Zu Fuss

Hades (SG)

Das Ofenloch, aus dem der Necker geboren wird, ist halb Naturspektakel und halb Unterwelt.

Von Thomas Widmer

Für die Schweiz-Ausgabe von Geo habe ich einen Gastbeitrag über das Neckertal verfasst, der im Dezember erscheinen soll. Wo zur Hölle liegt das Neckertal, fragt nun jeder Nichtostschweizer. Eben, in der Ostschweiz, es gehört zur Region Toggenburg. Und eben, exakt darum habe ich über das Neckertal, das übrigens ein tolles Wandergebiet ist, geschrieben: weil es so viele Schweizer nicht kennen.

Schon gar nicht kennen sie das Ofenloch. Ofenloch? Schaut man von der Aussichts­terrasse des Säntis gen Westen, ist da nah der Hochalp eine Waldfläche, die ins schummrige Nichts stürzt. Das ist das Ofenloch, aus dem der Necker geboren wird. Der Name des Flusses soll aus dem Indogermanischen kommen und «wild» bedeuten. Das passt zum Ofenloch, das halb Naturspektakel ist und halb Unterwelt.

Gar nicht so einfach, den Hades zu betreten. Die Einheimischen gehen oder fahren von Hemberg aus zum Ampferenboden, einem schönen Picknickplatz. Und dann wenden sie die Brute-Force-Methode an: Sie gehen direkt im Bett des Neckers weiter. Das ist allerdings ­heikel bis gefährlich, wenn es in den Tagen zuvor geregnet hat und der Fluss viel Wasser führt.

Schlauer ist folgende Route: Von der ­Haltestelle «Seebensäge» der Buslinie Nesslau/Neu St. Johann–Schwägalp steigen wir auf zum Ellbogen, einem Alpboden. Auf dem Fahrsträsschen setzen wir fort Richtung Chräzerenpass und dürfen fünf Minuten später die Wanderabzweigung zur Linken nicht verpassen. Jetzt wird es schaurig: Auf einem Pfad, der sich vorerst der Oberkante einer gut 150 Meter hohen Felswand entlangzieht, steigen wir ab; ist es hier feucht, sei man vorsichtig. Nach Querung eines Nebentobels ist es so weit. Wir sind unten, im Ofenloch. Wie in der Vorzeit sieht es hier aus: Kiesel, Geröll, Felsen, Geschiebe, dazu Wasserfälle und Höhlen, moderndes Holz, Farne und Moos, und alles das gerahmt von gewaltig hohen Nagelfluhwänden.

Nur die Indianer fehlen, um einen oft gehörten Slogan abzurunden: Man nennt das Ofenloch gern auch «Grand Canyon der Ostschweiz».


Route: «Seebensäge»–Ellbogen–Ofenloch wie im Text. Dann via Neuwald hinüber zum Chräzerenpass und zur Postautohaltestelle «Schwägalp-Passhöhe». Von dort Busse nach Urnäsch oder nach Nesslau/Neu St. Johann
Höhendifferenz: ca. 550 Meter auf-, 250 abwärts
Einkehr: auf der Schwägalp. Lohnend auch der Umweg ab Chräzerenpass zum Berggasthaus «Chräzerli»

Karte: Wanderkarte als PDF

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