Mit dem Fazit «Man muss öfter ins Wallis reisen» habe ich letzte Woche den Bericht über die Trientschlucht beendet. Acht Tage später fuhr ich tatsächlich ein zweites Mal ins Wallis und hatte wieder Spass. Diesmal in der Region Chablais südlich des Genfersees, die ein blaues Auge hat: Ich meine den Bergsee von Tanay auf 1400 Metern.
In Vouvry stieg ich in einen Kleinbus. Marie-Claire Vuadens hiess laut Schild die Frau, die diesen aus der Rhoneebene hinauf nach Miex chauffierte, einer Streusiedlung hoch oben am Hang. Frau Vuadens steuerte kaltblütig an Kanten vorbei, die Indiana Jones in den Angstschweiss treiben würden, und wies dabei immer wieder streng und doch lieb das eine oder andere der zwei Dutzend Schulkinder zurecht, die sie nach Hause führte; sie kannte sie alle mit Namen. In Miex/Le Flon war Endstation, ich stieg aus, ging auf einem steilen Natursträsschen los, erreichte nach fünfzig Minuten den Col de Tanay und erblickte kurz darauf den lieblich in ein Rund von Bergzacken gebetteten See. Keine Lust hatte ich, jetzt den Grammont (2172 Meter) zu besteigen, von dem aus man den Genfersee sähe. Dies hätte, den Abstieg zum See mitgerechnet, die Wanderung um vier Stunden verlängert. Auch ein Wanderkolumnist hat ein Recht auf etwas Faulheit.
Stattdessen stürzte ich mich ins erstbeste Restaurant. «La Petite Auberge» war urgemütlich und recht voll, und der Wirt sah aus wie weiland Gilbert Bécaud. An meinem Tisch herrschte eine fidele Stimmung, ich Exot wurde auch gleich in die aus dem Trinken von Fendant bestehende Ritualität des aus Wanderern und Ferienhäuschenbesitzern bestehenden Sitzkollektivs integriert. Oben am Tanay bleibt keiner allein.
Nachmittags stieg ich, nachdem ich um den See gebummelt war, wieder ab. Der Abwechslung halber wählte ich die längere Variante über Prélagine nach Miex/Vésenand und wurde belohnt: An einer Stelle sieht man unverhofft – der Grammont ist also nicht zwingend – den Genfersee. Dankbarkeit empfinde ich im Nachhinein auch darüber, dass ich trotz des Fendants unfallfrei nach Hause gekommen bin.
Route: Miex/Le Flon–Lac de Tanay–Miex/Vésenand
Höhendifferenz: 500 Meter auf-, 600 abwärts
Einkehr: mehrere Gasthöfe am See. In ihnen kann man z.T. auch übernachten, Chablais Tourisme hilft: Tel. 0848 765 345. Einkehr in Miex/Vésenand:«Cornettes de Bise»
Anreise: vom Bahnhof Aigle Bus über Vionnaz nach Vouvry. Weiter mit dem Kleinbus – wenige Kurse!
Karte: Wanderkarte als PDF













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