5 Cicero sind viel, selbst für eine Boulevardzeitung.
5 Cicero sind immerhin 60 Didot-Punkte, wenn man sie umrechnet in die andere gebräuchliche Masseinheit der Typographie. Kurzum, 5 Cicero oder 60 Punkt, das ist eine ziemlich fette Schriftgrösse.
«Sorry Jürg Maurer!» Die Schlagzeile auf dem letzten Sonntagsblick war 5 Cicero hoch und dominierte damit die Titelseite. Der Sonntagsblick entschuldigte sich bei Maurer, dem Portfolio-Manager von Rieter. Das Boulevardblatt hatte ihn zu Unrecht als raffgierigen und kriminellen Charakterlumpen dargestellt. Tags zuvor hatte dieselbe Sorry-Jürg-Maurer-Entschuldigung bereits die Frontpage des Schwesterblatts Blick geziert.
Wiederum ein paar Tage zuvor hatte sich der Blick bereits öffentlich bei Thomas Matter entschuldigt, dem früheren Swissfirst-Chef. Das Boulevardblatt hatte auch ihn zu Unrecht als raffgierigen und kriminellen Charakterlumpen dargestellt.
Die Entschuldigungs-Kaskade aus dem Hause Ringier zeigt einen Kulturwandel auf. Lange konnten sich die Schweizer Medien dem internationalen Trend widersetzen, wonach bei medialen Fehlleistungen mit scharfer juristischer Munition und millionenschweren Klagen zurückgeschossen wird. Nun ist diese Schonzeit abgelaufen.
Dies ist vor allem das Verdienst des smarten Berner Anwalts Peter Bratschi. Bratschi hatte bereits Botschafter Thomas Borer gegen den Ringier-Konzern verteidigt, der ihm 2002 eine Bumsaffäre vorgehalten hatte. Bratschi schaffte damals als Erster in der Schweiz einen spektakulären «Deal». Ringier entschuldigte sich und zahlte an Borer acht Millionen Franken. Diesmal nun vertrat Bratschi den Banker Matter und klagte Blick und Sonntagsblick auf 30 Millionen Franken an Schadenssumme ein.
In der Causa Borer hatte sich Ringier noch lange und vehement gegen einen Deal gewehrt. In den Fällen Matter und Maurer gab der Verlag nun sehr viel schneller auf.
Der Unterschied liegt in den Personalia. Bei Borer hatte die Führungsspitze mit Michael Ringier und Frank A. Meyer persönlich an der Demontage des schillernden Botschafters ihren grossen Gefallen. Blick-Chefredaktor Jürg Lehmann und Sonntagsblick-Chefredaktor Mathias Nolte konnten wüten, wie sie wollten, sie hatten stets den Segen von oben. Die teure Blamage von damals war dann, ad personam, auch die Blamage von Ringier und Meyer.
Bei Matter und Maurer gab es nun kein Interesse von oben, die Ringier-Chefs waren nicht involviert. Die verantwortlichen Chefredaktoren, Werner De Schepper vom Blick und Christoph Grenacher vom Sonntagsblick, wurden zudem schon vor einiger Zeit sauber entsorgt. Das nutzte Matter-Vertreter Bratschi für seine fordernde Strategie. Genauso verfuhr der Anwalt Roberto Dallafior, der den Rieter-Manager Maurer vertrat.
Man könnte nun meinen, wir würden hier das Haus Ringier kritisieren. Das Gegenteil ist der Fall. Ringier, wir anerkennen das, hat als erstes Medienhaus gemerkt, was es geschlagen hat. Die Schonzeit ist vorbei.
Im Fall Matter hat Anwalt Bratschi vier weitere Klagen hängig. Die Sühneverhandlung mit der NZZ am Sonntag ist letzte Woche gescheitert. Die drei weiteren Zielobjekte, das TV-Magazin «10 vor 10», der Tages-Anzeiger und die Sonntagszeitung, haben einen Verjährungsverzicht unterschrieben. Sie signalisieren damit, dass sie sich auf längere Verhandlungen über einen Deal einstellen. Wir vermuten, auch sie werden am Schluss fallen.
«Fiat justitia pereat mundus», sagen wir Lateiner. Das Recht geschehe, mag auch die Medienwelt untergehen.













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