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26.09.2007, Ausgabe 39/07

Swissfirst

Augen zu und durch

Das Haus Ringier entschuldigt sich bei Ex-Bankier Thomas Matter. Es ist eine massgeschneiderte Lösung in einem Einzelfall und eine Drohung an alle Medien.

Von Ralph Pöhner

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Erst las man es unter dem roten Balken des Sonntagsblicks: «Swissfirst-Matter: Das erste Interview». Tags darauf verkündete es der Blick ganz oben: «Swissfirst-Matter: Jetzt rede ich!» Was daherkam wie ein Triumph mit Ausrufezeichen – das erste Interview eines umworbenen, aber sehr medienscheuen Mannes –, war eine herbe Niederlage: Thomas Matter bekam eine zweiteilige Plattform, um sich in ein gutes Licht zu rücken und Fehler der Ringier-Presse zu berichtigen.

So erfuhr man nun, dass der Gründer und Ex-Chef der Bank Swissfirst mit gutem Gewissen auf die Vergangenheit blickt und über einen Neustart als Unternehmer nachdenkt. Daneben stellte Marc Walder, Redaktionsdirektor Zeitungen bei Ringier, im Sonntagsblick und im Blick vom Montag mit fast identischen Worten klar: Was die beiden Blätter seit August 2006 in fast fünfzig Artikeln als «Swissfirst-Sumpf» bezeichnet hatten, nämlich die Zusam-menlegung der Bellevue-Gruppe mit der Swissfirst – es war eine saubere Sache: keine Schmiergeldzahlungen, keine Unregelmässigkeiten von Pensionskassenverwaltern, keinerlei Insidervergehen. Man habe, so Walder, «in der Berichterstattung über Swissfirst Fehler begangen. Dafür entschuldige ich mich bei Thomas Matter.»

Alles ganz anders. Die Ringier-Kampagne wurde gewendet, nachdem Matter gegen den Verlag ein Sühnebegehren eingereicht und 30 Millionen Franken gefordert hatte – 15 Millionen vom Blick, 15 Millionen vom Sonntagsblick. Um dies auszubremsen, liess sich Ringier auf eine publizistische Show ein, die fast sieben Zeitungsseiten umfasste und damit opulenter wurde als der Kniefall, den der Verlag im Juli 2002 vor Thomas Borer zu leisten hatte; andererseits floss diesmal kein Geld.

Keine Partei will die Sache weiter kommentieren, Konzernsprecher Marco Castellaneta meldet, dass es bei Ringier «nicht unüblich» sei, in die eigenen Zeitungen Entschuldigungen zu setzen, man korrigiere Fehler auch gern proaktiv; im Übrigen «verzichten wir auf weitere Aussagen und Kommentare». Laut guten Quellen hatte die Abmachung jedenfalls den Segen von Verleger Michael Ringier und Konzernchef Martin Werfeli. Doch daraus lässt sich noch kein genereller Stilwechsel ableiten oder gar vermuten, dem Publikum würden bald mehr Gefälligkeitsinterviews mit Opfern missratener Ringier-Kampagnen vorgesetzt: Denn der Deal mit Matter war auch eine Massanfertigung.

Marc Walder, seit Februar Chef des Sonntagsblicks und seit August auch Redaktionsdirektor Zeitungen, hatte bereits vor Amtsantritt einen losen Kontakt mit Matter gepflegt. Nach der Millionenklage sondierten beide Seiten, ob eine journalistische statt einer juristischen Lösung möglich sei, denn Walder erachtete dies angesichts der rechtlichen Lage als Optimum, und Matter ging es nur um eines: die Wiederherstellung seines Rufs. So war er auch bereit zu Konzessionen: Sein Auftritt kam gut getarnt daher, im Look der Prominentenpresse, inklusive Bild der Lebenspartnerin und Smalltalk übers Privatleben. «Das Wichtigste ist, dass alle vier Kinder gesund sind», so ein Haupttitel im Swissfirst-Paket des Blicks.

Es war eine «innovative Lösung», wie es im Umfeld von Matter heisst. Es war eine «pragmatische Lösung», wie aus der Nähe von Walder zu hören ist: Augen zu und durch. Es war eine Win-win-Lösung, die eine dritte Partei im Regen stehenliess: die NZZ am Sonntag. Sie war einst tonangebend gewesen bei Matters Vorverurteilung, sie hat heute ebenfalls eine Klage am Hals. Und sie bekam nun von Ringier auf sieben Seiten signalisiert, dass es eng werden könnte.

Erschienen in der Weltwoche Ausgabe 39/07
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