Zu Fuss

Vals, wir kommen!

Mit Vals ist man nicht so schnell fertig.

Von Thomas Widmer

Das Wochenende von eben war toll, selten lösten mich zwei Tage so stark vom Alltag wie diese. Hier das Kurzprotokoll in drei Punkten zum Nachleben.

1. Kraftakt – Von Nufenen am Hinterrhein stiegen wir auf den Valserberg, 2504 Meter. Über ihn zogen im Spätmittelalter Leute vom Kolonistenvolk der im Oberwallis wurzelnden Walser. Sie gründeten Vals, das man übrigens «Fals» ausspricht, den deutschsprachigen Ort am Rand der rätoromanischen Surselva. Den Valserberg-Pass nutzten sie, um Handel zu treiben. Historischer Saumpfad hin oder her – uns schien der Weg ruppig. Schön war der Adlerblick von halb oben aufs San-Bernardino-Tunnelportal. Bei der Passhöhe wurde das Szenario alpin: Da war nur noch Stein in Grau, Blau, Schwarz. Endlos lang ging es nun abwärts. Auf Walletsch konnten wir Alpenmilch tanken, hielten von der Peil nach Bodahus und gelangten über einen typischen Walser Kleinweiler endlich an den Punkt, wo 250 Meter tiefer unser Ziel sich zeigte: Vals, wir kommen!

2. Genuss – Man braucht nicht im Hotel «Therme» zu wohnen, um in dem berühmten Zumthor-Bau heiss baden zu dürfen; auch das Thermen-Restaurant ist offen für Externe. Der Sechsgänger war in unserem Fall fast perfekt gekocht; nur mutete uns das Rot-Schwarz-Dekor des Speiselokals schwülstig an, und die schwarzen Lederschürzen des Personals wirkten wie Pasolini-Sadomaso. Im alten Dorf fanden wir mehr visuelle Ruhe und Reife: in der Kirche St. Peter und Paul etwa, 1643 neu gebaut, deren Decke Petri Berufung zeigt, wobei der Maler das Zervreilahorn an den See Genezareth verlegte.

3. Zweitwanderung – Im Bus fuhren wir am nächsten Tag hinauf zum Zervreilasee. An dessen Ende reckte sich besagtes Zervreilahorn aus dem Dunst, Graubündens valable Antwort auf das Matterhorn. Über duftende Matten flanierten wir auf einem Höhenweg vorbei an dem reizenden Frunt-Kapellchen – wieder ein Platz der Walser – hinüber zur Gadenstatt. Dort setzten wir uns ins Bergrestaurant, verweilten in Andacht vor der Schönheit dieses grossen Tals und fuhren schliesslich per Gondel nieder nach Vals.

Auf der atemberaubenden Busfahrt hinab nach Ilanz gelobten wir Rückkehr. Weitere Pässe, viele andere Routen, ein Museum, die alten Häuser: Mit Vals ist man nicht so schnell fertig.


Grosse Route: Nufenen–Valserberg–Vals (1100 Meter auf-, 1300 abwärts).
Kleine Route: Zervreila–Staumauer –Frunt–Gadenstatt (200 Meter auf-, 150 abwärts)

Karte: Wanderkarte als PDF

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