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Editorial

Rätoromanen-Prozess gegen Urs Paul Engeler verschoben – Matthias Ackeret, Blocher-Biograf, ergründet das Erfolgsrezept von Bundesrat Christoph Blocher – Walter Thirrings Schilderungen von astronomischen Phänomenen lesen sich wie ein Thriller

Von Ihre Weltwoche

Heute Donnerstag hätte Urs Paul Engeler, unser Mann im Bundeshaus, vor dem Strafgericht im Berner Amthaus erscheinen und sich gegen den bizarren Rassismus-Vorwurf verteidigen müssen, mit dem die Rätoromanen ihn seit einem halben Jahr verfolgen. Dieser Termin ist vorerst geplatzt, weil die Surselva Romontscha, die Anzeige erstattet hatte, nun nicht als Privatklägerin auftreten will. Das finanzielle Risiko schien ihr offensichtlich zu gross. Beim erwarteten Freispruch hätten die Romanen sich an den Prozesskosten und an der angemessenen Entschädigung Engelers beteiligen müssen. Schlecht zu ihrer peinlichen Absenz vor Gericht passt die Behauptung der Vereinigung, sie verfüge über «Forschungsergebnisse» und «wissenschaftliche Erkenntnisse», wonach «die Romanen eine ethnische Minderheit bilden». Das Anti-Rassismus-Gesetz (ARG) wird so zum Tummelfeld der Rassenspezialisten und Genforscher. Der Prozess gegen Engeler, der alle ARG-Befürworter nervös macht, wird voraussichtlich im August oder September neu angesetzt. In diesem Blatt beschäftigt sich Engeler mit der Geschichte der zeitlich befristeten Steuererhöhungen, wie sie jetzt wieder für die Finanzierung des IV-Defizits vorgeschlagen werden. Seite 14

Eigentlich dachte der Journalist Matthias Ackeret daran, die autorisierte Blocherbiografie («Liebi Fraue und Manne») fortzuschreiben, kam dann aber im Gespräch mit Christoph Blocher zu einem Buch über die Führungstechniken des Bundesrats. Er wollte verstehen, was den Bauernknecht zum mächtigsten Mann der Schweiz machte. In stundenlangen Gesprächen auf Blochers Schloss und in seinem Haus über dem Zürichsee ergründete Ackeret Blochers Erfolgsgeheimnis. Seine Lebensmaxime ist so einfach wie bestechend: Wer führen kann, wird Erfolg haben, sei es im Beruf, in der Politik oder der Familie. Viele seiner Führungsgrundsätze stammen aus dem Militär, nur dort, so Blocher, müssten sie sich in der extremsten aller Lebenssituationen, nämlich in der Auseinandersetzung zwischen Leben und Tod, bewähren. Ackerets Buch erscheint unter dem -Titel «Das Blocher-Prinzip. Ein Führungsbuch» im Meier-Buchverlag. Für die-se Aus-gabe der Weltwoche hat Christoph Blocher seine Grundsätze in einem Essay zusammengefasst. Seite 50

Im Gespräch mit unserem Autor Mathias Plüss erklärt der 80-jährige österreichische Physiker und Organist Walter Thirring, warum manche Sterne nach einem Gravitationskollaps zu einem Schwarzen Loch werden, unsere eigene Sonne hingegen wahrscheinlich als bescheidener Kris-tall enden wird. Thirring arbeitete mit Heisenberg, Schrödinger und Pauli zusammen und kannte Einstein. Er hatte selber keine Matur absolviert, was erst nach seiner Doktorierung auskam. Seine Schilderungen von astronomischen Phänomenen lesen sich wie Thriller, und er selber bezeichnet die Entwicklung des Kosmos als Wunder. Dass manche Leute zwischen Naturwissenschaft und Glauben einen Widerspruch sehen, erscheint ihm absurd. Seite 56

In der letzten Ausgabe der Weltwoche waren aufgrund eines Irrtums Seitenangaben im Inhaltsverzeichnis falsch angegeben. Wir entschuldigen uns für diesen bedauerlichen Fehler.

Ihre Weltwoche

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