Klausjürgen Wussow (1929–2007) - Bei seinem letzten Fernsehauftritt – natürlich als Professor Brinkmann – konnte man ihn nur noch von einer Seite fotografieren. Man hätte sonst den Knopf im Ohr gesehen, mit dessen Hilfe ihm ein Assistent Wort für Wort seines Textes vorsagte. Das Gedächtnis hatte er verloren, aber die Mechanismen der Schauspielerei funktionierten immer noch. Wenn er nicht weiterwusste, erschien das als ausdrucksvolle Pause. Er war ein wirklich guter Schauspieler, auch wenn man in der «Schwarzwaldklinik», dieser Mutter aller Krankenhausserien, nicht mehr viel davon merkte. Dort reichten der mit-fühlende Blick und das sonore Organ völlig aus, um aus ihm den Chefarzt zu machen, von dem halb Deutschland sich jeder-zeit gern hätte operieren lassen. Die zwei Jahrzehnte am Wiener Burgtheater, Rollen wie Faust oder Don Carlos, gingen darüber vergessen. Als sein Intendant Claus Peymann ihn damals beurlaubte, damit er im Glottertal siebzig Episoden lang die heile Welt siegen lassen konnte, da war ihm klar, dass Klaus Jürgen Wussow für das Theater verloren war. Man vertauscht nicht ungestraft das Königszepter mit dem Chirurgenskalpell. Nicht mehr in Theater heute wurde über ihn berichtet, sondern in den Klatschspalten. Er litt nicht darunter. Er war gern berühmt. Und wenn ein Verehrer zwischen Person und Rolle nicht mehr zu unterscheiden wusste und ihn um medizinischen Rat fragte, liess er sich nicht lange bitten. Er wird als Chefarzt aller Chefärzte in Erinnerung bleiben. Auch wenn er am Schluss nur noch ein Schauspielroboter war. Ferngesteuert und mit Knopf im Ohr.
Charles Lewinsky
Edouard Brunner (1932–2007) - Mit einem stupenden Gedächtnis ausgestattet, besass Brunner ein einmaliges Gespür für politische Zusammenhänge. Seine brillante Karriere erreichte ihren Höhepunkt, als er 1984 zum Staatssekretär ernannt wurde. Der Sozialdemokrat Pierre Aubert liess dem parteilosen Diplomaten weitgehend freie Hand. Er machte die Menschenrechte zu einem wichtigen Bestandteil unserer Aussenpolitik, hielt die Schweiz aber von Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika fern. Auch bot er mehrfach die Guten Dienste der Schweiz an, mit Erfolg beim historischen Gipfeltreffen von Genf zwischen Reagan and Gorbatschow, mit einem Misserfolg im Falkland-Konflikt. Der europäischen Integration schenkte er eher wenig Beachtung. Die Nachfolger an der Spitze des EDA hielten Brunner lieber etwas auf Distanz. Er war ihnen wohl zu mächtig. So übernahm er 1989 die Botschaft in Washington und 1993 jene in Paris. Uno-Generalsekretär Pérez de Cuéllar ernannte ihn 1991 zum Sondergesandten im Nahen Osten und dessen Nachfolger Boutros-Ghali zum Sonderbeauftragten im Kaukasus. Seine eigentliche Lebensaufgabe hatte Brunner freilich in der KSZE (heute OSZE) gefunden. Um ihn kam man in den Verhandlungen nicht herum. Ost und West wandten sich gleichermassen an den gewieften Taktiker. Er verstand es, der Schweiz in der Ost-West-Konfrontation überproportionales Gewicht zu verleihen. 1997 wurde Brunner pensioniert. Aber die Lust an der Aussenpolitik verliess ihn nicht. Wo immer er konnte, erteilte er Rat. Eine grosse Stimme ist verstummt.
Paul Widmer













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