Spione scheuen die Öffentlichkeit. Doch für einmal machen die amerikanischen Geheimdienste eine Ausnahme. Zu Beginn dieser Woche haben sie als National Intelligence Estimate (NIE) eine Zusammenfassung ihrer neuen Erkenntnisse zur iranischen Atompolitik ins Netz gestellt. Und das mit gutem Grund: Jeder soll dort nachlesen können, dass die US-Geheimdienste ihre bisherige Einschätzung über die nukleare Aufrüstung des Irans gründlich revidiert haben. Was sie zu sagen haben, ist politisch äusserst brisant – zumindest auf den ersten Blick. Die Islamische Republik habe das Nuklearwaffenprogramm bereits vor vier Jahren eingestellt, sind die US-Geheimdienste überzeugt. Vor zwei Jahren hatte es noch anders getönt. Teheran sei entschlossen, die Atombombe zu entwickeln, meinten die US-Geheimdienste damals. Was Wunder, dass der NIE-Report allgemein als Entwarnung hinsichtlich der iranischen Atomgefahr interpretiert wird: Ein Militärschlag erübrige sich, Sanktionen seien überflüssig.
Doch gemach. Die Agenten verraten nicht, was sie zum Umdenken bewogen hat. Das steht im 140 Seiten starken Bericht – aber der bleibt geheim. Die Los Angeles Times weist darauf hin, dass die neue Lagebeurteilung auf wackeligen Füssen steht. Eine wichtige Information sei ein «abgehörtes Telefongespräch» gewesen, in dem sich ein hoher iranischer Beamter über die «Unterbrechung des Programms» beschwert habe. Als weiteren Beleg nennt ein US-Agent die iranische Einladung an ausländische Journalisten, die Nuklearanlagen und das Urananreicherungswerk in Natanz zu besuchen. Die würden bloss für zivile Ziele benötigt, wurde vor den Reportern im Sommer doziert, der Iran wolle keine Bombe, sondern bloss eigene Atomkraftwerke bauen.
Entwarnung? Nuklearanlagen, die für zivile Zwecke vorgesehen sind, können erstens mit etwas Aufwand zu militärischen Vorhaben umfunktioniert werden. Und zweitens hat der Iran die militärische Forschung nicht eingestellt, wie im NIE nachzulesen ist. Im Iran, so heisst es dort, schreiten die Entwicklungsarbeiten voran, die zur Herstellung von Nuklearwaffen gebraucht werden könnten, sollte ein entsprechender politischer Entscheid gefällt werden. Und wenn man sich die wilden Verbalattacken von Präsident Machmud Achmadinedschad anhört, kann man eigentlich nicht daran zweifeln, dass dieser Wille in Teheran nach wie vor ungebrochen ist.













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