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24.10.2007, Ausgabe 43/07

Claudia Cardinale

«Ich war nie eine Diva»

Die Jahrhundertschauspielerin Claudia Cardinale über Marcello Mastroianni, der in sie verliebt war, und ihren Sohn, den sie jahrelang verstecken musste. Die Arbeit mit Fellini, Visconti, Leone und Brando brachte sie immer wieder an ihre Grenzen.

Von Carmine De Fusco

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Frau Cardinale, in Ihrer kürzlich erschienenen Biografie «Mes étoiles» betonen Sie, wie das Schicksal, in Arabisch der «Mektoub», Ihr Leben vorbestimmt und geführt hat. Wie ordnen Sie unser Treffen ein?
Für mich ist im Leben alles bereits vorbestimmt von unserem Schicksal, dem wir nicht entkommen können. In meinem Geburtsland, in Tunesien, hatte der Mektoub für die Bevölkerung eine grosse Bedeutung. Wenn etwas nicht geschah, so hatte es einfach nicht zu sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir dem Schicksal völlig passiv ausgeliefert sind. Ich kann äusserst entschlossen sein, wenn ich etwas erreichen will. Ich sag mir dann: «Wenn ich will – so kann ich auch!» Unser Treffen aber erachte ich eher als Zufall.

Sie beschreiben sehr offen Ihre Vergangenheit, Ihre privaten und beruflichen Schicksalsschläge, die in Ihrer Jugend erlebte physische Gewalttat, Ihre verborgene Schwangerschaft, den daraus entstandenen Sohn und den Verlust Ihrer Regisseure. Was bewegte Sie, all dies preiszugeben?
Ich habe nichts zu verheimlichen. Schon einige Jahre zuvor hatte ich in einem ersten Buch einen Teil meiner Vorgeschichte publiziert. Jetzt war es an der Zeit, all meine Sterne, «mes étoiles», zu würdigen und sie wiederzubeleben, die mich auf meinem Weg begleitet haben. Dank denen stehe ich heute hier. Nächstens ist auch ein Kapitel über meine Jugendzeit in Tunesien geplant.

Ihre Eltern erzogen Sie und Ihre Geschwister streng. War dies für Sie eine Einschränkung?
Nein, gar nicht. Es war richtig und gesund in jener Zeit. Ausserdem bewahrte mich dies vor vielen dummen Taten. Auch heute denke ich, dass ein Nein viel wichtiger und vernünftiger ist, als den Kindern alles zu erlauben.

Wie war das Verhältnis zu Ihren Eltern?
Sehr gut, leider ist mein Vater nicht mehr unter uns, und meine Mutter verstarb vor kurzem. Wir telefonierten sonst täglich, egal, wo ich gerade drehte. Ich habe noch zwei Brüder und eine Schwester, mit denen ich in regem Kontakt bin.

Obwohl Sie anfangs gar nichts von der Kino-welt wissen wollten, liefen Ihnen bedeutende Produzenten nach, und bald begannen Sie, in wichtigen Filmen mitzuspielen.
Da sehen Sie, wie genau das Schicksal mich führte. Ich wurde in meiner Schule in Tunesien vom jungen Omar Sharif entdeckt, der mich den Produzenten eines Filmes vorschlug. Seltsamerweise stimmte da sogar mein streng erzogener sizilianischer Vater zu. Vorher hatte man mich bei einem lokalen Wettbewerb zur schönsten Italienerin Tunesiens gekürt. Der Preis beinhaltete eine Reise ans Filmfestival von Venedig, wo ich meinen zukünftigen Kollegen und Meistern begegnen sollte.

Ihr erster Film 1958 hiess «I soliti ignoti» («Diebe haben’s schwer»), unter der Regie von Mario Monicelli. Vom Kino hatten Sie damals keine Ahnung.
Ehrlich gesagt, schienen mir alle verrückt zu sein, diese schreienden Leute auf dem Filmset, das chaotische Durcheinander. Ich spielte eine kleine Nebenrolle und wusste kaum richtig, was ich zu tun hatte. Dazu verstand und sprach ich kaum Italienisch, war noch wild und sehr verschlossen. Ich nahm das Spiel so ernst, dass ich bei einer Szene einem Darsteller, Renato Salvatori, die Tür ins Gesicht schlug, worauf mich Monicelli behutsam zur Seite nahm und über die Filmfiktion aufklärte.

