Hans Ruesch (1913–2007) – Er lebte viele Leben, eines als Rennfahrer, eines als Bestsellerautor, eines als Politaktivist. Eines in Italien, eines in den USA, eines in Frankreich, eines in der Schweiz. Geboren in Neapel als Sohn eines Schweizer Industriellen, suchte Hans Ruesch früh nach den abenteuerlichen Seiten der Existenz. Sein Medizinstudium in Zürich schmiss er hin, um eine Rennfahrerkarriere zu starten. 1935 beendete er die Mille Miglia auf Rang vier, und in den Jahren 1936 und 1937 gewann er mehrere Grands Prix. 1940 flüchtete er aus seinem damaligen Wohnort Paris – einen Tag bevor die Wehrmacht einmarschierte – und gelangte via Spanien in die USA. Dort begann er, für Magazine wie Esquire und Collier’s zu schreiben. In seinem ersten Roman beschrieb er die Welt des Rennsports – «The Racer», so der Titel, wurde 1957 mit Kirk Douglas verfilmt.
Ruesch hatte das Buch auf Englisch verfasst, Arno Schmidt übersetzte es später ins Deutsche. Vollends zum Erfolgssautor wurde Ruesch durch «Top of the World» (dt.: «Paradies im Eis»), in dem er das Leben einer Eskimofamilie beschrieb: Der Roman verkaufte sich drei Millionen Mal, machte ihn zum erfolgreichsten Schweizer Schriftsteller seiner Zeit und wurde ebenfalls von Hollywood verfilmt.
Dann aber brach Ruesch seinen Weg als Autor gehobener Abenteuerliteratur ab: Seit den siebziger Jahren schrieb er von Italien aus gegen Tierversuche; mit scharfen Sachbüchern gegen Vivisektion und Pharmaindustrie wurde er in vielen Ländern zur bekannten Figur. In der Schweiz jedoch blieb er bis zum Schluss eher unbekannt. Ralph Pöhner
José Luis de Vilallonga (1920–2007) – Er galt zugleich als arroganter Edelmann und überzeugter Sozialist, als Republikaner und enger Freund des Königs. Der spanische Adlige, Schauspieler, Journalist und Schriftsteller José Luis de Vilallonga machte seine Unberechenbarkeit zum Lebensprinzip, die Einschätzung anderer beschäftigte ihn nicht länger, als er für ein schnoddriges Achselzucken benötigte. Der Aristokratenspross kämpfte im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite Francos und behauptete später, er habe schon mit sechzehn Jahren einem Erschiessungskommando angehört. Dank seiner Exzentrizität und seiner Verankerung in der High Society wurde der Amateurschauspieler selbst von berühmten Regisseuren verpflichtet, zumindest für Nebenrollen. In Blake Edwards «Breakfast at Tiffany’s» spielte er einen brasilianischen Milliardär, in Federico Fellinis «Giulietta degli spiriti» einen Freund der Hauptfigur Giorgio. Daneben arbeitete Vilallonga als Journalist für französische People-Magazine und schrieb mehrere halbautobiografische Erinnerungswerke, in die er Anekdötchen aus dem internationalen Prominentenstadl einflocht. Zu seinem grössten Erfolg wurde ein Interviewbuch mit König Juan Carlos. Vilallonga war dreimal verheiratet und hatte drei Kinder – vielleicht sagte er deshalb noch als 86-Jähriger: «Ich liebe Nutten. Meine Generation verdankt ihnen viel, wir sind in Bordellen gereift.» Am 30. August ist Vilallonga auf Mallorca gestorben. In den Himmel wolle er nicht, hat er kurz vor seinem Tod gesagt, denn da würde er nur seine Feinde wieder treffen. «Die Hölle ist tausendmal reizvoller.» Sandro Benini













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