Der Spruch ist uralt, so dass ich ihn über die Jahre beinahe vergessen hätte. «Die SRG ist eine Verwaltung mit angehängtem Fernsehen», lästerten wir zu meinen Leutschenbach-Zeiten in der Kantine. Nun haben es die SRG-Verwaltungsräte mit ihrer Selbstbedienungs-Mentalität geschafft, dass er aktueller ist denn je.
Natürlich ist die Sache faul. Weshalb sonst hätte man die eigenen inflationären Lohnsteigerungen im Wust irgendwelcher interner Papiere vergraben? Weshalb kann das grösste Kommunikationsunternehmen des Landes in einer solchen Sache nicht ordentlich kommunizieren? Nur dank findigen Journalisten wurde die Sache publik und führte in den vergangenen Tagen zu einem Proteststurm, den sich die SRG-Oberen selbst zuzuschreiben haben. Diese läppische Vertuschungsaktion zeigt die mangelnde Professionalität dieses Gremiums, auch wenn der hauptsächliche Nutzniesser, VR-Präsident Jean-Bernard Münch, in einem kurzen Interview im Tages-Anzeiger zu seiner Verteidigung nicht weniger als dreimal von den «gestiegenen Ansprüchen» fabuliert, ohne sie auch nur ansatzweise zu belegen.
Aber es kommt noch schlimmer. Wie immer ist es nicht der eigentliche Akt, der den grössten Schaden anrichtet, sondern das «cover-up». So erklärte SRG-Sprecher Daniel Steiner hölzern, dass die Entschädigungen der eigenen Verwaltungsräte im Vergleich zu den übrigen Unternehmen im Umfeld des Bundes wie SBB, Post oder Ruag sehr niedrig seien. Damit richtet er natürlich den Blick auf die Unterschiede: So muss die SRG im Gegensatz zu den anderen genannten Unternehmen nur einen Bruchteil der Einnahmen selbst erwirtschaften. Der dominierende Teil wird als Kryptosteuern zwangsmässig eingezogen. Die persönliche Haftung eines Verwaltungsrates, die im neuen Aktienrecht massiv erhöht worden ist, kommt gar nicht ins Spiel. Die SRG ist nicht einmal ein richtiges Unternehmen, sondern ein Verein, der sich vom Bundesrat periodisch die Gebühren erhöhen lässt.
Penible Kopfnicker
Eine breitere Öffentlichkeit dürfte bisher gar nicht gewusst haben, dass die SRG einen Verwaltungsrat hat. Denn das Unternehmen ist weitgehend eine Blackbox. Sowohl Zentralvorstand wie Verwaltungsrat werden mit meist obskuren Parteivertretern alimentiert, die im Verborgenen werkeln. Repräsentiert wird das Unternehmen beinahe ausschliesslich durch Generaldirektor Armin Walpen. Die nominellen Aufsichtsgremien machten sich in der Vergangenheit bloss als penible Kopfnicker bemerkbar, die auf Stichwort alle Irrungen und Wirrungen ihrer Untergebenen verteidigten. Vor allem Hans Fünfschilling, FDP-Politiker und SRG-Chef in der Deutschschweiz, profilierte sich während Jahren in diesem Fach, zuerst als Resonanzboden für jede Aktivität von Peter Schellenberg, um dann fugenlos auf die Linie von Ingrid Deltenre zu wechseln.
Innerhalb dieser Blackbox füllt man sich gegenseitig die Taschen, denn komoderweise werden alle Entschädigungen im eigenen Kreis beschlossen. Jeder erhält laufend mehr Geld: der Generaldirektor, die Verwaltungsräte – und vor allem ihr Präsident. So sorgte Jean-Bernard Münch für eine rekordverdächtige Erhöhung seiner Bezüge von 118000 Franken im Jahre 2005 auf neu 180000 Franken – und dies für ein Pensum, das wohl etwa bei 50 Prozent liegen dürfte. Das sind denn auch die einzigen «höheren Ansprüche», die belegt sind: diejenigen von Monsieur Münch.
Die gigantische Lohnerhöhung erfolgt in einer Zeit des Sparens, in der alle anderen Stakeholder bestraft werden. So wird beim Personal massiv gekürzt. Noch härter nimmt man die Kunden ran, die sich gegen die wirren und unverständlichen programmlichen Streichaktionen nicht wehren können. So liess man die Soap «Lüthi und Blanc» ohne direktes Nachfolgeprojekt auslaufen, um so die Dringlichkeit weiterer Gebührengelder zu unterstreichen. Armin Walpen entschied aus ähnlichen Gründen und ohne hausinterne Abstützung, dass die Formel1 nicht mehr übertragen werden soll, obwohl mit BMW Sauber ein Schweizer Team an der Weltspitze mitfährt. Und Radio DRS1 verkündete die Verbannung der Volksmusik aus dem Programm, was natürlich zu wütenden Protesten führen musste. Besonders ungeschickt war der Zeitpunkt dieser Aktion nur kurz vor dem Inkrafttreten der neuen Konzession, in der nun mit absoluter Sicherheit genau diese Pflicht zur Verbreitung des heimischen Kulturgutes aufgeführt sein wird.
All diese Flops werden vom immer besser dotierten Verwaltungsrat nicht sanktioniert werden. So ist Armin Walpens Vertrag zeitlich nicht begrenzt, anders etwa als bei den Intendanten der öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland, die sich zur Wiederwahl stellen müssen. Dass sein formeller Chef Münch nun auch im Kreuzfeuer der Kritik steht, kommt ihm sicher zupass. Damit wird das Band zwischen den beiden Exponenten eine Spur enger, und man wird sich noch mehr Rückendeckung geben. In der Öffentlichkeit lebt es sich als Abzocker eben besser im Duett als ganz allein.
Roger Schawinski: Die TV-Falle.
Kein&Aber. 192 S., Fr. 29.90
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Welches Honorar für die SRG-Spitze? Die SRG erhöht die Honorare ihrer Spitzenleute: SRG-Präsident Jean-Bernard Münch erhält künftig 180 000 Franken pro Jahr; das Amt umfasst ein 65-Prozent-Pensum. Die übrigen SRG-Verwaltungsräte bekommen 40 000 Franken für 20 bis 30 Arbeitstage. Wie beurteilen Sie diese Ansätze?
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26.09.2007, Ausgabe 39/07
Kommentar
Im Prinzip Selbstbedienung
Die SRG-Verwaltungsräte füllen sich gegenseitig die Taschen. Die Vertuschungsaktion der Lohnsteigerung zeugt von mangelnder Professionalität.
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