: «Wir schätzen die Konstellation von Verhaltensweisen, die unsere gegenseitige Achtung füreinander ausdrücken: Ehrlichkeit, Fairness, Bescheidenheit, Güte, Höflichkeit, Barmherzigkeit.»
Dies sind neue Töne in der amerikanischen Politik, und sie stossen bei der Jugend auf Gehör. Barack Obamas ungewöhnliche -Biografie hat zu seinem rasanten Aufstieg auf der politischen Leiter beigetragen. Obamas kenianischer Vater, der als Austauschstudent auf Hawaii seine aus Kansas stammende weisse Mutter geheiratet hatte, verliess die Familie, als der Junge zwei war. Die Mutter zog mit ihrem zweiten Mann, einem indonesischen Offizier, nach Jakarta, wo Barack den Kindergarten und die Elementarschule besuchte. Mit zehn kehrte er zu den Grosseltern nach Hawaii zurück, verbrachte dort seine Jugendjahre, bis er dann an der Columbia-Universität Politikwissenschaft und in Harvard Jurisprudenz studierte. Nach Abschluss der Studien in Harvard, wo er als erster Afroamerikaner die prestigiöse Harvard Law Review leitete, schloss er sich einer auf Bürgerrechte spezialisierten Anwaltskanzlei in Chicago an. Seine politische Erfahrung holte er sich als Senator im Staatsparlament von Illinois und seit 2005 im Senat zu Washington.
Aussenpolitisch ist Obama ein Greenhorn, und seine Gegner, insbesondere Hillary, werden nicht müde, auf Obamas Mangel an aussen- und sicherheitspolitischer Erfahrung hinzuweisen. Der junge Senator wiederum entgegnet, Urteilsvermögen sei wichtiger als Reislein von Politikern ins Ausland, anlässlich deren an Veranstaltungen in den amerikanischen Botschaften Tee getrunken werde. Im Oktober 2002 warnte er: «Ich stelle mich nicht gegen alle Kriege. Wogegen ich mich stelle, sind dumme Kriege. Wogegen ich mich stelle, sind unbesonnene Krieg. Ich weiss, dass selbst ein erfolgreicher Krieg eine amerikanische Besetzung von unbestimmter Länge, von unbestimmten Kosten und mit unbestimmten Folgen erfordern wird. Ich weiss, dass eine Invasion des Iraks ohne klare Begründung und ohne starke internationale Unterstützung nur die Flammen im Nahen Osten anfachen, die schlimmsten statt die besten Impulse in der arabischen Welt ermutigen und den Rekrutierungsarm von al-Qaida stärken wird.»
Auch John F. Kennedy hatte wenig aussenpolitische Erfahrung. Ted Sorensen, Kennedys alter Redenschreiber, gehört zu den leidenschaftlichen Anhängern des Senators aus Illinois. Er sieht in Obamas Verstand und Temperament die Gaben, die Kennedy während der Kuba-Raketenkrise an den Tag legte.
Störfaktor John Edwards
In Hillary Clinton und Barack Obama haben die Demokraten endlich wieder zwei valable Präsidentschaftskandidaten, denen man, sollten sie gewählt werden, eine realistische Aussenpolitik zutrauen kann. Darüber kann sich die Welt nur freuen. Wer von beiden das Rennen um die demokratische Nomination machen wird, ist völlig offen. Bei den Caucuses in Iowa ist nicht ausgeschlossen, dass John Edwards beiden einen Strich durch die Rechnung macht. Edwards, der 2004 in Iowa von John Kerry nur knapp geschlagen wurde und im Staat ein festes Beziehungsnetz und eine erprobte Wahlorganisation hat, führte einen emotionalen, populistischen, gegen die Grosskonzerne und das Agrobusiness gerichteten Wahlkampf, der vor allem bei der ländlichen Bevölkerung und den Globalisierungsverlie-rern gut ankam. (Das Wort «populistisch» hat in Amerika nicht den gleichen negativen Beigeschmack wie bei uns und wird für Politiker gebraucht, die sich für den kleinen Mann einsetzen.) In den letzten Meinungsumfragen lag Edwards mit Hillary und Obama gleichauf. Selbst wenn er gewinnen sollte, wird ihm dies wenig nützen, weil seine negative Botschaft – gegen die Reichen, gegen die Lobbyisten, gegen den Freihandel, gegen die Öl-, Versicherungs- und Drogenindustrie – in andern Staaten wenig Zugkraft entwickelt.
Hillary bleibt Favoritin. Sollte sie jedoch in Iowa von Obama überflügelt werden, dann ist denkbar, dass Unentschlossene in New Hampshire, wo bereits am Dienstag Primärwahlen folgen, zum Sieger überlaufen. Eine Niederlage in Iowa und New Hampshire würde die Präsidentschaftsträume der ehe-maligen First Lady wohl begraben und einen Generationenwechsel in der Partei – und vielleicht auch im Land – einläuten.
03.01.2008, Ausgabe 01/08
Wahlen in den USA
Vergangenheit gegen Zukunft
Bis in einem Monat sollte klar sein, welche zwei Präsidentschaftskandidaten sich im November die Nachfolge der Präsidentschaft streitig machen werden. Bei den Republikanern ist das Rennen offen, bei den Demokraten liegen Hillary Clinton und Barack Obama Kopf an Kopf.

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