Zu Fuss

Böses Emmental

Auf dem Weg von Trubschachen nach Schangnau ist Gelegenheit, das Emmental mit all seinen Hochs und Tiefs zu erleben.

Von Thomas Widmer

Man muss, um die Geografie des Emmentals fassen zu können, zwei Begriffe kennen: «Egg» und «Graben». Eggen heissen die Höhenzüge, Gräben die langen Täler dazwischen, die Kombination ergibt eine eigene Landschaft, die abwechselnd lieblich und böse wirkt. Unheimlich, von einer Egg aus in einen Graben zu schauen, der so schummrig und tief ist, dass man den Grund nicht ausmachen kann; ob da unten im Weglosen je ein Mensch war, fragt man sich dann.

Auf dem Weg von Trubschachen nach Schangnau ist Gelegenheit, das Emmental mit seinen Hochs und Tiefs zu erleben. Nachdem vom Bahnhof Trubschachen aus die Ilfis überquert ist, schlägt ein Wegweiser zwei Varianten zum selben Ziel vor. Wir nehmen die rechte, sofort geht es aufwärts, und schon erblicken wir einen Graben, den Chrümpelgraben. Hat es eben geregnet, steigen Nebelchen aus dessen Wiesen, als seien wir in Hogwarts.

Die erste Wanderetappe führt in knapp zwei Stunden hinauf nach Vorder Rämisgummen. Dort, wo Wege und ein Strässchen zusammenkommen, weichen wir von der Südrichtung ab und drehen nach Osten. Bei der Geiss­haldenalp, «Geisshollen» auf der Karte, fast auf Luzerner Boden, wartet das Bergrestaurant «Erika», dessen warmer Bauernschinken mit Kartoffelsalat den Zehn-Minuten-Abstecher lohnt. Nach dem Essen setzen wir die Eggen-Gräben-Tour fort.

In immer neuen Gelände­falten und Waldwinkeln zeigen sich immer neue Bauernhöfe, deren Dächer fast den Boden touchieren; sie scheinen sich so gegen die drohende Natur wappnen zu wollen. Höchster Punkt der Wanderung ist schliesslich aussichtsreich, 1415 Meter hoch, der Wachthubel oberhalb Schangnau.

Vom Restaurant «Erika» aus offenbart sich unter dem sanftgrünen Rämisgummenkamm eine hohe Felswand. Vom Kamm selber, über den der Weg führt, ist die Wand nicht zu erahnen. Der Wanderer gerät ins Sinnieren: Ob er öfter Abgründen entlangwandelt, von denen er nichts weiss? Typisch Emmental: Alles andere als harmlos, löst es existenzielle Gefühle aus.


Route: Trubschachen–Rämisgummen–Geisshaldenalp–Pfyffer–Wachthubel–
Schangnau
Höhendifferenz: 700 Meter auf-, 500 abwärts
Einkehr: Bergrestaurant «Erika», Geisshaldenalp. Ruhetag Mittwoch. Zimmer und Lager. www.erika.too.ch
Heimreise: mit dem Bus von Schangnau nach Escholzmatt Bahnhof

Karte: Wanderkarte als PDF

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