James Robert Cade (1927–2007) – Als junger Mediziner forschte er an der Universität von Florida in Gainesville auf so unterschiedlichen Gebieten wie Bluthochdruck, Autismus und Schizophrenie, Sportphysiologie und Nierenkrankheiten. Aber das bekannteste Ergebnis seiner wissenschaftlichen Neugier bleibt ein Getränk, an dem sich ausgeschwitzte Sportlerinnen und Sportler global laben: Robert Cade erfand den Erfrischungsdrink Gatorade, der heute achtzig Prozent des einschlägigen Weltmarkts abdeckt. Der Markenname setzt sich zusammen aus «Gator», wie sich das Football-Team seiner Universität nannte, abgeleitet von den Alligatoren in den Sümpfen Floridas, und Lemon«ade», Limonade. Cades alchimistische Getränkeformel war so simpel wie einleuchtend: Der Trank gab dem Organismus zurück, was er beim Schwitzen verloren hatte. Wasser, Elektrolyte wie Kalium und Natrium, etwas Chlor. «Das Zeug schmeckt wie Abwaschwasser», sagte seine Frau Mary und fügte den Saft einer halben Zitrone hinzu. Die Football-Mannschaft gewann 1967 plötzlich ihre Spiele in den letzten Minuten, wenn die Gegner in der Hitze von 35 bis 40 Grad am Verdursten waren. Zauberei, Doping oder Placebo-Effekt? Cade liess Gatorade patentieren, aber als er die Universität verliess, musste er sich die Rechte an seinem Rezept in einem langen Prozess erstreiten. 1973 sprach ihm das Gericht achtzig Prozent der Lizenzgebühren aus seinem «aquaceutical» zu, das längst von Pepsi gebraut wird. Der gläubige Lutheraner, der Schweiss in Milliarden verwandelte, hinterlässt sechs Kinder und eine preisgekrönte Sammlung alter Studebakers.
Peter Hartmann
Roger Smith (1925–2007) – Er wurde weltbekannt durch einen Dokumentarfilm, in dem er gar nie auftrat. Und durch eine Lüge. Smith war Titelfigur und roter Faden von «Roger & Me», dem ersten Erfolgswerk von Michael Moore. Der erzählte, wie General Motors in Michigan mehrere Fabriken schloss und 30000 Leute entliess, und er untermalte dies mit Bildern von seinen ebenso zahlreichen wie vergeblichen Versuchen, Konzernchef Smith zur Rede zu stellen. Durch diesen Kniff erschien der GM-Boss als abgehoben und arrogant – aussen vor blieb, dass er dem Filmer sehr wohl ein Interview gegeben hatte. Als Job-Abbauer wird er tatsächlich in Erinnerung bleiben. Denn Roger Smith, Präsident und CEO in den Jahren 1981 bis 1989, wurde voll erwischt von der japanischen Automobil-Offensive. Die Probleme bei General Motors hatten sich zuvor schon aufgetürmt – als Smith an die Spitze kam, machte der weltgrösste Autobauer vor allem durch Qualitätsmängel, altmodische Gefährte, Arbeitskämpfe sowie den ersten Verlust seit den zwanziger Jahren von sich reden. Smith reagierte, indem er kleinere Modelle entwickeln liess, indem er mit Erzfeind Toyota kooperierte und in andere Branchen diversifizierte. Vor allem drückte er einen massiven Umbau durch, der unter anderem bewirkte, dass verschiedene GM-Marken wie Chevrolet und Buick gemeinsam Modelle entwickelten. Es wurde zu einem der grössten Flops der Autogeschichte, und als Roger Smith pensioniert wurde, waren die Marktanteile von GM deutlich gesunken. Ralph Pöhner













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