Dass der Presserat eine Beschwerde der Rätoromanen gegen die Weltwoche und Urs Paul Engeler zu behandeln hatte, ist ein Zeichen der Verluderung der publizistischen (Streit-)Kultur des Landes. Die «Privatperson», die den Presserat eingeschaltet hatte, zeichnet als Redaktor der subventionierten rätoromanischen Zeitung La Quotidiana, deren Chef wiederum Präsident der Surselva Romontscha ist, die mit einer Strafanzeige wegen Verletzung des Antirassismusgesetzes (ARG) einen Prozess gegen Engeler losgetreten hat. Das klagende Duo hätte also über alle journalistischen Mittel verfügt, um unsere Kritik an der sinnlosen Romanenhilfe mit einer fulminanten Replik zu kontern und eine Debatte auszulösen — hat aber, leider, keinen einzigen Buchstaben aufs Papier gebracht. Beginnen Journalisten und Medien, sich gegenseitig vor die Gerichte und Instanzen zu zerren, fördern sie nur die Verrechtlichung des öffentlichen Diskurses. Dass der Presserat die Eingabe klar abgewiesen hat, ist auch als Aufforderung an die Branche zu verstehen, für das Publikum zu schreiben und nicht für die Tribunale.
«Harry Potter» heisst das grösste Literaturereignis der Gegenwart. Die Romane, von denen der siebte und letzte am 21. Juli erscheint, sind von Millionen von Lesern verschlungen worden, die Autorin Joanne K. Rowling wurde zur Milliardärin, Warner Brothers konnte durch die Potter-Verfilmungen seine kommerziellen Abschiffer wettmachen. Wird Harry am Ende sterben? Warum ist das interessant? Was machte Rowling richtig, was falsch? Diese Fragen haben wir dem Literaturkritiker und besten deutschsprachigen Potter-Experten, Michael Maar, gestellt. Er hat sie alle beantwortet – und er erzählt, wie er selbst, der eigentlich vor allem Proust liest, in den Bann dieses grossartigen Märchens geriet.
Die Polen Lech und Jaroslaw Kaczynski sind ein Novum in der Geschichte: Erstmals bekleiden eineiige Zwillinge gemeinsam die höchsten Ämter – Präsident und Premier – einer Demokratie. Seit sie an der Macht sind, sorgen sie in Europa für heisse Köpfe. Stur, egoistisch, paranoid wurden sie jüngst geschimpft, als sie am EU-Gipfel für Polen einen vorteilhafteres Stimmenverhältnis in der EU-Kommission einforderten. Vielen Europäern geht die aufopfernde Pose der Polen längst auf die Nerven. Vergessen wird dabei, dass der Fall der Mauer und der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums im Widerstand der Polen ihren Anfang nahmen. Ohne ihren Mut hätte es das neue Europa, über dessen Verfassung heute verbissen gekämpft wird, nie gegeben. Auslandredaktor Urs Gehriger hat Polen besucht, um das Phänomen der sonderbaren Regierungs-Zwillinge zu ergründen.
Unser Reporter Walter De Gregorio war zu Hause beim Gnocchi-Essen mit Redaktionskollegen, als ihn die Nachricht erreichte, dass Boliviens Präsident Evo Morales in Zürich gelandet sei und für ein Interview zur Verfügung stehe. Der Pressetermin kam doch nicht zustande, dafür wurde De Gregorio eingeladen, bei einer Freundschaftsbegegnung im Zürcher Quartier Wiedikon mit Schweiz-Bolivianern und dem fussballbegeisterten Morales mitzuspielen. Der Politiker verpasste dem Reporter während des Matches einen Kniestich, der vom Unparteiischen allerdings nicht geahndet wurde.
Ihre Weltwoche
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