Sie wurden sofort unter Vertrag genommen vom Römer Produktionshaus Vides, das vom damals mächtigen Franco Cristaldi geführt wurde.
Ja, und dank ihm wirkte ich auch in bedeutenden Filmen mit. Denn man suchte mir gezielt marktwichtige Rollen aus, anfangs auch kleine, die mir aber Antrieb gaben und mich mit damals namhaften Regisseu-ren zusammenbrachten. Mein Leben war in jener Zeit genau durchstrukturiert, und es sollte 18 lange Jahre so bleiben bis zur Auflösung des Vertrags.

Wann begannen Sie, Ihre Arbeit auf dem Set zu verstehen und zu lieben?
1959 war ein entscheidendes Jahr für mich. Pietro Germi drehte «Un maledetto imbroglio» («Unter glatter Haut»), worin ich eine römische Hure spielte. Germi und ich glichen uns sehr in unserer Zurückhaltung, im Einzelgängertum und verstanden uns gleich. In diesem Film genügte meine Fotogenität allein nicht mehr. Germi lehrte mich, vor der Kamera richtig zu weinen, loszulassen. Dabei lernte ich auch zuzu-hören und zu beobachten. Abends kam ich völlig kaputt nach Hause, so physisch anstrengend und intensiv war das Spiel meiner Filmfigur.

Wie erholten Sie sich davon?
Ich brauchte tagelang Ruhe, musste mich im Dunkeln strecken und regenerieren.

Wann haben Sie den Film zuletzt gesehen?
Es war erst vor einigen Jahren 2001 in New York anlässlich einer Retrospektive des italienischen Kinos. Grössen wie Woody Allen und Pedro Almodóvar waren anwesend. Am Schluss der Vorführung gab es vom Publikum grossen Beifall und Standing Ovations, was mich besonders rührte. Der Film war fast in Vergessenheit geraten.

Darauf folgte 1960 «Il bell’Antonio» («Der schöne Antonio») von Mauro Bolognini mit Marcello Mastroianni als Ihrem Filmpartner.
Der Regisseur lief mir und meiner Schwester in Rom auf offener Strasse beharrlich hinterher. Damals kannte ich ihn noch nicht und ignorierte ihn sowie sein Angebot. Denn alle Anfragen wurden nur über mein Produktionshaus abgewickelt. Als es dann so weit kam, entstand zwischen uns eine langjährige Freundschaft bis zu seinem Tod. Na ja, und was Marcello betrifft, ist es heute auch kein Geheimnis mehr, dass er eine Schwäche für mich hatte, die ich aber nie erwiderte, was er mir ein Leben lang vorwarf. Je mehr er insistierte, umso mehr ignorierte ich ihn. Bolognini bat mich dann höflich, ich möge ihm hie und da ein Lächeln schenken, doch blieb ich hart. Abends, als er jeweils nicht auftauchte, schickte uns der Regisseur in Bars, um ihn aufzuspüren. Als wir ihn fanden, veranstaltete er laute Szenen vor mir.

Ihre Filmografie umfasst 150 verschiedene Filme. Darunter befinden sich mehrere Meisterwerke von Regiegiganten, auch Viscontis Verfilmung von «Il Gattopardo» («Der Leopard»). Was für Erinnerungen haben Sie an die Dreharbeiten?
Nun, verglichen mit meiner kleinen Rolle zuvor in «Rocco e i suoi Fratelli» («Rocco und seine Brüder»), war dieser Streifen ein Qualitätssprung und eine Reifeprüfung für mich. Visconti konnte auf grossartige Darsteller zurückgreifen wie Alain Delon oder Burt Lancaster, der anfangs als Amerikaner noch misstrauisch beäugt wurde. Visconti lehrte mich, mein Gesicht zweizuteilen, die Augen mussten ernsthaft bleiben und unabhängig vom Mund agieren. Er zwang mich auch – die ich zuvor Blicke mit anderen mied –, meine Gegenspieler lange anzustarren. Ich konnte ihn überzeugen, der Aufgabe gewachsen zu sein. Nach diesem Film schaute ich nicht mehr gleich. Visconti selber war ein Mann von hoher Eleganz, Raffinesse; ein echter Aristokrat.

