Im Mai feierten die Koalitionstruppen in Afghanistan ihren grössten Erfolg seit dem Fall des Taliban-Regimes. Nach monatelanger Jagd hatten sie den für seine rohe Gewalt berüchtigten Militärchef Mullah Dadullah erschossen. Kurz darauf schlossen die Taliban die Lücke und ernannten Dadullahs jüngeren Bruder Mansur zum Nachfolger. Um einen Kontakt mit dem neuen starken Mann der Gotteskrieger bemüht, kontaktierten Auslandredaktor Urs Gehriger und der afghanische Weltwoche-Mitarbeiter Sami Yousafzai einen lokalen Journalisten mit exzellenten Kontakten zur Taliban-Elite. Anfang Juni machte sich dieser, ausgestattet mit einer Videokamera, auf den Weg. Am 7.?Juni war er am Ziel. In einer verlassenen Hütte traf er Mansur Dadullah zum Gespräch. In einem 18-minütigen Video-Interview, das in dieser Ausgabe weltweit erstmals gedruckt wird, kündigt Mansur die Ausweitung seiner Attacken auf den Westen an. «Unser Kampf ist global», sagt er und erklärt, weshalb er Hand in Hand mit Bin Ladens al-Qaida in den Krieg zieht.
Zwei Tage später bekräftigte Mansur seine Kriegserklärung. In einer bizarren Graduierungszeremonie vor rund 300 Suizid-Attentätern drohte er mit Anschlägen in den USA, Kanada, Grossbritannien und Deutschland. Die Aufnahme des Treffens, gefilmt vom selben Journalisten, der Mansur für die Weltwoche interviewte, wurde letzte Woche vom US-Fernsehsender ABC ausgestrahlt. Seither herrscht bei westlichen Sicherheitsdiensten erhöhte Alarmstufe. «Wir sind voll ins Zielspektrum des islamistischen Terrors gerückt», sagt der deutsche Innenstaatssekretär August Hanning. Die Gefahr von Anschlägen sei seit 2001 nicht mehr so gross gewesen, so Hanning, der nicht zum Alarmismus neigt. Das vollständige Transkript des Interviews mit Mansur Dadullah ist auf www.weltwoche.ch/mansur nachzulesen.
Carl Bernstein, 63, ist einer der bekanntesten Journalisten der Welt. Vor 35 Jahren, als 28-Jähriger, deckte er die Watergate-Affäre auf, die Präsident Richard Nixon zum Rücktritt zwang. Jetzt hat Bernstein eine monumentale Biografie über Hillary Clinton geschrieben. Stark erkältet und zunehmend heiser empfing er die Weltwoche zum Gespräch im Berliner Luxushotel «Adlon» beim Brandenburger Tor. Der Erfolg damals sei ihm schlecht bekommen, vertraute er Daniel Ammann an: Alkohol, Affären, schlechte Arbeitsmoral. «Was ich ablieferte, war immer sehr gut. Aber ich lieferte oft nichts ab», gestand Bernstein. Die 960 Seiten starke Biografie, die eben auf Deutsch erschienen ist, gehört definitiv zum Guten.
Unser Kolumnist Henryk M. Broder wurde mit dem Frankfurter Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet. Broder, 1946 im polnischen Katowice (Kattowitz) geboren und 1958 mit seinen Eltern nach Deutschland ausgewandert, griff immer wieder in deutsche Debatten ein – witzig, polemisch, gelegentlich sehr bissig, was ihm des Öfteren einstweilige Verfügungen und Klagen – die andere gewannen – einbrachte. Die FAZ bezeichnete ihn als «erbarmungslosen Provokateur und klassischen Unruhestifter». Wir gratulieren Henryk M. Broder
zu dieser bedeutenden Auszeichnung ganz herzlich.
Ihre Weltwoche
27.06.2007, Ausgabe 26/07
Intern
Editorial
Taliban-Führer kündigt die Ausweitung seiner Attacken auf den Westen an – Carl Bernstein schreibt monumentale Biografie über Hillary Clinton – Henryk M. Broder mit dem Frankfurter Ludwig-Börne-Preis ausgezeichnet
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