So kannten wir die Musikindustrie: eine stolze Branche, die seit Ende der Sixties die regulierte Massenabgabe ausgewählter Künstler organisierte und sich als Herz der Musikwelt sah. Heute meldet sich, einzeln und verschämt, eine um die andere Mitarbeiterin ab: «Hallo an alle, meine Zeit bei EMI/Sony/Warner etc. ist abgelaufen, wer mir einen Tipp weiss...» Traurig. Tragisch. Was geschah?
Irgendwie passierte, ganz ausser Programm, das Ding namens Internet. Wo digitalisierbare Wertsachen zirkulieren, Texte, Fotos, Filme, Software und Information. Auch Musiker sind vollfroh, dass dank Internet eine Unzahl Unbekannter mit umgeschnalltem iPod im Tram sitzen und ihre Songs summen.Andernorts kratzt man sich am Kopf. Die Branche, also: die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), setzte sich an einen Tisch und beschloss, sich an die Jugend zu wenden: «Hallo, Girls und Boys, ihr lasst das jetzt bitte gleich mit diesem Downloaden, oder es gibt massiv Ärger.» Das war purer Bluff. «Niemand wurde verurteilt, denn das bestehende Urheberrecht erlaubt das private Kopieren», bestätigt Suisa-Direktor Andreas Wegelin. Die Suisa ist jene Organisation, bei der die musikrelevanten Finanzströme zusammenkommen und an die Musikerinnen und Musiker verteilt werden – «feinverteilt» nennt es Wegelin. Der Ausdruck erinnert an nicht totzukriegende Gerüchte, wonach in der hochkomplexen Suisa Geldsummen ohne Adresse herumschweben und schliesslich irgendwo still, fein und unverteilt landen.
Richtigerweise sucht die Suisa in Zeiten gratis sprudelnder Songquellen neue Einkommen für Musiker zu generieren. Sie nahm die Becher und Kübel ins Visier, welche Songs, Filme oder Sprache speichern: erst Kassetten, Leer-CDs und Minidiscs und nun Speichergeräte, von kleinen MP3-Playern bis zu Harddisk-Rekordern. Die Schweizer Konsumenten bezahlen fünf Rappen pro Speicherstunde, gut 40 Franken mehr für einen iPod Nano und 90 Franken für einen HD-Rekorder. «Wesentlich mehr als im Ausland», moniert Andreas Tschöpe von der Stiftung für Konsumentenschutz. Und befürchtet nicht zu Unrecht weitere Übergriffe auf Musikhandys und Computer.
Trotzdem finden wir die vom Bundesgericht bestätigte Suisa-Lösung schlau. Der erhöhte Gerätepreis ist für ältere Teens oder schenkende Götti tragbar. Und vor allem: Er rechtfertigt ab sofort freies Downloaden. Denn dies ist der wahre, der perfekte und einfache Deal. Der greifbar in der Luft liegt.













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