Zeitgleich drehten Sie auch ein anderes Meisterwerk eines Genies. Der Regisseur Federico Fellini verpflichtete Sie für «81/2», erneut an Mastroiannis Seite. Hatten Sie sowie andere vor Ihnen Schwierigkeiten mit dem grossenFellini?
Oh ja, das war ein echtes Abenteuer. Denn beide wollten nicht auf mich verzichten für ihren Streifen, und so einigte man sich, eine Woche bei einem, eine beim anderen. Für Visconti musste ich meine Haare rabenschwarz färben, der andere wünschte mich blond. Unterschiedlicher konnten sie nicht sein in ihrer Ausdrucksform, Vision und Präsenz. Auf Viscontis Set musste totale Ruhe und Konzentration herrschen, während es bei Fellini nicht laut und chaotisch genug zu- und hergehen konnte. Die Stille machte ihm Angst. Ich verstand mich aber gut mit ihm, er bezeichnete mich als eine Art Medium mit der Gabe, in die Menschen hineinzublicken. Fellini gab mir als Erster übrigens meine tiefe, raue Stimme auf dem Bildschirm, die bis dahin immer synchronisiert worden war.

Kurze Zeit später betraten Sie amerikanisches Terrain. Sie spielten mit Stars wie John Wayne, Rita Hayworth, Rock Hudson. Wie vertrugen Sie sich mit den Amerikanern und deren Arbeitssystem?
Die amerikanische Arbeitsweise war klar strukturiert, richtete sich nach klaren Arbeitsweisen, ganz anders als die italienische Drehgewohnheit. Für mich war dies eine völlig neue, aber gesamthaft gute Erfahrung. John Wayne verhielt sich zu mir wie ein beschützender Vater. Mit Persönlichkeiten wie Steve McQueen, Gregory Peck oder Paul Newman schloss ich Freundschaften, die ein Leben lang hielten. Zu Rock Hudson hatte ich das engste Verhältnis. In Newmans Wohnung übernachtete ich sogar und konnte es kaum fassen. Und doch kamen mir die Amerikaner und ihre Eigenheiten immer noch seltsam vor.

Auch Marlon Brando?
Gut, Brando war ein Sonderfall, mein Idol als Schauspieler. Viele vergötterten ihn damals, sogar Visconti hielt viel von ihm. Während meiner amerikanischen Drehzeit trafen wir uns einmal auf seinen Wunsch in einem Hotel. Ich war jung, doch widerstand ich ihm, denn ich hatte sein Ver-führungsspiel nach der Actors-Studio-Methode durchschaut, und er hatte es auch verstanden. Nur kurz später dachte ich: Wie dumm von mir, mich nicht mit ihm eingelassen zu haben.

Sie bereuten, nicht aktiver gewesen zu sein?
Nein, denn da kommt wieder der Mektoub ins Spiel. Ich bereue nie etwas.

1968, im Jahre der weltweiten Revolutionen und Jugendrebellionen, erblickte ein besonderer ­Kultfilm das Licht der Welt, der weltweit Ihren Starstatus bekräftigte. In Sergio Leones ­revo-­lutionärer, monumentaler Pferdeoper «Spiel mir das Lied vom Tod» ­spielen Sie – anders als in üblichen Westernfilmen – eine starke und stolze weibliche Figur.
Ich erinnere mich immer gern daran, er gehört noch immer zu meinen Lieblings-filmen. Schon früh mochte ich starke, rebellische Frauenrollen, und Sergio Leone schenkte mir diese charakterstarke Figur. Legendär ist auch Morricones Filmmusik, die Leone am Set spielen liess, um uns bei unserer Interpretation zu unterstützen, und es funktionierte. Charles Bronson war ein merkwürdiger Typ und spielte oft allein mit einem Ball vor sich hin. Meine erste Szene war übrigens die erotische mit Henry Fonda auf dem Bett. An diesem Tag flog extra seine Frau ein aus Amerika, die über uns wachte und dabei die knisternd-sinnliche Stimmung auf dem Set förderte. Kaum zu denken heute, wie wenig Haut damals so viel Sinnlichkeit bewirken konnte. Ich erhalte bis heute viele Briefe von jungen Bewunderern, die mich wegen dieses Films ins Herz geschlossen haben.

