«Ich möchte der neue Schweizer Wanderpapst werden, helfen Sie, laden Sie mich ein!», schrieb ich vor zwei Monaten an die Redaktion der Talkshow «Aeschbacher». Inzwischen wurde ich erhört, Aeschbi empfängt mich am
23. August, das Motto der Ausgabe wird lauten: «Natur pur».
Bis es so weit ist und mich das Fernsehen berühmt macht, geniesse ich meine letzten Tage als anonymer Wanderer. Kürzlich war ich im Kanton Waadt unterwegs, genauer gesagt bei Les Diablerets, noch genauer gesagt in der Gegend des Lac Retaud, eines Bergsees samt einem wunderbaren Restaurant. Man erreicht diesen Genussort leicht, wenn man von Les Diablerets den Bus zum Col du Pillon nimmt. Ab der Passhöhe sind es dann nur noch dreissig Minuten Fussmarsch den Hang hinauf.
Oder aber – so verfuhr ich – man strebt dem Lac Retaud im Rahmen einer halblockeren Wanderung von Isenau aus zu. Grandios präsentiert sich von der Bergstation der in Les Diablerets startenden, charmant altmodischen Gondelbahn das vergletscherte Diablerets-Massiv auf der anderen Talseite; wer nicht gern wandert, verweilt in Isenau auf der Terrasse des Restaurants, macht gar nichts und wird damit sehr zufrieden sein.
Ich für mein Teil erstieg mir in einer schweisstreibenden Aktion den nahen Berg La Palette, 2171 Meter hoch. Die Tritte des schmalen Pfades waren reichlich hoch, und ich musste einige Male die Hände zu Hilfe nehmen. Das Panorama ganz oben fand ich sehr lohnend: deutlich besser noch als das gute, das man in Isenau kriegt. So sah ich nun auch hinüber und hinab ins Bernische und bewunderte den hingestreckten Arnensee. Und ganz hinten am Horizont reckte sich das Stockhorn gen Himmel.
Danach ging es stetig abwärts mit mir. Via den Col de Voré stieg ich nieder zum Lac Retaud. In der rustikalen Wirtschaft nahm ich Platz und bestellte eine Meringue mit Schlagrahm. «Crôute» (Käseschnitte) und Fondue hätte ich theoretisch bevorzugt, doch war es mir für derart deftige Waadtländereien letztlich zu heiss.
TV-Termin: «Aeschbacher», 23. August, 22.20 Uhr
Route: Isenau–(Les Diablerets–)La Palette–Col de Voré–Lac Retaud–Col du Pillon. 400 Meter auf-, 600 abwärts
Added Value: Bei gutem Wetter lohnt vom Col du Pillon der Seilbahnausflug hinauf zum Diablerets-Plateau «Glacier 3000»: Botta-Restaurant, Huskie-Schlitten-Fahren, Alpine-Coaster-Rodelbahn, Gletscherspazieren.
Karte: Wanderkarte als PDF













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