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26.09.2007, Ausgabe 39/07

Zu Fuss (5 Stunden)

Bündner Open End

Von Thomas Widmer

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Du nimmst frühmorgens den Zug nach Chur, willst weiter nach Ilanz und dann nach Vella und von dort auf den Piz Mundaun. Doch der Zug verspätet sich unterwegs stark, und der Anschlusszug ist weg, als du in Chur ankommst, und auf den nächsten Zug zu warten, hast du irgendwie keine Lust, und also beschliesst du: Postauto, sofort, das erstbeste, irgendwohin. Und es ist dann der Bus Richtung Lenzerheide, den du erwischst, und in Churwalden steigst du aus, schlicht weil du in Churwalden noch nie ausgestiegen bist. Und weil am Hang zur Rechten eine Sesselbahn fährt, landest du schliesslich auf der Alp Stätz.

Wie weiter, fragst du dich; eine Karte hast du nicht, die dir helfen könnte. «Piz Scalottas» auf dem Wanderwegweiser klingt reizvoll, ihn wählst du dir zum Ziel. Auf dem Höhenweg am Hang kommst du im Folgenden gut vorwärts und siehst bald linker Hand tief unten den Heidsee, und der Gipfel weit vor dir, auf dem sich ein Haus abzeichnet, wird wohl der Scalottas sein. Nach drei viertel Stunden biegt der Weg rechts hinauf auf die Krete, und von dort erblickst du das Tal auf der anderen Seite, und weil du eine Ahnung von Geografie hast, weisst du, dass es das Domleschg ist. Schön sieht es aus, so schön, dass du spontan beschliesst, den Scalottas, dem Scharen von Wanderern zustreben, darunter viele Familien, sausen zu lassen und hinab ins Domleschg zu halten. Irgendwie ist das exklusiver.

Almens heisst dein neues Ziel; du weisst vage, dass das ein Dorf in der Nähe von Scharans ist. Dein Pfad führt steil abwärts, du passierst schmucke Alpen wie die Alp Raschil und die Alp Tamil, und während du absteigst und absteigst und absteigst, ohne einen Menschen zu treffen, denkst du, dass das Domleschg sich auf myste­riöse Weise verweigert, indem es partout nicht näher kommen will. Aber endlich langst du doch noch in Almens an, führst dir Brunnenwasser zu, suchst eine Bushaltestelle, und schon kommt ein Bus. Und während du dich nun auf den Heimweg machst, findest du, dass man eigentlich viel öfter so wandern sollte: ohne Plan, open end, wohin die Füsse wollen; es liegt darin ein Gefühl der Freiheit. Was dem Autofahrer die Fahrt, ist dem Wanderer der Gang ins Blaue.


Route: Sesselbahn Alp Stätz–Bergstation–Punkt 2330 im Sattel südlich des Stätzer Horns–Almens
Höhendifferenz: 400 Meter auf-, 1550 abwärts
Heimreise: von Almens (Restaurant vorhanden) mit dem Bus zum Bahnhof Thusis

Karte: Wanderkarte als PDF

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 39/07
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