Intern

Editorial

Julian Barnes über die aktuellen Vallotton-Ausstellungen in der Schweiz – Das Welschland verändert sich – «Bild»-Chefredaktor Kai Diekmann über sein neues Buch – «Best of» der «Weltwoche»-Kolumne «Darf man das?» in Buchform erschienen

Von Ihre Weltwoche

Der grosse englische Schriftsteller Julian Barnes («Flauberts Papagei») ist seit langem fasziniert vom Schweizer Maler Félix Vallotton. Keine Frage, dass er die beiden aktuellen Vallotton-Ausstellungen, die eine im Kunsthaus Zürich, die andere in der Villa Flora in Winterthur, zum Anlass nahm, in die Schweiz zu reisen. Das tat er mit Vorfreude, aber auch mit einer gewissen Ängstlichkeit. «Könnte er sich als einer jener Künstler erweisen, die man umso weniger schätzt, je mehr man von ihnen gesehen hat?», fragt er sich in seiner grossen Vallotton-Kritik für die Weltwoche. Julian Barnes war schliesslich von Vallotton angetan, schwärmt von dessen künstlerischer Vielseitigkeit, findet die nackten Frauen indessen «entsetzlich leblos» und macht sich Gedanken über Vallottons Qualitätsschwankungen. Wir bedanken uns an dieser Stelle auch ganz herzlich bei Thomas Bodmer, dem kongenialen Barnes-Übersetzer und -Freund, der diesem Blatt durch freundliche Vermittlung zu einem aussergewöhnlichen Autorenstück verholfen hat.

Während sich in der Deutschschweiz der Wahlkampf-Finish unter Beteiligung ausländischer Presseorgane vollzieht, zeichnen sich in der Romandie bemerkenswerte Vorgänge ab. Das Welschland, einst Inbegriff für staatstreue Gemütlichkeit, EU-Euphorie und Anti-Blocherismus, verändert sich. Unser Westschweizer Kollege Stéphane Zindel, Bundeshauskorrespondent des Wirtschaftsmagazins Bilan, diagnostiziert einen Wandel in der Romandie. Die Definitionsmacht einer linken Medien-Elite lasse nach. Die Europaseligkeit weiche einem eher sachlich-distanzierten Verhältnis zu Brüssel. Unser Titelblatt variiert übrigens einen Klassiker der französischen Heldendarstellung. Das berühmte Gemälde des französischen Malers Hyacinthe Rigaud zeigt den französischen Monarchen Ludwig XIV. im königlichen Kostüm. Unsere Variante, gemalt vom deutschen Künstler Alfons Kiefer, macht Bundesrat Couchepin zum Sonnenkönig.

Er ist mit Sicherheit einer der druckvollsten, intensivsten und erfolgreichsten Journalisten Deutschlands. Kai Diekmann kommandiert die Bild-Zeitung und souffliert in dieser Funktion knapp zwölf Millionen deutschen Lesern. In einem ausgedehnten Gespräch erläutert er sein neues Buch, eine Abrechnung mit der Kultur der 68er Bewegung, die einen «Epochenbruch» markiere Richtung «Egozentrik, Faulheit, Mittelmass».

Darf man als über 50-Jähriger auf der Strasse noch Händchen halten? Darf man nach dem Schnäuzen der Nase ins Taschentuch schauen? Darf man sich als Deutscher in der Schweiz lautstark über die Bedienung beschweren? Seit über drei Jahren führt die Weltwoche die Rubrik «Darf man das?» und beantwortet die brennendsten Etikette-Fragen ihrer Leser. Ein «Best of» dieser Kolumnen ist soeben im Residenz-Verlag erschienen, das Spezialangebot für Weltwoche-Leser finden Sie auf unserer Website unter www.weltwoche.ch/darfmandas. Und die wöchentliche Antwort wie immer bei den Leserbriefen. Dieses Mal erklärt Nationalrat Martin Bäumle dass man grün sein darf und Formel-1-Fan.


Ihre Weltwoche

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