Nach langem Hin und Her ist das «Frauen-Rütli» für den diesjährigen 1. August doch noch zustande gekommen. Wir nehmen die Demonstration weiblicher Macht zum Anlass für eine Bilanz. Inland-Redaktor Philipp Gut hat untersucht, wie sich die Schweizer Politik durch den elektoralen Schock von 1971, als die Frauen das Stimmrecht erhielten und sich der Wahlkörper quasi über Nacht verdoppelte, verändert hat. «Uns Frauen geht es heute sehr gut», sagte Emilie Lieberherr, eine der Pionierinnen von gestern, im Gespräch. Lieberherr wusste schon als Kind, dass sie sich «einmal für die Frauen einsetzen» werde. Für die jungen Politikerinnen von heute ist die Geschlechterfrage «kein Thema mehr», wie SP-Nationalrätin Chantal Galladé meint. Die historische Unterdrückung der Frauen hat sich längst in einen Bonus verwandelt.
Weltwoche-Autor Hanspeter Born war sofort begeistert, als man ihm vorschlug, er möge die diesjährige Tour de France besuchen. Born, 67, verfolgte als Kind die grossen Rennen von Kübler und Koblet und ist, wie er schreibt «seither dem Zauber der grossen Rundfahrten erlegen». Als 1998 die Pfleger der Festina-Mannschaft mit einem Wagen voller Spritzen und Gift erwischt wurden, versuchte er, vom Radsport loszukommen, «doch dann habe ich wieder angefangen, die grossen Bergetappen am Fernsehen zu verfolgen, und heute bin ich süchtiger denn je». Worin liegt die Faszination der grande boucle? «Über drei Wochen hinweg entfaltet sich ein spannungsgeladenes Drama, in dem eine Galerie von verschiedensten, die Skala menschlicher Tugenden und Schwächen verkörpernden Figuren eine Reihe fast mythischer Prüfungen bestehen müssen, um schliesslich das ersehnte Ziel, die Champs-Elysées – der Name könnte nicht passender sein – zu erreichen.» Trotz des jüngsten Dopingfalls um Alexander Winokurow kann Born von der Tour de France nicht lassen. Seine Hymne lesen Sie in dieser Ausgabe.
Walter Kempowski, 78, ist der grosse Aussenseiter der deutschen Literatur. Weltwoche-Kulturchef Peer Teuwsen traf den schwerkranken Autor in dessen Haus im norddeutschen Weiler Nartum. Entgegen der Prognose der Kempowski-Gattin Hildegard entspannte sich ein langes Gespräch, in dessen Rahmen der Befragte zu grosser Form auflief: Nachdenken über die fatale Tendenz deutscher Dichter und Denker zur Humorlosigkeit und Ideologieschwere, aber auch über die eigene Zeit im sowjetkontrollierten Zuchthaus Bautzen; dazwischen schlug der Schriftsteller immer wieder Fliegen tot, die ihn beim Erinnern störten. Nach zwei Stunden endete das Gespräch damit, dass Kempowski, nunmehr erschöpft, einschlief.
Die Schweiz ist reich an politischen Skurrilitäten. Kaum ein Land hat so viele sonderbare Grenzen, überholte Körperschaften und alte Zöpfe bewahrt. Leider fielen auch hier einige Gebilde dem Eifer der Französischen Revolution zum Opfer. Oft sind ihre Spuren verschwunden. Wer erinnert sich an die freie Republik Gersau? Die winzige Ortschaft am Vierwaldstättersee war als zugewandter Ort bis zum Einmarsch der Franzosen unabhängig. Ein Komplott der Schwyzer ermöglichte den Anschluss. Unser Autor Peter Hartmann ist nach Gersau gefahren und erzählt zum 1. August eine Geschichte des Eigensinns.
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