Nachruf

Nachruf

Sri Chinmoy (1931–2007), Guru, Athlet, und Bob Denard (1929–2007), Söldnerführer, Farmer

Von red

Sri Chinmoy (1931–2007) – Er hat in den letzten zwanzig Jahren 8000 Leute in die Luft gehoben, darunter einen Sumo-Ringer und Berühmtheiten wie Nelson Mandela und Richard Gere. Er stemmte Lastwagen hoch, Schulhäuser und einmal gar ein Flugzeug – dank Geisteskräften und ausgeklügelten Apparaten mit enormer Zugkraft. «Er lehrte seine Anhänger, Herausforderungen anzunehmen, von denen sie nie dachten, dass sie sie bestehen könnten», sagte Sprinter Carl Lewis über ihn. Der Guru Chinmoy hatte prominente Anhänger. Neben Lewis etwa die Musiker John McLaughlin, Roberta Flack und Carlos Santana. Der äusserte sich allerdings nach seinem Bruch mit Chinmoy in den Neunzigern negativ: Chinmoy habe seinen Jüngern geraten, den Kontakt zu ihm abzubrechen, da er «in ein dunkles Meer der Unwissenheit» versunken sei.

Geboren wurde Chinmoy im heutigen Bangladesch. Mit zwölf wurde er Waise und kam in einen Aschram, wo er zwanzig Jahre blieb. 1964 emigrierte er nach New York und eröffnete sein spirituelles Zentrum. Auch in kreativer Hinsicht war er ein Athlet; gemäss seinen Anhängern schrieb er 1600 Bücher, komponierte 20000 Lieder und malte 200000 Bilder. In der Schweiz wirkte der Guru vor allem durch das Sri Chinmoy Marathon Team, das Extremläufe und das Zürichsee-Schwimmen durchführt. Sri Chinmoy starb letzten Donnerstag an einem Herzinfarkt im New Yorker Stadtteil Queens. Er hinterlässt eine Anhängerschaft von etwa 5000 Gläubigen. Viele von ihnen haben in seiner Nachbarschaft Häuschen erworben und sie in der gleichen himmelblauen Farbe gestrichen. David Signer


Bob Denard (1929–2007) – Das Wort «Söldner» mochte er nicht, lieber nannte er sich «Korsar der Republik», aber als der bekannteste der legendären weissen Söldnerführer, die im nachkolonialen Afrika die schmutzigen Geschäfte ihrer staatlichen oder privaten Auftraggeber erledigten, wird Bob Denard in Erinnerung bleiben. Seinen Ruhm verdankt er kühnen kriegerischen Aktionen im Kongo, in Angola, Jemen, Rhodesien (bevor es Simbabwe wurde), Nigeria, Benin und im Tschad. Als 16-Jähriger hatte sich der in Bordeaux geborene Offizierssohn in der Résistance engagiert, um nachher in der Marine zu dienen, bis er nach einer Schlägerei in einer Bar ausgemustert wurde. 1954 wurde er wegen der Teilnahme an einem aufgeflogenen Mordkomplott an Premierminister Mendès France zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Er stand noch mehrmals wegen seiner Teilnahme an Verschwörungen in verschiede-nen Staaten vor Gericht, genoss aber immer den Schutz des französischen Staates.

Zwischen 1975 und 1995 organisierte er vier Staatsstreiche auf den Komoren, wo er zeitweise eine ihm ergebene, 600 Mann starke Präsidentengarde kommandierte. Dort bewirtschaftete er auch eine Farm, heiratete eine Einheimische und konvertierte zum Islam. Denard war eine der Figuren, die Frederick Forsyth zu seinem Roman «The Dogs of War» inspirierten. «Es ist wahr, ich war kein Heiliger», erklärte der jetzt nach langem Alzheimer-Leiden in Südwestfrankreich Verstorbene einmal, «im Kampf kann man es nicht sein. Aber ich wäre nicht mehr hier, wenn ich abscheuliche Dinge getan hätte.» Hanspeter Born

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