Zu Fuss (3 Stunden)

Ein Berg, ein Klub

Was dem Bergsteiger das Matterhorn, ist dem Wanderer der Grosse Mythen.

Von Thomas Widmer

Was dem Bergsteiger das Matterhorn, ist dem Wanderer der Grosse Mythen: Da will, da muss er hinauf. Ein perfektes Unikat ist der Hausberg von Schwyz, verkörpert weniger einen Berg als die Fantasie eines Berges und regiert sein Umland als schroff-absoluter Herrscher. Und eben – dem Schein zum Trotz kann man diese versteinerte Majestät erwandern. Und es stellt sich der Weg, der von der Holzegg in anderthalb Stunden hinaufführt, als zivilisatorische Sensation heraus: mit welchem Ingenium er in vielen Kehren durch die Südostwand geführt ist, um endlich den Nordostgrat zu queren. Oben auf 1898 Metern über Meer findet man dann ein Wirtschäftchen, die Rundsicht ist grandios, und also ist das Wandererlebnis vollkommen.

Ein exklusiver Verein huldigt dem Grossen Mythen, der «100er-Club»; man darf ihm nur beitreten, wenn man den Berg 100 Mal pro Saison erklommen hat, und jede Saison muss man sich neu qualifizieren.

Eine happige Sache, denn ab Holzegg sind das doch jedesmal auf- und abwärts je 500 Höhenmeter. Und nur gerade einmal geht es kurz, gut 20 Meter, geradeaus und kann man verschnaufen auf einem Steg mit Geländern beidseits, der diese einzige ernsthaft exponierte Stelle sichert. Gefährlich ist der Grosse Mythen im Übrigen nicht, wenn man gute Schuhe trägt, trittsicher ist und nur bei trockenem Wetter hochsteigt. Und jener Schwyzer Coiffeur, ein Mitglied des erwähnten Klubs, dessen Herz 2003 eines Nachts versagte, nachdem er im laufenden Jahr schon 193 Besteigungen absolviert hatte, starb immerhin, das hat seine Witwe betont, glücklich.

Mittlerweile erweisen dem Grossen Mythen jedes Jahr rund 30 000 Menschen ihre Reverenz. Ein Geheimtipp ist er nicht. Aber man muss ihn kennen und wird ihn jedes Jahr neu bewandern wollen, wenn man ihn nur kennengelernt hat; ich schenke mir dies prickelnde Steilvergnügen meist zum Geburtstag.

Eben ist der Verein der Mythenfreunde daran, die Nachfolge des scheidenden Mythen-Wirtes zu regeln. Der neue soll seine Stelle nächsten Frühling antreten, klar ist schon jetzt: Dieser Job bietet eine tolle Perspektive.

Route: Holzegg–Grosser Mythen retour
Anreise: Von Einsiedeln per Bus nach Brunni Talstation LBH. Weiter mit der Seilbahn auf die Holzegg
Verlängerung: aufwärts 45, abwärts 30 Minuten zusätzliche Gehzeit bei Verzicht auf die oft überlastete Seilbahn
Einkehr: «Holzegg» und Gipfelbeiz durchgehend offen. Bei Brunni Talstation Restaurant «Uralp» mit österreichischer Küche, z.B. Palatschinken (Do/Fr geschlossen)

Karte: Wanderkarte als PDF

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