Chez moi

Schlammschlacht

In der «Veranda» in Bern wird eine ideenreiche Weltküche mit hochwertigen Produkten geboten. Zudem bieten die hellen hohen Räume Aussicht auf idyllische alte Bäume und die ganze Stadt.

Von Julian Schütt

Über das Restaurant «Veranda» habe ich viel Abschreckendes gehört: Es befinde sich im verschnarchtesten Teil des Berner Univiertels, sei in einem ehemaligen Altersheim einquartiert; pünktlich um acht Uhr würden die Kerzen auf den Tischchen angezündet; man serviere nur Bio­weine; jedes zweite Wort im Raum sei «Projekt», geäussert von Mittelbauakademikern oder SP-Politikerinnen, die dort Stammgäste sind, und wenn mal eine hübsche Frau eintrete, tipple ihr garantiert noch ein doppelt so alter Professor aus irgendeiner geisteswissenschaftlichen Voliere nach. Zuletzt wurde mir noch von einem Risotto berichtet, der eine Konsistenz und einen Geschmack «wie Klärschlamm» habe.

Jetzt nur nicht den Appetit verlieren, ­sage ich mir. Ich besuche den miesgeredeten Ort trotzdem und finde schnell auch einige Punkte, die für die «Veranda» sprechen. Zunächst ist sie nicht mal fünf Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Zweitens tafelt man in einem hellen, hohen Raum mit Aussicht auf idyllische alte Bäume und die ganze Stadt. Und drittens und vor allem isst man, allen Unkenrufen zum Trotz, nicht bloss gesund, sondern auch recht gut, es sei denn, das von der Chefin Mary Ann Novell instruierte Kochteam habe gerade seine Launen.

Doch an diesem Abend ist aus der Küche viel Lachen zu vernehmen. So riskiere ich sogar die Jakobsmuscheln an einem Glasnudel­salat (Fr. 19.–). Das Muschelfleisch ist aussen schön kross angebraten und hat innen noch Glanz. So muss es sein. Auch der Salat mit Gemüsestreifen (Lauch, Peperoni, Zucchini) gefällt, noch besser wäre er leicht temperiert statt kalt gewesen. Dazu wird gesondert ein Korianderpesto serviert. Die Befürchtung, sein Aroma überwältige alles andere, ist unbegründet.

In der «Veranda» wird eine ideenreiche Weltküche mit hochwertigen Produkten geboten. Das Hauptgericht lässt an Nordafrika denken. Es handelt sich um Poulet-Tagine, in einem Tongefäss geschmortes Fleisch mit einer Sauce aus eingelegten Zitronen und Safran (Fr. 36.–). Dazu gibt es Datteln, Rüebli und Couscous. Köstlich im Geschmack. Das Problem ist nur, dass ich bald im Trockenen stochere und vergeblich nach mehr Saftigem oder wenigstens etwas Schlammigem suche.


Restaurant «Veranda»
Schanzeneckstrasse 25, Bern, Telefon 031 305 21 80.
www.veranda-bern.ch
Samstags und sonntags geschlossen

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