In den siebziger Jahren kam der Bruch. Sie lösten sich vom Produzenten Cristaldi. Sie lernten den neapolitanischen Regisseur Pasquale Squittieri kennen.
Damals war ich wirklich bereit zu gehen. Mein Produktionshaus Vides hatte mir und meiner Familie in jungen Jahren viel gegeben und uns finanziell abgesichert, aber ich war nie frei und unabhängig gewesen, selber zu wählen. Ich konnte meinen Sohn nicht als mein Eigen bezeichnen, musste ihn vor anderen verstecken, er dachte, ich sei seine Schwester. Andere bestimmten dauernd für mich. Nach 18 Jahren war ich so weit, dagegen zu revoltieren und meinen eigenen Weg zu gehen, mich aus diesem Käfig zu befreien. Zu jener Zeit begann auch die Krisenperiode der italienischen Kinoindustrie. Das Schicksal brachte mich aber weiter, als es eines Tages diesen gleichaltrigen Regisseur zu mir führte. Wir waren beide starke Persönlichkeiten, unbändig, stolz. Zuerst nahm er mich nicht ernst, sah in mir nur eine Diva und behandelte mich abwertend. Mir aber gefiel er, ich wollte ihn haben. Es sind nun über dreissig Jahre, die wir gemeinsam durchs Leben gehen.

Sie haben mit Squittieri eine 28-jährige Tochter, Claudia, die Sie mit vierzig Jahren auf die Welt brachten. Hat sie Kinoambitionen?
Wir hatten beide den Kinderwunsch, ins-besondere ich sehnte mich danach. Heute können wir uns wirklich glücklich schätzen, eine wunderbare Tochter zu haben. Wir pflegen zusammen ein inniges Verhältnis. Ihr Interesse gilt der Kunst und Kultur, sie arbeitet in einem Museum der schönen Künste in Paris. Nein, bisher hat sie das Kino nicht angezogen, sie erhielt auch Angebote aus der Werbebranche, die sie aber ablehnte.

Sie behaupten, dass Sie ohne Ihren heute 48-jährigen Sohn Patrick, der das Resultat einer Gewalttat in Ihrer tunesischen Jugendzeit war, nie eine Kinolaufbahn eingeschlagen hätten.
Ja, das stimmt wirklich, weil er mich während meiner damaligen Schwangerschaft, die ich lange versuchte zu verheimlichen, antrieb und ermutigte, Unabhängigkeit zu erlangen. Ab dem sechsten Monat entschied ich mich innerlich, die Kinoarbeit in den Mittelpunkt zu stellen.

Vor einigen Jahren wurden Sie von der katholischen Kirche beauftragt, einige Gedichte von Papst Johannes Paul II. vorzutragen. Sind Sie ein gläubiger Mensch?
Zuerst reagierte ich verblüfft und fragte mich, wie sie eine mit einer solchen seltsamen Stimme überhaupt für eine derart wichtige Aufgabe auswählen konnten. Diese Erfahrung war jedenfalls richtig bewegend. Man bedenke, es handelte sich dabei um die Gedichte, die der Papst am Grabe seiner Mutter geschrieben hatte. Ein unvergessliches menschliches Erlebnis, die­se Verse zu rezitieren. Ich bin katholisch und gläubig. Ich mag es, mich in die Kirchen zu begeben, wenn sie leer sind, dann spüre ich für mich die Nähe und den Kontakt zu Gott.

