Ein Berner Richter rettet die Rätoromanen vor der endgültigen Blamage und stellt das Verfahren gegen Urs Paul Engeler, unsern Mann im Bundeshaus, wegen angeblicher Rassendiskriminierung ein. Nachdem die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern die Strafanzeige des rätoromanischen Vereins «Surselva Romontscha» wegen Verletzung der Antirassimusnorm (ARG) entgegengenommen und nachdem das Berner Strafgericht bereits einen Termin für den Prozess gegen Engeler festgesetzt hat, vollführt die Justiz diese Woche eine abrupte Kehrtwende und hebt, ohne eine Befragung durchgeführt oder andere Abklärungen getroffen zu haben, die Strafverfolgung auf. Ist es den Bündnern, angeführt vom Martin Cabalzar, dem Chefredaktor von La Quotidiana, allerdings ernst mit ihrer Klage, können, ja müssen sie diesen Rückzieher des Einzelrichters anfechten. Allerdings hat bereits der Presserat die Klage der mimosenhaften Romanen gegen Engelers Artikel unter dem Titel «Jäger, Räuber, Rätoromane» kurz und bündig abgewiesen. Verzichten Cabalzar und seine Mitstreiter, bleibt offen, wer die Kosten für diesen Justiz-Leerlauf zu übernehmen hat. Erster Kandidat dafür ist der subventionierte Bündner Sprachverein.
In einer Artikel-Serie hat Weltwoche-Redaktor Philipp Gut gravierende Missstände bei der Tsunami-Hilfe der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Sri Lanka aufgedeckt. Nun wird das Debakel zum Politikum: Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Ständerates will den Fall untersuchen. Es sei «von grosser Bedeutung», die Vorwürfe «im Detail» zu prüfen. Dies ist umso notwendiger, als das Kartell der Helfer – bestehend aus Deza, Glückskette und den Hilfswerken Rotes Kreuz und Heks – das Scheitern mit allen Mitteln zu vertuschen sucht. Deza-Informationschef Harry Sivec weigerte sich, auf Fragen der Weltwoche zu antworten. Die Deza verfolgt die Strategie, kritische Mitarbeiter in ein schiefes Licht zu stellen und Dokumente zu zensieren. Einem Leser, der sich über die «verwerfliche» Siuation beschwerte, beschied Sivec, der Verfasser eines von der Weltwoche zitierten Abschlussberichts habe keine «Gesamtübersicht». Ein seltsames Urteil: Der Mann war Programmleiter des gescheiterten Projekts.
Die Reihe seiner brillanten Gespräche ist lang. Dem Publizisten André Müller gelingt es wie keinem andern, die Menschen zur Auseinandersetzung, zum wahren Gespräch zu zwingen. Wie er das macht? Durch ausgedehnte Vorrecherchen, gnadenloses Zuhören, genaue Niederschrift. Sein Interview mit dem Schriftsteller Peter Handke, einem der Stars der Frankfurter Buchmesse im Oktober, lesen Sie exklusiv in dieser Ausgabe. Obwohl der Schriftsteller beim Treffen in seinem Haus in der Nähe von Paris nicht wirklich Lust empfindet, über die heiklen Punkte seines Lebens zu sprechen, zum Beispiel seine Haltung zum serbischen Ex-Diktator Slobodan Milosevic, bleibt Müller beharrlich und schafft es, den Dichter zum Reden und zu bemerkenswerten Aussagen zu bringen: «Wenn ich keine Luft mehr spüre am Ende des Tages, am Abend oder am späten Nachmittag, zwinge ich mich manchmal, etwas einzukaufen, einen Radiergummi, eine Nivea-Creme, einen Zwirn, einen roten Faden...»
29.08.2007, Ausgabe 35/07
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Editorial
Berner Richter rettet Rätoromanen vor endgültiger Blamage – Die GPK des Ständerats untersucht die Tsunami-Hilfe – Exklusiv-Interview mit Peter Handke von André Müller
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