Intern

Editorial

Von Ihre Weltwoche

Fast drei Stunden lang haben die Inland--Redaktoren Philipp Gut und Markus Somm Christoph Blocher ins Kreuzverhör genommen. Der Bundesrat empfing die Journalisten am frühen Morgen in seinem Berner Büro, im Lauf des Gesprächs wurde viermal Espresso nachgereicht. Blocher äussert sich erstmals ausführlich zu den Vorwürfen der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Nationalrats und zur Aufsicht über die Bundesanwaltschaft. Er spricht über die unfreiwillige Wahlkampfhilfe seiner Gegner und seine Bedeutung in der Schweizer Politik. Nach vier Jahren in der Regierung zieht der ehemalige Unternehmer eine positive Bilanz. «Wenn ich ausserhalb des Bundesrates geblieben wäre, hätte ich weniger erzielt. Dass man mich derart verbissen aus der Regierung entfernen will, zeigt doch, dass es mich noch braucht.»

Betritt man Bjørn Lomborgs schöne, mit den neusten technischen Apparaturen ausgerüstete Wohnung in Kopenhagen, muss man zwecks Schonung des Parketts die Schuhe ausziehen – das galt auch für Weltwoche-Autor Peer Teuwsen. Im folgenden Gespräch gab sich der 42-jährige dänische Statistiker und Politikwissenschaftler Lomborg aber unkompliziert und humorvoll. Ja, man könnte sagen, er habe 2001 die Gelassenheit in die Umweltdebatte eingeführt, als er in einem dicken Wälzer mit vielen Statis-tiken nachwies, dass es der Welt immer besser und nicht immer schlechter gehe, räumte er ein. Generell wünscht sich Lomborg mehr Vernunft bei politischen Entscheidungen: «Wenn man seinen Gefühlen nachgibt, trifft man keine guten langfristigen Entscheidungen.»

Unterstützung von unerwarteter Seite: Die Emma, das Magazin der deutschen Feminis-tinnen-Ikone Alice Schwarzer, druckt in ihrer aktuellen Ausgabe einen Weltwoche-Artikel von Philipp Gut über die Frauen in der Politik nach. Der Titel: «Links, gerecht & grün, so wählen die Schweizerinnen.» Wir freuen uns über den feministischen Ritterschlag.

Wer Güzin Kars Weltwoche-Kolumne «Moderne Liebe» mag, der wird auch ihre Filmarbeiten mögen, denn er findet in beiden Kunstwelten denselben Clash von Rösti- und Dönerkebap-Zivilisation, von Geschlechterkampf, Feminismus und gutem altem Machismo. Nächstens wieder zu sehen auf SF1: Kars TV-Komödie «Alles bleibt anders». Mike Müller spielt einen gutmütigen Schweizer Büezer, dessen 16-jährige Tochter von ihrem türkischen Freund schwanger ist, was in beiden Familien kuriose Verwerfungen bewirkt. Dieser Film (Sonntag, 23. September, 20 Uhr) entstellt die Klischees bis zur Kenntlichkeit, weshalb wir ihn gern empfehlen.

Mit dieser Ausgabe müssen wir uns leider von unserer Redaktionssekretärin Beatrice Pisciottano verabschieden. In den letzten vier Jahren war sie das Herz und die Seele dieses Blattes, auch wenn ihr Name nie im Heft zu lesen war. Beatrice Pisciottano hat sich entschieden, weniger zu arbeiten und mehr Zeit mit ihrer kleinen Tochter zu verbringen. Wir wünschen ihr für ihre Zukunft alles Gute.

Aus aktuellem Anlass finden Sie die Kolumne «Die Deutschen» von Henryk Broder diese Woche im Magazinteil auf Seite 52.


Ihre Weltwoche

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