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Editorial

Mowaffak al-Rubaie, Sicherheitsberater der Bagdader Regierung – Fakten statt Verschwörungstheorien im Fall Roschacher – Pol Pot wirft grundlegende Fragen nach der Natur des Bösen auf – Vernissage von Eugen Sorgs Buch «Unbesiegbar»

Von Ihre Weltwoche

Seit Wochen wartet die Welt auf den Bericht von US-General David H. Petraeus. Von ihm hängen alle Abzugsplanspiele der amerikanischen Truppen aus dem Irak ab. Wenn der General am 11. September vor dem Kongress Bilanz zieht, wird in Bagdad Mowaffak al-Rubaie vor seinem Fernseher sitzen und die Präsentation verfolgen. Denn der Petraeus-Report wird auch eine Bilanz seiner Arbeit sein. Rubaie ist Sicherheitsberater der Bagdader Regierung und eine der Schlüsselfiguren im neuen Irak. Er hat aus dem Exil den Sturz Saddam Husseins mitvorbereitet, er stand bei seiner Exekution an seiner Seite und ist heute für den Aufbau der Streitkräfte zuständig. Weltwoche-Reporter Urs Gehriger hat Rubaie in seiner Residenz in Bagdad getroffen, um aus erster Hand über die Lage der gespaltenen Nation zu erfahren. Das Treffen fand in einer untypisch idyllischen Atmosphäre statt: im lauschigen «Little Venice», einem Bagdader Quartier am Tigris, durchzogen von kleinen Kanälen, in denen Dutzende von fettgefressenen Gänsen ein paradiesisches Leben frönen. Während neunzig Minuten sprach der smarte Neurologe über Fortschritte, Rückschläge und die kranke Seele des Iraks. Mehrmals wurde das Gespräch unterbrochen. Einmal verlangte General Odierno, zweithöchster US-Militär im Irak, eine Lageeinschätzung. Dann rief Schiitenführer Ali al-Sistani an und wollte Neuigkeiten über Schiitenunruhen in Kerbala.


Letzte Woche geisterte eine kuriose Geschichte durch die Presse: das «Roschacher-Komplott». Ausgehend von Dokumenten, welche offenbar die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats beschäftigt hatten, war da die Rede von einem «Aktionsplan», mit dem Bundesanwalt Valentin Roschacher letztes Jahr ausgeschaltet worden war. Teil dieser Verschwörung: die Weltwoche. Tatsächlich hatte Daniel Ammann hier aufgedeckt, dass der Bundesanwalt diskutable Methoden angewandt hatte, und tatsächlich trugen diese Recherchen dazu bei, dass Roschacher arg unter Druck kam. Doch die Idee von einem Komplott mit der Weltwoche lässt sich leicht zerzausen. So hatte Amman erstmals im Januar 2004 über die dubiosen Methoden der Bundesanwaltschaft berichtet – im Magazin Facts. Fakten statt Verschwörungstheorien zum Fall lesen Sie in dieser Ausgabe.


Pol Pot ist eine der dämonischen Politgestalten der Geschichte. Er versklavte sein Volk und verwandelte Kambodscha in ein Todeslager. Dass er privat ein liebenswürdiger Mensch war, wirft grundlegende Fragen nach der Natur des Bösen auf. Eugen Sorg hat ein Porträt des rätselhaften Diktators geschrieben. Den ersten Teil lesen Sie in dieser Nummer. Seit Jahren bereist Weltwoche-Reporter Eugen Sorg die Krisenzonen der Welt. Er berichtet von der Brüchigkeit der Zivilisation und von der erstaunlichen Fähigkeit des Menschen, auch in widrigsten Verhältnissen zu überleben. Der Schriftsteller Leon de Winter nannte Sorgs weltweit übersetzte Reportagen «ein Gebet für Menschlichkeit und Mitempfinden». Eine Auswahl der Texte publiziert nun der Verlag Nagel&Kimche, zusammen mit Fotografien von Nathan Beck, unter dem Titel «Unbesiegbar». Die öffentliche Buchvernissage findet am kommenden Mittwoch, 12. September im G27, Grubenstrasse 27, Zürich, statt, wo sich der Autor den Fragen des Schriftstellers Charles Lewinsky stellt.

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