Vor einem halben Jahr traf sich Redaktor Alex Baur mit einer Gruppe von Zürcher Sozialarbeitern. Nach langen Gesprächen überliessen sie ihm einen Stapel Akten mit Fallbeispielen, die von haarsträubenden Missständen bei der Fürsorge zeugten. Baur ahnte nicht, dass er mit seinem Bericht eine Lawine lostreten würde. Unbeirrt recherchierte und berichtete er weiter. Die Sozialbranche reagierte mit einem bizarren Informationsboykott gegen die Weltwoche und lancierte eine «Gegenkampagne», die vorerst grösseres mediales Echo fand als das Original. Doch die Enthüllungen aus dem Sozialmilieu wurden zum Selbstläufer: Täglich meldeten sich Leute, um dem Autor Hinweise zuzutragen oder ihn zu ermuntern, weiterzumachen; auf dem Leser-Forum im Internet entspannen sich Debatten mit ungezählten Wortmeldungen. Mittlerweile ist der Damm gebrochen, es wird über Fragen geschrieben und diskutiert, die vor einem halben Jahr tabu waren. Neue Recherchen und Baurs Reformvorschläge lesen Sie in dieser Nummer.
Mit seinen Ankündigungen zum Klimaschutz verursachte Umweltminister Moritz Leuenberger letzte Woche einen Entrüstungssturm, aber auch Beifall. Recherchen in dieser Ausgabe zeigen, dass sich der SP-Politiker mit seinen Vorstössen in Widerspruch zu seiner eigenen Behörde brachte, ausserdem stellen wir die Frage, was die Massnahmen eigentlich bringen. In einem Interview nimmt der Bundesrat ausführlich Stellung zur Kritik und erläutert seine Thesen. Er hält sich nicht für einen Alarmisten.
Die Weltwoche erweitert mit dieser Ausgabe ihr Kulturangebot. Vor allem stärken wir unsere Literaturberichterstattung, die von alters her zu den Kernressorts des Blattes gehört. Zur Erföffnung wendet sich unser Autor Julian Schütt gegen den Hype um den neuen Roman des amerikanischen Schriftstellers Richard Ford, den er dem Genre des «Qualbuches» zuordnet. Ausführlicher berichten wir auch über Pop und Film. Das bewährte Duo Albert Kuhn und Wolfram Knorr bespricht wöchentlich auf je einer Seite die wichtigsten Neuheiten in Plattenladen und Kino.
Und noch eine Neuerung: Seit diesem Frühling führt Walter De Gregorio einen vielbeachteten Internet-Blog über den Schweizer Fussball. In Analysen, Interviews und Kommentaren rückt er dem Ball ans Leder. Ab dieser Ausgabe bis zur Euro 2008 schreibt unser Autor eine Fussball-Kolumne. Die erste widmet sich dem vieldiskutierten Jungtalent Ivan Rakitic, der diese Woche erstmals für Kroatien und nicht für die Schweiz einrückte. Einmal pro Monat wird De Gregorio ausserdem im Zürcher Szenelokal «El Lokal» zu einem öffentlichen Fussballgespräch mit Überraschungsgästen einladen, erstmals am nächsten Mittwoch, dem 29. August.
Aufgrund eines bedauerlichen Missverständnisses haben wir in der letzten Nummer «Die Liste» unseres Autors Mathias Plüss verabschiedet — wir entschuldigen uns, vor allem auch beim Autor, für den Schrecken. Sie finden die Rubrik neu im vorderen Heftteil.
Ihre Weltwoche













Kommentare