Welche Rollen spielten Sie lieber in Ihren Filmen, die dramatisch geprägten oder die komischen? Und gibt es Regisseure, mit denen Sie gerne zusammengearbeitet hätten?
Ich mag beide Genres, aber das Dramatische entspricht mir sicher mehr. Eigentlich habe ich alle wichtigen Rollen in der Geschichte gespielt, von der Hure und Rebellin bis zur Mutter. Unter Polanski hätte ich sicher gerne gedreht, ich bewundere seine Filme. Doch ich war nie diejenige, die sich Regisseuren anbot, man machte mir Angebote.

Wie erleben Sie heute eigentlich Ihren Star­status? Mögen Sie Interviews, mögen Sie es, in Zeitungen und TV zu erscheinen?
Ich war nie ein Star oder eine Diva. Dank meiner Familie führte ich privat ein normales Leben und brauchte nie Bodyguards. In Paris spaziere ich oft allein an der Seine und mag den Kontakt zu den Leuten, wenn sie auf mich zukommen. Interviews zu geben gehört halt zu meinem Beruf, das ist mein Leben, und ich bin daran gewöhnt. Aber dafür gehe ich ganz wenig ins Fernsehen.

Sie spielten vor einigen Jahren zum ersten Mal Theater, unter anderem auch in der französischen Schweiz. Warum haben Sie damit so lange zugewartet?
Ich hatte Bedenken bezüglich meiner Sprechstimme und fürchtete, ich könnte damit bestenfalls die erste Reihe erreichen. Ich dachte auch, dass mich die vielen Wiederholungen Abend für Abend langweilen würden. Sowohl Visconti als auch Strehler hatten mich wiederholt für eine Theaterrolle angefragt, ich lehnte aber stets ab. Doch ich muss gestehen, dass ich mich damals irrte. Jeder Abend auf der Bühne ist anders, weil das Publikum anders ist und man die feinen Veränderungen im Theater wahrnimmt. Es war eine richtige Erleuchtung für mich. Mein Lebenspartner meinte, dass das Theater für eine Künstlerin ein zweites Leben sei. Eine Kinoschauspielerin wechselt ja selten ins Theaterfach, das Gegenteil ist eher der Fall. Ich verstehe jetzt gut, warum sich gewisse Schauspieler nicht von der Theaterbühne lösen können.

Wie beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit?
Ich löse gerne Kreuzworträtsel, tanze gerne, schaue Fussballspiele und andere Sport-anlässe im Fernsehen an. Teilweise sage ich in «Notfällen» sogar Termine ab, um kein Fussballspiel zu verpassen! Die Lektüre von guten Büchern bereitet mir auch Freude, doch seit Monaten stapeln sie sich bei mir zu Hause. Ich war zu viel unterwegs. Daneben reise ich viel beruflich.

Sie können weltweit auf zahlreiche Bewunderer zählen. Hatten Sie auch skurrile Erlebnisse?
Es macht mich glücklich, wenn ich die Leute mit meiner Arbeit zum Träumen verleiten kann. Aber ich hatte früher ganz spezielle Anhänger: ein Pfarrer aus New York, der in mir eine Madonna sah. Sogar eine arabische Prinzessin, die mich jahrelang verfolgte und Geschenke schickte. Der erste kuriose Interessent war ein Bauer, der mir schrieb: «Ich habe eine Kuh, zwei Pferde und ein Schaf, und ich bin bereit, Dich zu heiraten. Komm zu mir...!» Ein anderer kam direkt aus Los Angeles mit einem Koffer zu mir und sagte: «So, da bin ich, ich komme, um mit dir zu leben.» Seltsame Bewunderer.

Lieben Sie die Schauspielerei noch immer?
Ja, und ich erlebe noch immer die gleiche Angst und Anspannung vor jedem neuen Projekt.

Was raten Sie jungen Schauspielerinnen, die eine Karriere anstreben?
Wenn sie schwach sind, sollten sie es lieber bleiben lassen. Wenn sie diesen Beruf wirklich ausüben wollen, müssen sie innerlich sehr stark sein. Die Komplimente, die man hört und die man vielleicht ernst nimmt, können einen fehlleiten. Und die verschiedenen Charaktere, die man verkörpern muss, können einen psychisch verändern. Deshalb ist es wichtig, privat ein gutes Umfeld zu haben. Damit man – auch wenn man träumt – mit den Füssen immer am Boden bleibt.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 43/07
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